Prozess um Vergewaltigung in Grassau - Staatsanwältin fordert lange Haft

Arbeitskollegin vergewaltigt? "Sie wollte es und jetzt sitze ich im Gefängnis"

Traunstein / Grassau: Prozess am Landgericht wegen Vergewaltigung einer Frau
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Am Landgericht Traunstein muss sich ein 29-Jähriger wegen Vergewaltigung verantworten

Grassau/Traunstein - Ein 27-Jähriger muss sich seit Montag, den 9. März, wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Das mutmaßliche Opfer leidet stark unter der Tat. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Opfer soll von Arbeitskollegen in dessen Wohnung vergewaltigt worden sein
  • Angeklagter bestreitet Tat vehement
  • Mutmaßlich Geschädigte leidet psychisch unter Folgen der Tat
  • Öffentlichkeit von Vernehmung der Klägerin ausgeschlossen
  • Plädoyers gesprochen

Am 9. März begann der Prozess gegen einen 27-jährigen Mann, der eine Frau in seiner Wohnung vergewaltigt haben soll. Am zweiten Prozesstag wurden die Plädoyers gesprochen. Die Staatsanwältin Pia Hiebl forderte sieben Jahre Haft, Opferanwältin Kirsten Hieble-Fritz schloss sich an. Verteidiger Manfred Kösterke forderte Freispruch. Das Urteil soll am 24. März 11 Uhr gesprochen werden.

Aussage gegen Aussage

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd damals mitteilte, habe am späten Samstagnachmittag, 28. September, eine junge Frau persönlich Anzeige bei der Polizei in Prien am Chiemsee erstattet. An diesem Tag hatte die Frau zuvor ihren Arbeitskollegen bei ihm zuhause besucht. Was dann geschah – darüber klafften die Aussagen der jungen Frau und des Angeklagten konträr auseinander. Der Angeklagte schilderte einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. „Sie hat gesagt: 'lass uns Sex haben', was wir dann auch gemacht haben“, sagte der 27-Jährige am ersten Verhandlungstag vor Gericht. Er könne die Anschuldigungen der Frau nicht verstehen. "Ich verstehe nicht, warum sie mein Leben zerstört hat. Es war mit ihrem Einverständnis, sie wollte es und jetzt sitze ich im Gefängnis“, so die Aussagen des Mannes unter Tränen.


Die Nebenklägerin bestätigte in nichtöffentlicher Sitzung den Sachverhalt der Anklageschrift. Demnach packte der 27-Jährige sie überraschend, fesselte ihre Hände mit einem schwarzen Schlauchschal, verband ihr die Augen mit einem anderen Stoffteil und vergewaltigte sie. Der jungen Frau gelang es nicht, sich zu wehren oder zu befreien. Ihr Schreien und Weinen hörte niemand. Sie  trug laut Anklage Schmerzen, Blutergüsse und Hautverletzungen davon. Bis heute leide sie laut ihrer Anwältin Kirsten Hieble-Fritz psychisch extrem unter den Folgen der Tat, was auch die Therapeutin vor Gericht bestätigt. 

Verletzungen könnten von der mutmaßlichen Vergewaltigung stammen

Rechtsmediziner Dr. Fritz Priemer aus Wonneberg gelangte zu dem Fazit, die Verletzungen der 19- Jährigen seien mit dem angeklagten Geschehen zu vereinbaren, könnten aber auch andere Ursache haben. Ein Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamts in München zu Faserspuren des schwarzen Schals an der Geschädigten erbrachte kein eindeutiges Ergebnis – weder in belastender noch in entlastender Richtung.

Die Plädoyers

Die Staatsanwältin ging von „schwerer Vergewaltigung“ und „vorsätzlicher Körperverletzung“ aus. Aussage stehe gegen Aussage. Sie glaube der Geschädigten, betonte Pia Hiebl. Die Angaben des 27- Jährigen seien widersprüchlich und in Teilen nicht nachvollziehbar. Die Nebenklägerin habe den Vorfall ohne Belastungseifer geschildert. Sie fordert sieben Jahre Haft für den Angeklagten. 

Die Nebenklagevertreterin stellte die psychischen Folgen ihrer Mandantin in den Mittelpunkt ihres Plädoyers. Ihre Mandantin leide an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, versuche aber engagiert, in ein normales Leben zurückzufinden.

Verteidiger Manfred Kösterke  hob heraus, auch die Aussage der Zeugin sei nicht immer konstant gewesen. Einige Behauptungen könnten durch nichts belegt werden. Bei seinem Mandanten gebe es keine Hinweise auf Gewalttätigkeit. Er sehe keinen Grund, warum die Aussage der Nebenklägerin glaubwürdiger sein sollte als die des Angeklagten. Deshalb müsse der 27-Jährige freigesprochen werden. 

Im „letzten Wort“ wiederholte der Angeklagte, er wisse nicht, warum ihn seine Mitarbeiterin falsch belaste. Er achte alle Frauen, habe „niemals einer Frau wehgetan“.

jb

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