20-Jähriger half, getötete Mutter aus Altenmarkt zu verscharren

"Wie im Film": Mitangeklagter spricht über schlimmsten Tag seines Lebens

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Die beiden Angeklagten im Gerichtssaal. Im weißen T-Shirt der Mittäter, der Haupttäter trägt einen roten Sweatpulli.
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Traunstein/Altenmarkt - Er soll seine Mutter brutal ermordet und sie dann mit einem Kumpel in einem Waldstück vergraben haben. Der Hauptangeklagte will nicht aussagen - doch am Dienstagnachmittag hat sich sein Freund vor dem Landgericht Traunstein geäußert:

UPDATE, 17.40 Uhr - Mitangeklagter schildert Details

Es sind grausige Details, die der 20-jährige Freund und Komplize nun dem Gericht erzählen muss - von seinen Erlebnissen beim Verpacken und Verfrachten der Leiche, bis zum Graben des Lochs im Waldstück bei Schnaitsee. chiemgau24.de gibt die Zeugenaussage des Trostbergers, die sich über vier Stunden zog, deshalb nur in groben Zügen wieder.

Mit einem SMS sagte der Hauptangeklagte seinem Freund bBescheid - er solle schnell kommen: "Als ich in der Haustür stand, waren seine ersten Worte dann 'Ich hab sie umgebracht'. Als ich im Wohnzimmer hinter dem Tisch dann hellblaue Plastiksäcke liegen sah, habe ich es realisiert", so der 20-Jährige. Die erschlagene Mutter war von ihrem Sohn bereits teilweise in Plastiksäcke eingehüllt worden.

Später half der Mitangeklagte seinem Freund, Klebebandstücke für die Plastiksäcke abzuschneiden: "Es war irgendwie klar, dass wir die Leiche verschwinden lassen werden. Wie in einem Film, da ist ja auch klar, was dann passiert." Die Aussage ist für den 20-Jährigen eine sichtliche Qual, immer wieder kämpft er mit den Tränen.

Mit Hilfe einer Leiter trugen die beiden die tote Mutter dann ins Auto und fuhren los - bis man in dem Waldstück bei Altenöd/Schnaitsee landete. Die beiden begannen zu graben, es war dunkel, rund 30 Zentimeter tief wurde das Loch: "Jedes Mal wenn ein Auto vorbeifuhr, hab ich einen richtigen Schock bekommen. Da ist mir richtig bewusst geworden, wie schlimm das eigentlich ist." Der junge Trostberger habe "richtig Angst" vor der Leiche gehabt, und sei froh gewesen, sie nicht wirklich gesehen zu haben.

Die beiden jungen Männer übernachteten nach dem Vergraben dann im Haus in Altenmarkt - dort, wo kurze Zeit zuvor noch der mutmaßliche Mord an der Mutter passierte. Am nächsten Morgen wurden der Boden gewischt und Blutspritzer von den Fenstern weggeputzt. Ein wirklich klärendes Gespräch gab es zwischen den Freunden nie in den zwei Monaten, bis spielende Kinder die Leiche in dem Waldstück fanden. "Aber wir wussten, dass es falsch war." Angeklagt ist der Trostberger wegen unterlassener Hilfeleistung und Strafvereitelung.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt. chiemgau24.de wird dann wieder aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

UPDATE, 15.26 Uhr - Mitangeklagter sagt aus

Der 20-jährige, mitangeklagte Trostberger soll dem Gericht jetzt die Beziehung zum Angeklagten schildern. Auf dem Gymnasium habe man sich kennengelernt, dann wurde die Freundschaft immer enger: Mehrmalige Treffen pro Woche, stundenlanges Chatten am Abend - die beiden schmiedeten sogar schon an einer eigenen Firma und verschuldeten sich dafür.

"Er hatte das, was ich nicht hatte: Entschlossenheit, Durchsetzungskraft, Lebenslust", spricht der 20-Jährige in höchsten Tönen von seinem Freund, der zehn Meter entfernt auf der Anklagebank sitzt. Noch genauere Fragen des Gerichts zum Verhältnis will er aber nicht beantworten. "Wir waren beide voneinander abhängig", beschreibt der junge Mann das Verhältnis. 

Er spricht von einem "gemeinsamen Leben" und der Angst, den anderen verlieren zu können. Was kann er zum Verhältnis zwischen dem hauptangeklagten Altenmarkter und seiner Mutter sagen? Auch hier will der junge Mann zuerst nichts sagen, scheint seinen besten Freund in Schutz nehmen zu wollen. Er beschreibt seine Mutter als anfangs nett, er fühlte sich wohl bei der Familie - doch im Laufe des Jahres 2017 änderte sich wohl Einiges: "Sie wurde misstrauisch, hat mich abschätzig angeschaut."

"Ich bin eigentlich nur noch zu ihm gegangen, wenn seine Mutter nicht da war", so der 20-jährige Kumpel des Hauptangeklagten. Durch dieStreits in der Familie sei es wohl auch zu Polizeieinsätzen gekommen, der Vater zog daraufhin aus. Die Mutter sei dann "eigentlich nur noch zum Essen und zum Schlafen zuhause" gewesen. Mit seinem Freund redete er über dieses Thema aber ungern: "Das war wie eine Parallelwelt."

Nun wird ihn das Gericht zu jenem 15. September 2017 befragen: Der Tag, an dem sein Kumpel vermutlich seine Mutter tötete - und er dabei half, die Leiche verschwinden zu lassen.

Erstmeldung

Die Zuschauer wurden kurz nach dem Prozessauftakt am 31. Oktober schon ausgeschlossen, doch der 21-jährige Hauptangeklagte und seine Verteidiger wollten noch einen Schritt weitergehen: Auch die Presse sollte am zweiten Verhandlungstag am Dienstag ausgeschlossen werden - sonst will der Altenmarkter schweigen. 

Nach langen Beratungen entschied das Traunsteiner Landgericht schließlich, dass die Presse bleiben darf. "Dann ist mein Mandant nicht in der Lage, auszusagen", so Anwalt Adam Ahmet. Andernfalls hätte er sich wohl geäußert. Anders sieht es dagegen beim zweiten Angeklagten aus. Er will sich am Nachmittag zumindest noch zu seiner Person und seinem Werdegang äußern

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Altenmarkter vor, im September 2017 seine Mutter zuhause geschlagen, gebissen, und gewürgt zu haben. Mit fünf gezielten Hammerschläge gegen den Schädel soll der damals 20-Jährige seine Mutter schließlich umgebracht haben. Mit Hilfe seines mitangeklagten Kumpels aus Trostberg soll er die Leiche dann verpackt und in einem Waldstück bei Schnaitsee vergraben haben. Am Tag danach habe man gemeinsam das Haus geputzt um die Spuren zu verwischen. 

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

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