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Traunsteins OB Hümmer rudert überraschend zurück

„Ich hab‘s verstanden“: Baupläne für Daxerau plötzlich gestoppt - wegen Unwettern

Hümmer Daxerau Traunstein
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Oberbürgermeister Christian Hümmer (links) am vorvergangenen Wochenende in der Daxerau, als die Pegelstände wieder bedrohlich anstiegen. Rechts ein Luftbild des Areals, das bebaut werden sollte. Langfristig wäre auch eine Bebauung der südlich angrenzenden Wiesen in Frage gekommen.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Das geplante Baugebiet in der überschwemmungsgefährdeten Traunsteiner Daxerau ist wohl Geschichte. Jahrelang wehrten sich die Anwohner, jetzt hat OB Hümmer das Thema ad acta gelegt: „Ich hab‘s verstanden.“

Traunstein - Überraschung am Donnerstag (29. Juli) im Stadtrat: Das Thema stand eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung, doch plötzlich war von der Daxerau die Rede. „Ich bin erst letztens wieder mit Gummistiefeln in der Daxerau gestanden“, leitete Oberbürgermeister Christian Hümmer (CSU) ein. „Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich hab‘s verstanden an der Stelle.“ Mit großer Mehrheit stimmt der Stadtrat dafür, das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans einzustellen. Die Fläche misst rund 15.000 Quadratmeter.

Traunstein: Bebauung in der Daxerau vom Stadtrat gestoppt

Ein Investor plante, 13 Häuser mit insgesamt rund 120 Wohnungen zu bauen. Auf dem Areal war bis 2016 das Tennis-Center von Martha Vogl beheimatet. Schnell regte sich bei Anwohnern Widerstand. Sie befürchteten, dass durch die Bebauung noch öfter Überschwemmungen drohten. „Ich bin absolut erleichtert, dass die Daxerau nicht bebaut wird“, so 2. Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner. „Wir Grüne sind grundsätzlich dagegen, Flussauen zu bebauen.“ Noch vor kurzem sei man für die Forderung ausgelacht worden.

Tatsächlich fand das Bauvorhaben immer sichere Mehrheiten im vergangenen Stadtrat, zuletzt im Februar 2020 mit 16 zu 7 Stimmen. Abgelehnt wurde das Projekt immer von den Fraktionen der Grünen, der Traunsteiner Liste und von Ursula Lay (UW) - doch jetzt die Kehrtwende. „Der Blick ins Berchtesgadener Land zeigt, dass wir nicht verschont bleiben. Es wäre nicht richtig, in den Traunauen auf Versiegelung zu setzen“, so Oberbürgermeister Hümmer am Donnerstag. Keine Kommune reagiere schneller, lobte auch CSU-Fraktionsvorsitzender Konrad Baur: „Der finanzielle Verlust des Investors ist mir dabei wurscht.“ Erst im Mai gab OB Hümmer noch bekannt, dass es von Seiten des Investors ein neues Bebauungsplan-Konzept gebe.

Warum ausgerechnet die Grünen dagegenstimmten

Mit 23 zu 7 Stimmen beerdigte der Stadtrat nun den Daxerau-Bebauungsplan - und die Gegenstimmen kamen ausgerechnet von den Grünen. Denn OB Hümmer verknüpfte die Abstimmung zur Daxerau mit dem neuen, geplanten Wohngebiet in Seiboldsdorf, an dem die Grünen-Stadträte inzwischen manches zu kritisieren haben (wir berichten noch gesondert). Mit der Forderung, beide Themen getrennt voneinander abzustimmen, konnten sich die Grünen nicht durchsetzen, daher die sieben Gegenstimmen.

Grafik, wie das neue Wohnviertel in der Daxerau etwa aussehen hätte sollen. 120 Wohnungen in 13 Gebäuden waren geplant.

Der Kampf um die Bebauung der Daxerau währte nun rund fünf Jahre lang. Nach dem Ende der Tennis-Anlagen brachte der damalige OB Christian Kegel (SPD) das Areal noch als möglichen Parkplatz für die Landesgartenschau ins Gespräch. Nach dem Bürgerentscheid schien die Richtung dann festzustehen: Wohnbebauung in Mehrfamilienhäusern. Weil die Traun dort zwischenzeitlich Hochwasserschutz erhielt, galt die Daxerau nicht mehr als Überschwemmungsgebiet - doch die angestammten Bewohner des Traunsteiner Ortsteils bekamen es trotzdem mit der Angst zu tun.

Anwohner wehrten sich: „Wir wollen nicht absaufen“

Es ist doch weltfremd, in ein Überschwemmungsgebiet zu bauen. Alle die hier wohnen kennen die Gefahr. Wir wollen nicht absaufen“, so Nachbarin Evi Kern im Januar 2019 gegenüber chiemgau24.de. Der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags wurde wachgerüttelt und kam im März 2019 zum Vor-Ort-Termin zusammen. Dessen Forderung an die Stadt: Die wasserrechtlichen Gutachten sollten lieber nochmal überprüft werden. Denn es ging nicht nur um ein drohendes Hochwasser von der Traun, sondern auch des Röthelbachs und um herabfließendes Oberflächenwasser vom Hochberg. Später folgten noch weitere Petitionen der Anwohner an den Landtag, der sich immer eher auf ihre Seite schlug.

Die beiden Anwohner Evi Kern und Alexander Callegari beim Ortstermin des Petitionsausschusses mit dem Landtagsabgeordneten Straub (links) im März 2019. 

Ein gänzlich neues Gutachten, wie es die rund 50 Bewohner der Daxerau und manche Landtagsabgeordnete forderten, gab es nicht. Aber das bestehende wurde von unabhängiger Stelle, von der TU München untersucht. „Für die Bewohner, wie auch für die Unterlieger der Traun bestehen keine Gefahren“, wurde dann erneut festgestellt. Oberbürgermeister Kegel blieb in der Sache hart: „Irgendwann muss akzeptiert werden, dass Dinge sind, wie sie sind.“ Auch seine Amtskollegen im weiteren Verlauf der Traun, aus Nußdorf, Traunreut und Altenmarkt, stellten sich gegen das Vorhaben. Nun haben sich die kritischen Stimmen durchgesetzt.

xe

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