Offener Bericht von Licht und Schatten ihrer Arbeit

"Ich war geschockt": Jugendpflegerin über Drogen in Traunstein

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Drogenhandel und -konsum spielen sich laut Jugendpflegerin Petra Breutel vor allem rund um den Traunsteiner Bahnhof ab. 
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Traunstein - Sie liefert einen schonungslosen Bericht und zeigt, dass auch bei Teilen der Traunsteiner Jugend einiges schief läuft: Die Stadtjugendpflegerin Petra Breutel spricht über ihre Arbeit. 

Wenn eine Bescheid weiß, welche Probleme die Teenager haben, dann sie: Stadtjugendpflegerin Petra Breutel leitet den Jugendtreff in Traunstein. Als sie am Donnerstag dem Hauptausschuss von ihrer Arbeit berichtete, ließ vor allem ein Thema aufhorchen: Der Drogenkonsum von Teilen der Traunsteiner Jugend. "Vor allem, dass schon so viele Jüngere Drogenerfahrungen gemacht haben, hat mich selbst geschockt", so Breutel.

"Die Konsumenten werden immer jünger"

Laut Petra Breutel hat schon jeder zweite Besucher des Jugendtreffs mindestens einmal mit Rauschgift Bekanntschaft gemacht, ein Viertel auch mit härteren Drogen. Vor sechs Jahren hat Breutel die Jugendarbeit in Traunstein übernommen, jetzt berichtet sie: "Die Konsumenten werden immer jünger." 

Petra Breutel hat 2013 die Jugendarbeit in Traunstein übernommen. 

Im Jugendtreff selbst gäbe es mit dem Rauschgift nicht direkt Probleme ("Sie machen es nicht vor meinen Augen"), hauptsächlich spiele sich der Drogenhandel und -konsum laut Breutel rund um den Bahnhof oder nahe des Karl-Theodor-Platzes ab. "Ich habe das selbst schon gesehen, die machen das ganz ungeniert", berichtete auch 3. Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner. 

Die Polizei wisse bescheid, so Breutel, auch sie selbst bekomme es mit: "Aber zu den Eltern haben wir fast nie Kontakt. Wir haben ja auch keine Namenslisten der Jugendlichen, die zu uns kommen." Außerdem hätten manche der jungen Leute Angst davor, offen mit ihr über das Thema zu sprechen, weil sie Konsequenzen von "kleinen Gangs" fürchten, wie die Jugendpflegerin berichtet.

Breites Angebot im Jugendtreff - Nachfrage steigt

Dass Breutel als Jugendtreff-Leiterin immer mehr vom Drogenkonsum erfährt, liegt aber auch daran, weil der Jugendtreff am Rathaus-Innenhof immer mehr Zulauf hat. "Wir haben fünf Mal mehr Besucher als noch vor einigen Jahren", so Breutel. Rund 150 Jugendliche schauen regelmäßig vorbei, oft auch direkt nach Schulschluss um Hausaufgaben oder Bewerbungen zu erledigen. Der größere Teil der Besucher sind Burschen zwischen 14 und 17 Jahren. Ein Drittel der Jugendlichen kommt nicht aus Traunstein, sondern aus Nachbargemeinden.

Die Zahl der Besucher hat sich in den vergangenen Jahren verfünffacht - längst ist der Traunsteiner Jugendtreff so beliebt, dass es Platzprobleme gibt. 

Durch die erfreulich große Beliebtheit des Jugendtreff wird's dort oft schon so eng, dass es Konflikte zwischen den Jugendlichen gibt. Petra Breutel organisiert im Jugendtreff neben "Alltäglichem" wie Kickertournieren, Kochkursen oder Grillabenden auch größere Events: Ein Band-Contest ("Chiemgau rockt") wurde schon auf die Füße gestellt, genauso wie ein Skate-Wettbewerb. "Auch das offene Jugendatelier haben wir, das drei regionale Künstler betreuen", so Breutel. Das jüngste Pilotprojekt war, dass die jungen Leute das Jugendcafé selbst führen.

Kegel: "Hier können wir Präventionsarbeit leisten"

Oberbürgermeister Christian Kegel dankte Breutel für den "sehr ehrlichen" Bericht: "Es ist keine Alternative zu sagen, wir brauchen kein Jugendzentrum, nur weil auch Negatives passiert. Das passiert immer irgendwo, aber hier können wir aufklären und Präventionsarbeit leisten." Ohnehin scheint man es hier nicht mit einem spezifisch Traunsteiner Problem zu tun zu haben, auch beispielsweise aus Trostberg wurde schon ganz Ähnliches berichtet.

Nach wie vor ist in Traunstein kein Platz für ein neues, größeres Jugendzentrum in Aussicht. Die Pläne der Stadt, ein Jugendzentrum in der Güterhalle zu errichten, wurden vom Bürgerbegehren der JU zunichte gemacht. Seitdem herrscht Stillstand. Auch in den Plänen des Landkreises für den Bildungs-Campus westlich des Bahnhofs spielt ein neues Jugendzentrum keine Rolle

xe

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