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Kliniken in der Region verschieben noch immer OPs

Ungeimpfte „blockieren“ Betten und Pfleger fallen aus

Warten, bis der Arzt anruft. Planbare Operationen werden auch in den Kliniken Südostbayern nach wie vor verschoben. Wer eine künstliche Hüfte will, hat also Pech gehabt. Über einen Klinik-Alltag, der nach wie vor von Corona bestimmt wird:

Traunstein - Agnes* steht kaum von ihrem Sessel auf. Sie fühlt sich wackelig auf ihren Beinen. Im Stehen schmerzt der Rücken noch mehr als im Sitzen. Und wenn sie erst einmal aufsteht, kommt sofort der Drang, auf die Toilette zu gehen. Also bleibt Agnes lieber sitzen. Die 83-Jährige wartet seit September 2021 auf einen OP-Termin bei den Kliniken Südostbayern.

Immer wieder wurde ihr Termin verschoben oder abgesagt, zuletzt Ende Februar. Der Grund ist eigentlich immer derselbe: Corona. Mal ist es die vierte Welle, dann gibt es zu wenig Krankenhaus-Personal und jetzt kommt die Absage direkt von der Regierung von Oberbayern.

Regierung von Oberbayern untersagt aufschiebbare OPs

„Angesichts der nach wie vor hohen Belastung des Gesundheitssystems hat die Regierung von Oberbayern 76 Kliniken im Regierungsbezirk dazu verpflichtet, weiterhin von unter medizinischen Aspekten aufschiebbaren stationären Behandlungen abzusehen“, heißt es in einer Mitteilung. Ausnahmen soll es jedoch geben. Die Regelung gilt seit November und wurde jetzt wieder verlängert. Vorerst bis 18. März. Davon betroffen sind auch die Kliniken Südostbayern.

Beispiele für „aufschiebbare“ Behandlungen sind etwa planbare Operationen wie künstliche Hüft- und Kniegelenke, Leistenbrüche, Schilddrüseneingriffe oder auch Gefäßverengungen, die noch keine Beschwerden machen, erklärt Ralf Reuter, Sprecher der Kliniken Südostbayern, im Gespräch mit chiemgau24.de. „Das heißt, die Gesundheit des Patienten ist nicht akut bedroht und diese Eingriffe können geeignet terminiert werden. Ausnahmefälle sind dann Notfalloperationen bzw. unaufschiebbare Eingriffe wie die Behandlung von Unfallverletzten, Herzinfarkten und Schlaganfälle, akute Gefäßverschlüsse oder auch die Leistenbrüche, die drohen einzuklemmen“, so Reuter weiter.

Im Gegensatz zum Höhepunkt der vierten Welle der Corona-Pandemie müssen die Kliniken Tumoroperationen nicht mehr verschieben. „In der Hochphase der Delta-Welle, mussten wir Covid-Patienten in den Westen und Norden Deutschlands ausfliegen lassen, um überhaupt noch neue Notfallpatienten aufnehmen zu können. Wir handelten in dieser Zeit nach der Devise ‚treat first, that kills first‘ – behandle das zuerst, das zuerst tötet“, so Reuter.

Mehr Corona-Patienten auf Normalstationen

Von dieser Triage ist man bei den Kliniken mittlerweile wieder weg. Dennoch ist die Lage angespannt. „Bisher verzeichnen wir eine in Relation zu den Inzidenzhöchstwerten stabile bis leicht steigende Hospitalisierungsrate, mehr die Normalisolationsstationen betreffend. Auf den Intensivstationen pendelt die Covid-Belegung stabil um die 20 Prozent, bei einer durchschnittlichen recht hohen Auslastung von über 90 Prozent. Zu beachten ist hierbei, dass insgesamt weniger Betten belegt werden können als vor der Pandemie“, so Reuter.

Es werden einige Eingriffe nachgeholt, die in den letzten Monaten aufgeschoben werden mussten, erklärt der Sprecher. Gleichzeitig ist die Bevölkerung wieder mobiler. Es gibt mehr Unfälle. „Zudem haben wir krankheits- und Covid-bedingte Mitarbeiterausfälle, in einigen Bereichen über zehn Prozent“, so Reuter, „diese Mitarbeiter fehlen uns in der Patientenversorgung. Hier ist das Krankenhauspersonal ein Spiegel der regionalen Bevölkerung, auch wenn die Impfquote der Krankenhausmitarbeiter sehr hoch ist.“

Ungeimpfte „blockieren“ Krankenhausversorgung von Mitbürgern

Ein Arzt möchte alles daran setzen, ihre Operation so bald wie möglich durchzuführen. Das hat er Agnes versprochen, erzählt sie. Für die Regierung von Oberbayern und die Kliniken ist es nur ein kleiner, planbarer Eingriff. Für die Seniorin hingegen bedeutet die OP, wieder mehr Lebensqualität zu haben. Ist es ethisch vertretbar, Patienten, die etwa auch schon betagt sind, auf lebenserleichternde Operationen über Monate hinweg warten zu lassen?

Es sei möglich, dass Patienten langfristige Schäden erleiden, „weil ihre Behandlungen verschoben wurden oder weil sie selbst aus Furcht vor Covid das Krankenhaus gemieden haben“, erklärt Reuter, „einige Studien weisen auch schon darauf hin“.

Den Kliniken sind jedoch die Hände gebunden: „Wir als Krankenhaus haben aufgrund beschränkter Kapazitätsgrenzen kaum Handlungsspielraum. Die Entscheidung, welche Behandlungen verschoben werden müssen, machen wir uns natürlich auch nicht leicht. Das wird zum Teil interdisziplinär diskutiert und dann entschieden“, so Reuter. „Die ethische Frage, müssen sich die Menschen stellen, die sich nicht impfen lassen und keine Masken tragen wollen, da Menschen, die weder geimpft noch sonst immunisiert sind, leider immer noch die Krankenhausversorgung einer Mehrheit von Mitbürgern blockieren, die bereits geimpft sind.“

*Name der Redaktion geändert

ce

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