Alles zu den neuen Kindergartengebühren in Traunstein

Reiche Eltern zahlen bald das selbe wie arme - ist das gerecht?

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Der städtische Kindergarten am Klosterberg in Traunstein.

Traunstein - Noch sind die Kindergartengebühren in Traunstein abhängig vom Einkommen der Eltern, doch das wird sich ändern. Die Stadt will die angekündigten Unterstützungsgelder des Freistaates zum Anlass nehmen. *Mit Voting*

Bisher variieren die Kindergartengebühren in Traunstein je nach Höhe des Einkommens der Eltern, doch das wird sich wieder ändern. Der Stadtrat entschied am Donnerstag mit 22:2 Stimmen, dass die künftig alle Eltern das selbe zahlen - arme wie reiche. Bei den Kinderkrippen wird dies schon immer so gehandhabt. Dagegen stimmten Burgi Mörtl-Körner und Wilfried Schott. 


Freistaat will 100 Euro monatlich zuschießen

Der Anstoß für die Änderung kam quasi von der Staatsregierung: Ab 2020 sollen zwei Kinderkrippenjahre mit jeweils 100 Euro monatlich bezuschusst werden und auch für drei Kindergartenjahre sollen 100 Euro monatlich fließen. Beschlossen ist noch nichts, aber Oberbürgermeister Christian Kegel vermutet, dass das "Krippengeld" direkt an die Eltern ausbezahlt wird und dass das "Kindergartengeld" dagegen an die Träger, also Kommunen oder auch Kirchen. 

Die künftigen Kindergartengebühren und Kinderkrippengebühren in Traunstein

In der Praxis heißt das, dass die vier- bis fünfstündige Betreuung im Kindergarten in Traunstein künftig kostenlos sein wird, nach Abzug der 100 Euro. Nur eine längere Betreuung wird dann noch kosten, bis zu 70 Euro für einen elfstündigen Kindergartenaufenthalt. 


Bei den Kinderkrippen werden auch trotz des 100-Euro-Zuschusses Gebühren übrig bleiben: Vier bis fünf Stunden kosten dann noch 125 Euro, sieben bis acht Stunden 200 Euro oder bis elf Stunden 275 Euro. 

Gebührensteigerungen sollen künftig alle drei Jahre an die Inflation angepasst werden, nicht nach den Tarifsteigerungen des Personals. Die fünf Euro Spielgeld bleiben.

Alle zahlen das selbe - ist das gerecht?

Eine längere Diskussion entwickelte sich zum Punkt, wie man zu den einkommensunabhängigen Kindergartengebühren steht: Robert Sattler findet die neue Regelung, dass alle das selbe zahlen, "nicht sozial gerecht". Auch Thomas Stadler merkte an, dass Gutverdiener mehr von der Änderung profitieren werden. 25 Prozent der Traunstein Eltern zahlten bisher die höchsten Beiträge, 21 Prozent verdienten so wenig, dass sie die geringsten Beiträge zahlen mussten.

"Gut, dass die Gebühren jetzt unabhängig vom Einkommen sind", meinte dagegen Christian Hümmer. Für viele sei es sicherlich unangenehm gewesen, bei der Stadt ihr Gehalt nachzuweisen: "Außerdem ist das ein Verwaltungswust hoch drei", so Kegel - und niemand stehe durch die Neuregelung dann schlechter da als jetzt. Ursula Lay meinte, dass die Kinder im Schwimmbad oder bei der Mittagsbetreuung ja auch das selbe zahlen müssten. 

Das neue Traunsteiner Gebührensystem kommt dann, wenn die Staatsregierung ihre Beitragszuschüsse einführt. Es gilt dann folgende Übergangsregelung: Für Kinder, die bereits im Kindergartenjahr 2018/2019 in einer Traunsteiner KiTa betreut wurden und die durch die Neuregelung einen höheren Elternbeitrag zu entrichten hätten, wird der bisherige Elternbeitrag bis zum Ausscheiden des Kindes aus der KiTa beibehalten. Für Neuaufnahmen findet die Übergangsregelung keine Anwendung.

xe

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