Gegenstimmen im Stadtrat, jetzt wird nachgelegt

"Wir hatten andere Ideen": Was die Grünen am Bildungs-Campus stört

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Einig ist man sich auch innerhalb der Grünen-Fraktion nicht über den geplanten Bildungs-Campus. Wolfgang Wörner (links) stimmte im Stadtrat dagegen, Burgi Mörtl-Körner dafür. Foto von der Diskussionsveranstaltung am vergangenen Dienstag im Sailer-Keller. 
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Traunstein - Für einen dreistelligen Millionenbetrag will der Landkreis am Bahnhof eine Hochschul-Abteilung mitsamt Infrastrukur aufbauen - die Grünen haben ihre Kritik daran jetzt unterstrichen.

Schon im Stadtrat waren zwei Grüne die einzigen, die sich "trauten", gegen den Bildungs-Campus zu stimmen, jetzt wurde nachgelegt. Der neue Stadtrat Wolfgang Wörner führte die Veranstaltung am vergangenen Dienstag und fragte: "Kein Zweifel, wir brauchen Bildung jeder Art, aber was ist mit dem Jugendzentrum, den geplanten Wohnungen und dem Verkehr?"

Bahnhofsgegend richtiger Ort für Bildungs-Campus?

Ende März habe Landrat Siegfried Walch "plötzlich" seine Pläne für den Bildungs-Campus präsentiert, so Wörner: "Aber wir Traunsteiner hatten andere Ideen. Nämlich bis zu 300 Wohnungen, davon 30 Prozent Sozialwohnungen", spielte Wörner auf die ursprünglichen Pläne der Grundstückseigentümer des Bahnhofsareal-West an. Diese Pläne seien jetzt auf einmal weg, "ohne Diskussion". Außerdem herrsche durch das Annette-Kolb-Gymnasium jetzt schon ein Verkehrschaos und der Bürgerentscheid forderte hinterm Bahnhof eigentlich den Bau eines Jugendzentrums.

Der geplante Bildungscampus westlich des Traunsteiner Bahnhofs: Gelb umrandet die Handwerksakademie und das Institut der Hochschule Rosenheim, blau umrandet das Parkhaus (momentan Güterhalle), rot umrandet das Wohnheim (momentan Pendlerparkplatz). Die gesamte Fläche misst über 32.000 Quadratmeter.

Einigkeit herrschte bei der Diskussionsrunde im Sailer-Keller darüber aber nicht unbedingt. "Es gibt doch keinen besseren Standort als den Bahnhof, eben wegen dem Verkehr", argumentierte Bergens Bürgermeister Stefan Schneider. Auch Kreisrat Willi Geistanger meinte: "Die wohnortnahe Berufsausbildung fürs Handwerk ist eminent wichtig, sonst müssen alle nach München fahren." Helga Mandl, Sprecherin der Grünen im Landkreis, befürchtete, dass das geplante Parkhaus anstelle des Pendlerparkplatzes oft leerstehen könnte. 

Ärger über Absage an Jugendzentrum

Enttäuschung herrschte dagegen darüber, dass Walch einem Jugendzentrum im Bildungs-Campus bisher eine klare Absage erteilte: "Jetzt wäre die Chance, das hineinzuverhandeln. Aber außer uns Grünen war ja der ganze Stadtrat dagegen", so Stadtrat Thomas Stadler. Auch vier junge Traunsteiner positionierten sich: "Wir brauchen dringend ein Jugendzentrum. Viele hängen am Abend sonst am Bahnhof herum." Wer noch nicht 18 ist, dürfe schließlich in keine Bars und im Park Musik zu hören fordere nur Anwohner und Polizei heraus.

Dem Landkreis gehören die Flächen für den geplanten Campus noch nicht. Für die Brachfläche entlang der Gleise läuft momentan ein Bieterverfahren. 

"Das Wohnprojekt am Bahnhofsareal-West wäre eine gute Chance gewesen", gab auch CSU-Fraktionschef Hümmer zu - "aber der Bildungs-Campus ist eine noch bessere Chance". Man müsse zugreifen, denn sonst baue der Landkreis die Bildungseinrichtungen wo anders. Auch eine Vertreterin des Landratsamtes kam, Bildungsmanagerin Franziska Riese: "Die geplanten 100 Plätze im Wohnheim sind ja nicht nur für Studenten gedacht, sondern auch für Berufsschüler, die momentan teils in Gasthöfen untergebracht sind." Denn es fielen auch kritische Stimmen, die durch den Bildungs-Campus wieder eine Verknappung am Traunsteiner Wohnmarkt fürchten.

Geistanger: "Wütend auf den Landrat"

Wie weit ist das Riesenprojekt des Landkreises überhaupt schon, für das Siegfried Walch einen dreistelligen Millionenbetrag veranschlagte? Bisher stimmte der Stadtrat nur einer Nutzungsänderung für das Gebiet zu, einen Bebauungsplan gibt es noch nicht.. "Ich war wütend auf den Landrat, weil er so getan hat, als wäre alles schon in trockenen Tüchern", so Kreisrat Willi Geistanger. Dem Landkreis gehören bisher weder die privaten Flächen beim früheren Club Metro und der BayWa, noch die große Brachfläche entlang der Gleise - für sie läuft derzeit ein Bieterverfahren. 

Der Landkreis sei jedenfalls ein guter Verhandlungspartner, versicherte Otto Baur bei der Diskussionsveranstaltung, dem eine der Flächen gehört: "Wir Grundeigentümer reißen uns den Arsch auf, dass das was wird.

xe

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