Ausstellung "Botschafter aus dem Orient"

Orient trifft Okzident im Kulturforum Klosterkirche

Traunstein - Im schönen Chiemgau in Bayerns Südosten hat die Stadt Traunstein in mehrjähriger, aufwändiger Restaurierung die um 1690 erbaute Klosterkirche zu neuem Glanz erweckt. Nunmehr steht am 14. September die Premiere an:

Zum ersten Mal können der ARTS Kulturförderverein Traunstein, die Bürger der Stadt und alle Kulturbegeisterten die Klosterkirche im renovierten Gewand erleben.

Die Bedeutung dieser Premiere wird durch eine zweite Premiere erhöht, bei der Okzident auf Orient trifft: die Klosterkirche wird zugleich Schauplatz einer Ausstellung der Sonderklasse. Mit "Botschafter aus dem Orient- Ambassadors from the Orient" wird erstmals eine bisher noch nie gezeigte Privatsammlung der Textilen Kunst des Orients aus 2000 Jahren zu sehen sein.

Diese Privatsammlung, die WEISE COLLECTION antiker Teppiche und Textilien aus Samt und Seide, wurde in fast 40 Jahren engagierter Sammeltätigkeit aufgebaut. Die Sammlung umfasst geknüpfte Teppiche aus höfischen und städtischen Manufakturen ebenso wie Kelims und andere Flachgewebe, Taschen, textilen Zeltschmuck und Reitertextilien nomadischer Herkunft sowie kostbare antike Seidenstoffe, Seidenstickereien und Samte. Nahezu alle Länder des Nahen und Fernen Ostens mit textiler Historie sind vertreten: von den klassischen Teppichländern Persien und Türkei über den Kaukasus zu den Ländern der Seidenstraße Turkmenistan und Usbekistan, Indien, Tibet, China bis nach Indien, Marokko und Ägypten.

Der zeitliche Rahmen umfasst mehr als 2000 Jahre; allein drei Exponate verfügen über eine wissenschaftlich gesicherte Radiocarbon-Datierung (C 14- Zerfallsreihe) aus dem 1. Jahrhundert vor Christus, die jüngsten stammen aus der Zeit um 1900. Gezeigt werden 120-140 Stücke mit Schwerpunkten auf frühen Fragmenten aus 14. bis 17. Jahrhundert und Sammler-Teppiche aus der Zeit um 1800. Viele Stücke haben musealen Charakter oder sind von internationaler Bedeutung - was dadurch zum Ausdruck kommt, dass für rund 60 bereits internationale Publikationen in der einschlägigen Fachliteratur vorliegen. Der große Reiz der Ausstellung liegt jedoch darin, dass viele Exponate der Ausstellung noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren und daher selbst für Kenner noch eine Überraschung darstellen dürften. Von historischer Bedeutung sind insbesondere ein geknüpftes Band mit Hirschköpfen aus der sibirischen Skythen-Kultur mit einem Alter von rund 2100 Jahren sowie zwei Fragmente von Teppichen mit Darstellungen mythischer Tierfiguren. Diese sind im weiteren Sinne zur Gruppe der frühen anatolischen bzw. transkaukasischen Tierteppiche zu rechnen. Diese kleine Gruppe mittelalterlicher Teppiche wurde erst in den letzten beiden Jahrzehnten durch Funde in den in großer Zahl aufgelassenen tibetischen Klöstern bekannt und nur durch das vor Ort bekannte Interesse westlicher Institutionen und Sammler vor dem endgültigen Untergang bewahrt.

Der Sammler Roland Weise hat sein schon früh entstandenes Interesse an außereuropäischen Kulturen und insbesondere an antiken Teppichen und Textilien auch durch zahlreiche Auslandsreisen vertiefen können, die sich aus und um seine berufliche Tätigkeit ergaben. In verschiedenen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen war er als Finanzchef vor allem im internationalen Geschäft engagiert. Dies gilt insbesondere auch für die fast zwei Jahrzehnte währende Rolle als Geschäftsführer bzw. CFO und CEO in der Holding von MediaMarkt und Saturn, dem späteren weltweit zweitgrößten Elektrohändler. Über die gelungene Verknüpfung von Arbeitswelt und Kulturlandschaft, von Managerleben und Sammelleidenschaft gibt es den aufschlussreichen Artikel "Weise aus dem Morgenland" aus der Feder von Lukas Heiny (heute beim Manager Magazin), erschienen in der Serie "Die Spleens der Alphatiere" in der Financial Times Deutschland, Ausgabe vom 16. Oktober 2009. (auch auf YouTube: Die Spleens der Alphatiere Roland Weise- Auf Seidenknoten).

Trotz starker beruflicher Anspannung entstand ein persönliches Netzwerk aus profilierten Sammler-Kollegen, international renommierten Händlern und spezialisierten Auktionshäusern wie Sothebys und Christies in New York und London sowie Rippon Boswell Wiesbaden.

Mit dem vertieftem Wissen aus dem häufigen Gedankenaustausch im Netzwerk ließen sich zwei historisch einmalige Chancen zum Aufbau einer qualitätvollen Sammlung trefflich nutzen: der Zusammenbruch der UdSSR verschaffte erstmals seit mehr als hundert Jahren Zugang zu den traditionell bedeutenden Herkunftsländern des Kaukasus und Turkmenistan, so dass für einen begrenzten Zeitraum seltene antike Teppiche und Textilien in hoher Qualität auftaucht. Das gleiche galt für die Auflassung zahlreicher Klöster in Tibet, die durch ihre Lage an der Seidenstraße einen historisch bedeutenden Zugang zu Kunstwerken aus dem gesamten Orient hatten.

Mit Silke Weise erweiterte sich das Sammlungsgebiet insbesondere um jene Seiden und Samte, für die die Länder der Seidenstraße berühmt sind, und frühe Stücke - häufig auch Fragmente mit ihren rätselhaften Mustern - rückten in den Fokus.

So entstand eine Sammlung von großer Breite und spannungsgeladener Tiefe. Im Mittelpunkt stand stets die Begeisterung an der hohen Kreativität vergangener Zeiten und die Freude an den Farben. Der französische Maler Eugène Delacroix fand für die Farben der Orientteppiche die ausdrucksstarke Metapher "Musik für die Augen"!

Mit der Ausstellung "Botschafter aus dem Orient" wollen Silke und Roland Weise für das Kulturgut Orientteppich und seine textilen Verwandten werben und deren verschlüsselte Botschaften einem breiten Publikum in einer Zeit erschließen, in der der Kunstbetrieb fast ausschließlich von der Modernen Kunst und ihren ausufernden spekulativen Elementen geprägt wird.

Als Konsequenz wird keine Eintrittsgebühr erhoben und es wird einen Katalog als Leitfaden durch die Ausstellung geben, der sowohl dem breiten Publikum Einblicke ermöglicht als auch den profilierten Kenner anspricht. Wir versprechen den Besuchern einen in jeder Beziehung einmaligen Kunstgenuss!

Silke und Roland Weise

Rubriklistenbild: © Silke und Roland Weise

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