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„Im Fluge“: Stimmiges Gesamtkunstwerk

Josef Baiers Rauminstallation im Kulturforum Traunstein

Die seltene Kombination von Naturmaterialien und ausgeklügelter Technik bringt ein Kunsterlebnis der besonderen Art mit sich.
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Die seltene Kombination von Naturmaterialien und ausgeklügelter Technik bringt ein Kunsterlebnis der besonderen Art mit sich.

Warten können gehört nicht gerade zu den menschlichen Eigenschaften, die derzeit hoch im Kurs stehen. Aber genau das ist eine der Voraussetzungen, damit die Installation „Im Fluge“ des österreichischen Bildhauers Josef Baier ihre wunderbare Wirkung entfalten kann.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Traunstein - Auf Einladung der Städtischen Galerie Traunstein verwirklichte der Künstler die Installation „Im Fluge“ im Traunsteiner Kulturforum und bei der gut besuchten Vernissage wurde die ausgeklügelte Maschinerie erstmalig in Gang gesetzt. Entgegen der Erwartung vieler Besucherinnen, die auf ein Spektakel hoffen, dauert es eine geraume Zeit bis sich die Ahornsamen, die sorgsam aufgereiht auf einer Länge von neun Metern auf steil nach oben gerichteten Förderbändern liegen, einzeln in spiralförmigen Drehungen abwärts bewegen. Die von Bildhauer Josef Baier eigens für die Klosterkirche erdachte und gebaute Konstruktion ist so programmiert, dass sich die Förderbänder in einem ausgeklügelten Zeitsystem mit Pausen vorwärtsbewegen und das auch nur dann, wenn Sensoren durch eintretende Besucher ausgelöst werden. In den Phasen des Wartens ist genügend Zeit, die perfekte Harmonie von Kunst und Kirchenraum zu entdecken.

Nicht nur formal sind Position und Gestaltung der Förderbänder auf die schlichte Kubatur der Klosterkirche abgestimmt, auch inhaltlich lassen sich vielfältige Bezüge herstellen: Das Armutsgebot der Kapuziner als Kirchenerbauer spiegelt sich in der betont klaren und einfachen Konstruktion, Hinweise auf die Vergänglichkeit, auf den Reichtum der Natur und die Relativität der Zeit, die als Bibelzitate auf dem bemalten Deckengemälde zu finden sind, greifen losgelöst vom christlichen Kontext allgemein philosophische Fragestellungen auf, die auch den Künstler beschäftigen, und die vom Jugendstil inspirierte Pflanzenornamentik findet ihre Entsprechung in Baiers Verwendung von Naturmaterialien. Die vielleicht wichtigste Wechselwirkung zwischen Raum und Installation besteht jedoch in der gesteigerten, intuitiv erfahrbaren auratischen Atmosphäre, die Besucher unwillkürlich die Stimme senken lässt und eine kontemplative Haltung begünstigt.

Jedem einzelnen dieser segelnden Ahornsamen schenkt der Ausstellungsgast während der kurzen Flugzeit seine Aufmerksamkeit bis die Samenflügel dann in dem sich langsam am Boden bildenden Kreis aus kleinen Häufchen als einzelne wieder verschwinden und in der Masse eine neue Einheit finden. Die Installation „Im Fluge“ von Josef Baier ist eine Versuchsanordnung, die durch ein inszeniertes In-Gang-setzen Prozesse der Energieumwandlung und Formveränderung erfahr- und erlebbar macht. Energieumwandlung und Formveränderung sind Merkmale alles Lebendigen, sind Merkmale der Welt und der sich darin abspielenden Prozesse, sie sind Thema und unerschöpfliche Quelle der Reflexion in der Kunst und in der Kultur aller Zeiten und Orte.

Weder lässt sich die Installation „Im Fluge“ in seiner Gesamtheit fotografieren noch gelingt es, den Samenflug mit der Handykamera einzufangen. In einer Zeit, die von Hektik, Lautstärke, kurzen Aufmerksamkeitsspannen und Events geprägt ist, ermöglicht Josef Baier mit seiner Rauminstallation „Im Fluge“ etwas ganz Besonderes für die Ausstellungsgäste. Er hat einen Raum geschaffen, in dem sich das Staunen, die Konzentration und das Besinnen entfalten können. Das ist spektakulär, nur eben ganz anders. Die Ausstellung ist noch zu sehen und zu erleben bis 28. August, jeweils Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Der Bildhauer Josef Baier kommt am Mittwoch, 17. August, im Rahmen von „Kunst am Morgen“ nach Traunstein und stellt seine Installation „Im Fluge“ im Gespräch mit dem Publikum vor.

Pressemitteilung Große Kreisstadt Traunstein

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