Welt-Frühgeborenen-Tag am Klinikum Traunstein

Kleine Helden von einst, heute starke Menschen 

Traunstein - Fröhliches Kinderlachen klang durch das Bildungszentrum für Gesundheitsberufe: Mit einem Kinderfest für den Nachwuchs und wertvollen Informationen für die Erwachsenen beging die Kinderklinik heuer den "Welt-Frühgeborenen-Tag".

Kinderklinik-Leiter Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Gerhard Wolf und sein Team sensibilisierten die Besucher nicht nur für die besondere Situation der Frühchen, sondern konnten sich mit ihnen auch über den bewegenden Besuch zweier früherer Patienten freuen. Sowohl Tamara Voss als auch Nicklas Schneider haben in der Kinderklinik Traunstein drei Monate zu früh das Licht der Welt erblickt: die Tierpflegerin aus München im September 1990 und der Realschüler aus Bergen im Juli 2002. Dass die beiden jungen Leute trotz leichten Lampenfiebers ebenso offen wie ihre Eltern mit Dr. Gerhard Wolf über ihr Leben sprachen, honorierte das Publikum des ungezwungenen Interviews immer wieder mit anerkennendem und wohl auch mitfühlenden Beifall. Nicht wenige der anwesenden Familien waren selber vom Thema Frühgeburt betroffen und mit ihren Kindern verschiedenen Alters zu diesem Kinderfest der besonderen Art gekommen. Zum Auftakt eine Stunde musikalisch mitreißend aufgewärmt vom Kinderlieder-Duo "Rodscha aus Kambodscha und Tom Palme" und von Würstchen und Leckereien bestens gestärkt, konnte sich der Nachwuchs vom Kinderzauberer in eine andere Welt verführen lassen, während die Eltern ihre Aufmerksamkeit den erwachsenen Frühchen und dem Kinderklinik-Team widmeten.

"Es ist relativ selten, dass wir unsere Patienten Jahre später noch einmal sehen", stellte Dr. Wolf durchaus bedauernd fest. Umso mehr freuten er, Dr. Ralf Brangenberg, leitender Oberarzt der Kinderklinik, und Jutta Mertes, Stationsleitung der Kinder-Intensivstation in der Kinderklinik, sich über den Besuch von Nicklas Schneider und Tamara Voss und der anderen Eltern mit ihren Kindern. Die junge Münchnerin hatte mit ihren Eltern vor einigen Wochen auf der Durchreise spontan in Traunstein einen Halt eingelegt und die Kinderklinik besucht. Dieses Wiedersehen und die damit verbundenen Erinnerungen an die ersten drei Monate ihrer Tochter auf der Kinder-Intensivstation rührte ihre Mutter Saba Voss noch beim Kinderfest zu Tränen. "Tamaras Finger waren so dünn wie Streichhölzer", sagte sie. "Für uns war es ein schönes Wiedersehen, aber auch für Sie hat sich glaube ich der Kreis damit geschlossen", so Dr. Wolf. Stationsleitung Jutta Mertes war in der Zeit von Tamaras Geburt gerade von Gießen nach Traunstein gekommen: die heute 60-Jährige arbeitet seit nunmehr 30 Jahren in der Kinderklinik Traunstein.

Familienzentrierten Versorgung

Mit Dr. Wolf war sie sich einig, dass sich über die Jahrzehnte sowohl in der medizinischen als auch in der pflegerischen Versorgung viel zum Positiven für die kleinen Patienten und ihre Eltern verändert hat. Als Tamara Voss auf die Welt kam, gab es zum Beispiel noch feste Besuchszeiten, heute können die Eltern jederzeit kommen und gehen. "Heute ist es viel offener", stellte Saba Voss bei ihrem Besuch auf der Intensivstation fest, "auch diese grünen Kittel die wir damals alle anziehen mussten gibt es nicht mehr". Frau Mertes und Dr. Wolf erklärten am Rande des Festes, dass die Kinderklinik gemäß der familienzentrierten Versorgung arbeitet. Heute können die Eltern sogar bei den ärztlichen Visiten mit anwesend sein, so Dr. Wolf. "Wir beziehen die Eltern bewusst mit ein, sehen sie als Partner bei der Behandlung ihrer Kinder." In der Pflege hat Christian Schneider schon vor 15 Jahren erlebt, wie wohltuend für seinen Sohn und ihn der frühzeitige Hautkontakt beim "Känguruhen" - die Kinder liegen dabei auf der Brust der Eltern - war. 

Einen wesentlichen Durchbruch bei der medizinischen Versorgung von Frühchen habe eine schonendere Behandlung zur Unterstützung der Atmung gebracht, so Dr. Wolf. Er erklärte den Eltern, dass Lunge, Augen und Gehirn bei Frühgeborenen, also Kindern, die vor Ablauf der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen - das ist in Deutschland immerhin jedes zehnte Kind - besonders empfindlich seien. "Unser Anspruch ist es, keine Durchschnittsmedizin, sondern die bestmögliche Diagnostik zu bieten", betonte Dr. Brangenberg. Die Ultraschalluntersuchung habe in der Neugeborenen-Intensivmedizin unter allen bildgebenden Verfahren den höchsten Stellenwert. Daher freue sich das Team der Kinderklinik sehr, dass die VR-Bank sie im Rahmen ihrer jedermann zum Mitmachen einladenden Crowdfunding-Initiative "Viele schaffen mehr" bei der Anschaffung eines speziellen auch notfalltauglichen mobilen Ultraschallgerätes unterstütze. (IBAN  DE17710900000030019194, Kennwort: Projekt-Nr. 8118) Einen ersten Anstoß für die Spendenaktion gaben anschließend Thomas Hoffmann, 1. Vorsitzender der Bayerischen Sportjugend Kreis Traunstein, und Roland Mayer, Pflegefachkraft im Klinikum und Akteur im Clownteam beim Kinderfest. Sie versteigerten für den guten Zweck ein auf der Truna von vielen Händen zusammengebautes und nun gerahmtes Puzzle. "Ich bin letztes Jahr noch einmal Vater geworden", so Hoffmann. "Jeder ist doch froh, wenn er medizinisch gut versorgt ist, in Traunstein sind wir gut aufgestellt."

Pressemitteilung Kliniken Südostbayern AG - Klinikum Traunstein

Rubriklistenbild: © R alf Reuter

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