Hitzige Debatte um Vergabe und Qualität

Das Schulessen kocht wieder so richtig hoch

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Traunstein - "Ich habe die volle Breitseite abbekommen, das tu' ich mir kein zweites Mal an", so OB Kegel im Stadtrat: Nach dem Aufreger um die Vergabe für die Schulspeisung 2016 kocht die Diskussion nun erneut hoch. Soll die Vergabe ein Externer machen?

Wer liefert das Essen für die Traunsteiner Schul- und Kindergartenkinder? Und was genau soll gekocht werden? Zwar gibt es in der Ludwig-Thoma-Schule nun eine neue Schulküche, aber deren Kapazität reicht nicht für alle Portionen, die in der Stadt gebraucht werden. Bis zu 150 Portionen wird die Stadt zukaufen müssen

Nach dem Aufreger um die Ausschreibung im vorigen Jahr will die Stadt nun alles besser machen und ein "fachlich versiertes und spezialisiertes Beratungsunternehmen" beauftragen - es soll 2018 zum einen die Qualitätsstandards des in Traunstein gekochten Essens festlegen und zum anderen die Ausschreibung des externen Anbieters regeln.

Im Stadtrat wurde am Donnerstag eine lange und emotionale Diskussion geführt, ob man die geschätzten 4000 bis 10.000 Euro in dieses Beratungsunternehmen investieren soll. Manche hatten klare Positionen, einige schwankten - am Ende sprach man sich mit 13:10 Stimmen dafür aus: ein "Profi" soll es regeln

Wir fassen die hitzige Diskussion und die Standpunkte zusammen.

Christian Kegel

"Die Fake-News aus einem Leserbrief in der Zeitung müssen richtig gestellt werden. Auch wenn ich Leserbriefe allgemein schätze, finde ich es unerträglich, dass man in diesem Fall anscheinend nur die Bevölkerung verunsichern will. Für eine größere Küche in der Ludwig-Thoma-Schule wäre unter meinem Vorgänger eine Umplanung nötig gewesen, verbunden mit hoher Kostensteigerung und Zeitverzögerung. 

Ich will höchstmögliche Qualität für die Verpflegung, denn von Berufswegen sind wir in der Stadt nur Verwalter. Ein guter Bürgermeister holt sich Rat, nur ein dummer glaubt, alles alleine erledigen zu können. Letztes Mal habe ich die volle Breitseite abbekommen. Das tu' ich ich mir kein zweites Mal an. Dieser Shitstorm hat ja auch dem Ruf der Stadt Traunstein geschadet. Wenn der Stadtrat diesen Vorschlag jetzt ablehnt werde ich mich nicht nochmal stellvertretend hinstellen."

Isabelle Thaler (CSU)

"Ein externer Berater ist nicht der richtige Weg. Erstens gibt es schon genügend Leit- und Richtlinien, auch von Seiten des Freistaates, zweites haben wir schon eine hohe Verschuldung. Die Ausschreibung von 150 Schulessen ist doch kein Hexenwerk."

Ulrike Hoernes (TS-Liste)

"Es ist doch nur eine einmalige Ausgabe für den externen Berater und keine fortlaufende - und dann haben wir es hieb- und stichfest. In den Kindergärten und in der Grundschule ist die Mahlzeit schließlich ein Pflichtessen. Ältere Schüler haben eine Wahl, aber nicht die jüngeren."

Wilfried Schott (Grüne)

"Ich bin gegen diese Ausschreibung. Es geht mir nicht um den Geldbetrag, aber wir sollten hier die Verantwortung behalten. Vielleicht wäre es besser, wenn der Stadtrat eine Arbeitsgruppe gründet und wir dort selbst etwas ausarbeiten."

Josef Kaiser (UW)

"Wir können's eh nie allen recht machen, es wird immer jemanden geben der nörgelt. Wenn wir jetzt wirklich einen Externen engagieren, tun wir so, als hätten wir bei der letzten Ausschreibung etwas falsch gemacht - aber das haben wir nicht."

Gerhard Spiegelsberger (Hauptamtsleiter)

"Was ist bio? Was ist regional? Wie viel Gramm Fleisch sollen es sein? Wie viel Gemüse? In Plastik? In Alu? Hier sind wir in der Verwaltung Laien. Was ist frisch gekocht? Auch das jetzige Essen der Malteser gilt als frisch gekocht. Hier all die zig verschiedenen Varianten zu erläutern, tut mir leid, ich kann es nicht."

Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD)

"Wir haben hier eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Kinder und auch die Eltern sind inzwischen - zurecht - anspruchsvoller geworden. Wer hier dagegen ist, dem geht es doch nur ums Geld und wir geben die Entscheidung ja nicht aus der Hand. Aber das perfekte Essen für die Kinder sollte es uns wert sein."

xe

Rubriklistenbild: © Fotomontage xe/pa

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