Prozess um mutmaßliche Vergewaltigung am LG Traunstein

Mutmaßliches Opfer: "Das war ein Moment, den man nicht beschreiben kann"

Traunstein / Grassau: Prozess am Landgericht wegen Vergewaltigung einer Frau
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Am Landgericht Traunstein muss sich ein 29-Jähriger wegen Vergewaltigung verantworten

Grassau/Traunstein - Ein 29-Jähriger muss sich ab Montag, den 9. März, wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Traunstein verantworten. chiemgau24.de berichtet aus dem Gerichtssaal:

Das Wichtigste in Kürze

  • Mutmaßliches Opfer soll von Arbeitskollegen in dessen Wohnung vergewaltigt worden sein
  • Angeklagter bestreitet Tat vehement
  • Mutmaßlich Geschädigte leidet psychisch unter Folgen der Tat
  • Öffentlichkeit von Vernehmung der Klägerin ausgeschlossen

Update, 16.50 Uhr: Mutmaßliches Opfer: „Das war ein Moment, den man nicht beschreiben kann.“

Während ihrer Aussage schaut der Angeklagte das mutmaßliche Opfer kein einziges Mal an. Er hört ihr mit gesenktem Blick zu, zeigt keine Regung. 

Laut Aussage der Frau sei ihr Verhältnis gut gewesen, sie habe ihn als Freund und Arbeitskollegen gesehen. „Er hat kein schlechtes Bild gemacht, man hat mit ihm lachen und reden können.“ Man habe über „Gott und die Welt“ gesprochen. Sie habe den Angeklagten vor der Tat zwei oder drei Mal bei ihm zuhause besucht, sei jedoch nie länger als eine Stunde geblieben. Am Tag der Tat habe man bei ihm Zuhause darüber gesprochen, wie man gemeinsam den Samstag gestalten könne.


 Sie habe bei ihm auf der Couch gesessen, als er dann plötzlich zu ihr rüber gekommen sei und ihre Hände über dem Kopf mit einem Schal zusammen und ihr die Augen verbunden habe. „Du brauchst keine Angst haben, dir passiert nichts“ habe er zu ihr gesagt. „Ich habe Angst bekommen und gesagt er soll das bitte lassen. Ich war wie erstarrt.“ Sie habe versucht sich zu wehren, aber er habe sich mit seinem vollen Gewicht auf sie gelegt. „Das war ein Moment, den man nicht beschreiben kann.“ Sie habe geschrien und sich gewehrt. Der Angeklagte habe zu ihr gesagt, dass ihr das nichts bringe und dass er beim Militär gewesen sei und man da Sachen anders regle. 

Sie habe Angst und Ekel empfunden. „Ich wollte einfach nur sterben, als mit sowas klar kommen zu müssen.“ Während ihrer Aussage bricht sie immer wieder in Tränen aus. Sie legt den Sachverhalt in vollem Umfang wie in der Anklageschrift beschrieben, dar. 

Die Verhandlung wird am 13. März um 9 Uhr fortgesetzt.

Update, 14.25 Uhr: Öffentlichkeit von Vernehmung des mutmaßlichen Opfers ausgeschlossen

Der Sachbearbeiter der Kripo Traunstein berichtet von der Strafanzeige der Frau bei der Priener Polizei. Der Angeklagte wurde auf die Anzeige hin festgenommen und seine Wohnung durchsucht. Die Frau kam zur Untersuchung ins Krankenhaus. Die polizeiliche Vernehmung habe man laut Beamten abbrechen müssen, da die Frau zu weinen begann. Insgesamt zwei Mal sei sie von der Polizei vernommen worden. Laut Vorsitzendem Richter Erich Fuchs gebe es Widersprüchlichkeiten bei den beiden Aussagen.

Nun soll das mutmaßliche Opfer aussagen. Nebenklagevertreterin Kirsten Hieble-Fritz beantragt, die Vernehmung ihrer Mandantin in Abwesenheit des Angeklagten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen. Ihre Mandantin leide psychisch extrem unter den Folgen der Tat, was auch die Therapeutin vor Gericht bestätigt.

Das Gericht gibt dem Ausschluss der Öffentlichkeit statt, er betrifft jedoch nur Zuschauer und nicht Pressevertreter. Auch der Angeklagte bleibt im Gerichtssaal.

Update, 11.26 Uhr: Angeklagter: "Ich verstehe nicht, warum sie mein Leben zerstört hat"

Die Staatsanwältin verliest die Anklageschrift. Der Angeklagte folgt den Ausführungen ruhig mit gesenktem Blick. Er will vor Gericht Angaben zu seiner Person und zur Sache machen.

Mit der mutmaßlichen Geschädigten, einer Arbeitskollegin, habe er vor der Tat etwa einen Monat lang Kontakt gehabt. Die Frau habe ihn insgesamt vier Mal zuhause besucht. „Wir sind zusammengesessen und haben miteinander geredet.“ Sexuelle Kontakte habe es bislang nicht gegeben. 

Bei ihrem letzten Treffen habe das mutmaßliche Opfer den Angeklagten gefragt, ob er sie massieren wolle, was er bejahte. Bei der Massage habe die Frau den Angeklagten dann aufgefordert, sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen. „Dann hat sie gesagt 'lass uns Sex haben', was wir dann auch gemacht haben“, sagt der Angeklagte vor Gericht. Nach dem Geschlechtsverkehr habe sie sich angezogen, noch drei Zigaretten aus seiner Schachtel genommen und gesagt, sie müsse jetzt gehen. „Sie hat mich noch umarmt und gesagt 'wir sehen uns wieder'.“

Er wisse nicht, warum die mutmaßliche Geschädigte überhaupt so starken Kontakt zu ihm haben wollte. „Sie wollte alles über mich wissen. Ich verstehe nicht, warum sie jetzt mein Leben zerstört hat. Ich habe niemals mit Gewalt etwas einer Frau angetan“, sagt der Angeklagte unter Tränen. Er verstehe nicht, warum die mutmaßliche Geschädigte das bei der Polizei angezeigt hat. „Ich verstehe das nicht. Es war mit ihrem Einverständnis, sie wollte es und jetzt sitze ich im Gefängnis.“ Er hätte es niemals ohne ihr Einverständnis gemacht. „Ich war drei Jahre mit einer Frau zusammen, habe ein Kind mit ihr, fragen Sie sie.“

Vorbericht

Am 9. März beginnt der Prozess gegen einen 29-jährigen Mann, der eine Frau in seiner Wohnung vergewaltigt haben soll. Das Gericht setzte zwei Verhandlungstage fest. Fortsetzung ist voraussichtlich am 13. März um 9 Uhr. 

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd damals mitteilte, habe am späten Samstagnachmittag, 28. September, eine junge Frau persönlich Anzeige bei der Polizei in Prien am Chiemsee erstattet. Ihren Aussagen zufolge habe sie sich am frühen Samstagnachmittag mit einem Arbeitskollegen in dessen Wohnung getroffen, um gemeinsame Unternehmungen für den Samstagabend zu besprechen. Während des Gesprächs soll sich der Mann plötzlich auf sie gelegt und gegen ihren eindeutigen Willen sexuell bedrängt haben. Der Tatverdächtige habe aber nicht von ihr abgelassen, habe sie gefesselt und unter Drohungen vergewaltigt, so die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhob Anklage wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung.

jb

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