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Dem Sterben und der Trauer die Schwere nehmen

Inés Häusler begleitet in Traunstein Menschen nach dem Verlust von Angehörigen

Trauerbegleiterin Inés Häusler (l.) mit ihrer Kollegin Yvonne Saibold, Traumatherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, bei der Andacht zum Welttag des verlorenen Kindes in der Pfarrkirche Haslach. In ihrer Trauerpraxis in Traunstein bietet die Altenmarkterin Unterstützung nach dem Verlust von Angehörigen an.
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Trauerbegleiterin Inés Häusler (l.) mit ihrer Kollegin Yvonne Saibold, Traumatherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, bei der Andacht zum Welttag des verlorenen Kindes in der Pfarrkirche Haslach. In ihrer Trauerpraxis in Traunstein bietet die Altenmarkterin Unterstützung nach dem Verlust von Angehörigen an.

Es ist die Herzenswärme und die Zuversicht, die einen erstaunen, wenn Inés Häusler über die schlimmsten Stunden in ihrem Leben spricht. Es ist schon bedrückend genug, wenn man einen geliebten Menschen verliert und um diesen trauert.

Traunstein – Die 47-jährige Altenmarkterin war bereits dreimal in ihrem Leben in verschiedenen Lebensphasen mit dem Tod eines Angehörigen konfrontiert. Statt in Trauer und Depression zu versinken und mit dem Leben abzuschließen, ist Häusler durch diese Phasen größter Verzweiflung und innerlicher Abgründe hindurchgegangen und ist an Ihnen gewachsen.

Mit ihren Erfahrungen möchte sie jetzt als Trauerbegleiterin anderen Menschen Halt geben und eine Stütze sein in einer besonders schwierigen Phase des Lebens. Deshalb hat sie vor gut sechs Monaten in Traunstein einen Trauerraum eröffnet. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, einen Raum zu schaffen, in dem unsere Trauer Raum hat, weil dies unglaublich wichtig ist für ein gutes Weiterleben.“ Dort gibt es beispielsweise auch regelmäßige Treffen für verwaiste Eltern.

Einfühlsam hat Häusler zusammen mit ihrer Kollegin Yvonne Saibold, Traumatherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie in Traunstein, vor kurzem eine besondere Andacht in der Haslacher Pfarrkirche gefeiert. Gemeinsam mit Gemeindereferent Phillip Moser und Gitarrist Stephan Haberlander gab sie zum Weltgedenktag für verstorbene Kinder Eltern und Geschwistern Gelegenheit, mit einem Lichterritual der toten Angehörigen zu gedenken.

Mit sechs Jahren den Bruder verloren

Verluste und tiefe Trauer haben auch das Leben von Inés Häusler geprägt. Mit sechs Jahren verlor sie ihren jüngeren Bruder durch einen Verkehrsunfall. „Das war ein existentieller Einschnitt“, sagt sie heute. „Vielleicht rührt daher auch mein früheres Faible für Friedhöfe und die Verbundenheit mit Kindergräbern.“ Die zwei später geborenen Schwestern gaben ihr familiären Halt. Als sie 30 Jahre alt war, starb ihr Vater an Krebs.

Ein erneuter Bruch im Leben. Der wohl schlimmste Moment folgte allerdings noch: Am 9. Mai 2019 starb ihr Sohn Valentin, mit 18 Jahren mitten im Leben stehend, auf dem Weg zur Arbeit bei einem Verkehrsunfall.

Häusler erinnert sich, dass sie angesichts ihrer Vorgeschichte zeitlebens mit Verlustängsten gekämpft habe, als der schlimmste Alptraum ihres Lebens real wurde. „Valentin hatte ein tolles und intensives Leben, er hat vieles ausprobiert, seine Träume realisiert, den Mopedführerschein gemacht und hatte auch seine erste Liebe“. Für die ganze Familie und auch die beiden jüngeren Kinder „begann damit die Stunde 0“, sagt die Altenmarkterin rückblickend.

Arbeit in der Psychiatrie-Forschung

Was andere Menschen am Boden zerstört hätte, hat Inés Häusler womöglich stärker gemacht und Schritt für Schritt zu ihrer eigentlichen Bestimmung gebracht. Anderen zu helfen, war immer schon eine wichtige Triebfeder für sie. Nach der Ausbildung zur Krankenschwester am Trostberger Klinikum arbeitete sie sechs Jahre lang am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Sie bekam Einblick in die Medikamentenforschung, den Umgang mit Depressionen, Ängsten oder Zwangsstörungen und lernte die inneren Nöte von Fußball- und Bühnenstars kennen. Ebenso engagierte sie sich in der Hospizbewegung. Nach dem Umzug nach Altenmarkt war sie in der außerklinischen Pflege tätig.

Den Tod ihres ältesten Sohns Valentin erlebte Inés Häusler als eine Art Wegscheide. „Das waren extrem intensive Jahre der Auseinandersetzung mit Trauer. Ich habe gesehen, dass ich den Weg der Verbitterung gehen kann oder es mir auch gutgehen lassen darf.“ In der Familie hätten sich ihr Mann und die beiden jüngeren Kinder gegenseitig Halt gegeben. Freunde hätten sie dabei unterstützt, „die Kraft auf den Umgang mit Menschen zu lenken“.

Lebensmut statt Depression

Statt in der Depression zu versinken, entschied Inés Häusler, sich im Trauerprozess mit therapeutischer Hilfe begleiten zu lassen und selbst Ausbildungen als Trauerbegleiterin für Erwachsene sowie für Kinder- und Jugendliche zu machen. Sie ist überzeugt: „Jeder Sterbende schenkt uns auch etwas, wenn wir das annehmen können.“

Besonders wichtig sei aus ihrer Sicht, „die Kinder von der Begegnung mit dem Tod und dem Toten nicht aus falscher Rücksicht auszusparen, sondern sie bewusst im Trauerprozess mitzunehmen, damit sie das begreifen können“. In der Sterbe- und Trauerbegleitung habe sich heute viel verändert.

„Trauer ja, aber sie soll bitte schnell vorbeigehen, damit man wieder funktioniert“, fasst Häusler die häufig verbreitete Haltung zusammen. Die Realität sei dagegen: „Die Trauer geht nicht automatisch weg, sie bleibt und webt sich ins Leben ein.“

In einer perfekt durchorganisierten Welt, in der das Sterben auf Kliniken und Altenheime ausgelagert werde, führe die Begegnung mit dem Tod oft zu Sprach- und Hilflosigkeit oder Verdrängung. Inés Häusler sagt, schon ein kleiner Satz könne hilfreich sein, der die eigene Situation mit Anteilnahme verbindet: „Ich bin sprachlos, aber sich sehe dich und deine Trauer.“

Effner

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