Podiumsdiskussion im Annette-Kolb-Gymnasium

Landratskandidaten standen Rede und Antwort

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Die sechs Landratskandidaten standen Rede und Antwort. Von links: Josef Kohnhäuser, Siegfried Walch, Heinz Wallner, Andreas Danzer, Helmut Kauer und Sepp Hohlweger.

Traunstein - Vor 300 Besuchern standen am Samstag die sechs Landratskandidaten im AKG Rede und Antwort. Zwei Stunden lang ging es um sechs Landkreis-Themen:

Rund 300 Besucher fanden sich am Samstag in der Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums (AKG) ein, um die sechs Landratskandidaten Siegfried Walch (CSU), Josef Konhäuser (SPD), Andreas Danzer (FW/UW), Heinz Wallner (Bayerpartei), Sepp Hohlweger (Grüne) und Helmut Kauer (ÖDP) an einem Abend „direkt kennenzulernen und Fragen zu stellen“, wie es Moderator und Mitorganisator Axel Effner vom Chiemgau Wochenblatt eingangs formulierte. In dieser Form war dies die erste und wohl auch letzte Gelegenheit bis zur Kommunalwahl am Sonntag, 16. März.

Podiumsdiskussion der Landratskandidaten

Um zu verhindern, dass die routinierten Kommunalpolitiker einfach zwei Stunden lang ihre Statements und Wahlprogramme „runterbeten“, habe man sich die sechs Landkreis-Themen „Jugendhilfe“, „Regenerative Energien“, „Zukunft des Öffentlichen Personen Nahverkehrs“, „Kreiskliniken“, „Tourismus“ und „Infrastrukturausbau vs. Flächenschwund“ herausgesucht, betonte Co-Moderator Christoph Grabner von der Bayernwelle Südost.

Vor der Fragerunde hatten die Moderatoren die Biografien der Bewerber kurz und bündig vorgestellt, was nicht jedem auf der Bühne gefiel. So fügte erster stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser (SPD) hinzu, dass er seit 30 Jahren in der Kommunalpolitik tätig sei, seit sechs Jahren als erster stellvertretender Landrat fungiere und zudem Zweiter Vorsitzender des Chiemgau Tourismus sei.

„Die Jugendhilfe ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises“, betonte Helmut Kauer (ÖDP), der die Fragerunde eröffnen durfte. Allerdings sei man hier durch Gesetzte stark eingebunden und der Spielraum nicht sehr groß. Auch wenn er recht teuer sei, gelte es den Weg der Prävention weiterzugehen, denn wenn ein Landkreis als „Reparaturbetrieb“ in Erscheinung treten müsse, werde es noch viel kostspieliger.

Siegfried Walch (CSU) sprach hier sein „Leib-und-Magen-Thema“ Sozialraumorientierung an. Darunter versteht man eine konzeptionelle Ausrichtung der Sozialen Arbeit, bei der die allgemeinen Lebenswelten und Verhältnisse so gestaltet werden sollen, dass Menschen in schwierigen Lebenslagen besser zurechtkommen. Seit Jahren kämpfe er hier für einen Systemwechsel und mehr Effizienz. Nach Walchs Meinung müsste der Landkreis in fünf gleichgroße Räume aufgeteilt werden, in denen freie Träger und Dienstleister „das dann für uns machen“.

Die Kosten seien in diesem Bereich seit den 1990er Jahren von fünf auf 17 Millionen Euro gestiegen, erinnerte Konhäuser und sprach von einem „grundsätzlichen gesellschaftlichen Problem“. Die Haushalte aller oberbayerischen Landkreise seien davon betroffen.

Eine Lanze für die „sehr gut aufgestellten Vereine“ und die dort tätigen Ehrenamtlichen brach Andreas Danzer (FW/UW). Die Vereine müssten noch mehr vom Landkreis unterstützt werden. Das Credo des scheidenden Landrats Hermann Steinmaßl „Jedes Kind in einen Verein“ sei ein guter Ansatz, doch müsse man auch auf die offene Jugendarbeit mit entsprechender Betreuung setzen, um den Interessen der Heranwachsenden besser gerecht zu werden.

Mit Blick auf das ambitionierte Ziel des „wirtschaftlich und ökologisch fortschrittlichen“ Landkreises Traunstein, bis 2030 energieautark zu sein, sei der Ausbau der regenerativen Energien alternativlos, betonte Walch und forderte eine bessere Nutzung der Wasserkraft an der Salzach. Dies müsse aber möglichst umweltschonend geschehen, denn die „Natur ist unsere höchstes Gut“.

Sepp Hohlweger (Grüne) bedauerte es, dass die Bayerische Staatsregierung zuletzt den Windkraft-Ausbau gestoppt hatte, hoffte aber darauf, dass „aus München bald wieder andere Signale kommen“. Der Hochwasserschutz und der Schutz des Eigentums müssten bei der Wasserkraftnutzung stärker berücksichtigt werden, forderte der Ruhpoldinger und appellierte „weniger Energie zu verbrauchen“.

Leider koste eine Geothermie-Bohrung bis zu 60 Millionen Euro, bedauerte Kauer hinsichtlich der angedachten Geothermie-Anlagen. Die Kommunen könnten dies nicht absichern. Der Landkreis müsse aber für die Zukunft potentielle Geothermie-Flächen erhalten.

Um die Energiewende zu meistern, müsse alles auf den Prüfstand, stellte Heinrich Wallner (Bayernpartei) klar. Tabus dürfe es hier nicht geben. Wallner kritisierte, dass der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen wurde, ohne dass man sich vorher Gedanken über die Sicherstellung der Energieversorgung gemacht habe.

Was das „schwierige Thema“ Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum anbelange, brauche man Danzer zufolge ein tragfähiges Gesamtkonzept, bei dem das Fahrgastverhalten und die Nutzergewohnheiten im Landkreis berücksichtigt werden. Die von Fahrgästen zu wenig genutzte „Traun-Alz-Bahn“ und die Anbindung an Traunreut gelte es „attraktiver zu machen“, forderte Kauer. Für ein „flexibleres System“ mit regelmäßigeren Busverbindungen sprach sich Hohlweger aus. In einem Pilotprojekt könnte man eruieren, ob sich das auszahle.

Wallner brachte hierzu die Einführung einer „Chiemgau-Card“ ins Spiel. Was die sechs fusionierten Kreiskliniken in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land (Kliniken Südostbayern AG) anbelange, sei es ungemein wichtig, dass die Trägerschaft in der kommunalen Hand bleibe, denn nur dann könne die gute medizinische Versorgung dauerhaft sichergestellt werden. Falls die Kreisklinik Ruhpolding finanzielles „Sorgenkind“ bleibe, müsse man andere Lösungen in Betracht ziehen.

Konhäuser verteidigte das Kreiskliniken-Konsolidierungsprogramm, bei dem bis 2016 zehn Millionen Euro eingespart werden sollen. Man dürfe dies aber keinesfalls auf dem Rücken der Beschäftigten austragen, so der Steinmaßl-Stellvertreter, der im Aufsichtsrat der Kreiskliniken sitzt.

Man müsse sich auch auf den Einnahmebereich konzentrieren und nicht nur auf Einsparungen setzen, fügte Walch an. Die Bedürfnisse der Kliniken mehr zu beachten, regte Hohlweger an. Einig war man sich darin, dass das Wohl der Patienten im Mittelpunt stehen müsse.

Auch die ungewisse Zukunft der Kreisaltenheime wurde kurz angesprochen. In seiner Heimatgemeinde Grabenstätt sei zuletzt aufgrund der Nachfrage von Zwei- auf Einbettzimmer umgestellt worden, was die Einnahmen verringere, so Danzer. Die kassenärztliche Vereinigung verteile das Geld falsch, meinte Danzer zum Thema Hausärzteversorgung.

„Wir pflastern den Landkreis nicht zu“, beantwortete Konhäuser eine Frage zum Ausbau der Infrastruktur und zum Flächenschwund. Die gute Infrastruktur trage entscheidend dazu bei, dass die Arbeitslosigkeit im Landkreis nur bei drei und die Jugendarbeitslosigkeit sogar unter zwei Prozent liege. Hier sei man europaweit Spitze.

Man sollte in den Kommunen nicht noch mehr Einzelhandelsflächen ausweisen, forderte Hohlweger. Das Zentrum solle in den Dörfern bleiben.

Wallner sprach sich für Gewerbegebiete aus, die über Gemeindegrenzen hinweg verlaufen. Auf keinen Fall dürfe es reine Gewerbegebietslandschaften wie in den USA geben, hieß es.

Der sechsspurige Ausbau der A8 mit Standstreifen sei „notwendig für unseren Wirtschaftsstandort“, zeigte sich Danzer überzeugt.

„Vier Spuren mit Standstreifen reichen aus“, alles andere wäre eine Verschwendung von Steuergeldern, widersprach Hohlweger. Der Tourismus sei nach wie vor ein „erheblicher Wirtschaftsfaktor“. Um den Trend der rückläufigen Übernachtungszahlen zu stoppen, gelte es aber die privaten Kleinvermieter zu stärken, so Hohlweger, der ein Verfechter eines sanften Tourismus ist.

Wallner prangerte an, dass es kaum Hotels gebe, in denen größere Personengruppen, wie im Vorjahr ein 50-köpfiges Film-Team, untergebracht werden könnten.

„Wir brauchen wieder mehr Betten“, betonte Konhäuser und verwies darauf, dass in den letzten zehn Jahren 15.000 verloren gegangen seien.

Alle sechs Landratskandidaten sprachen sich für einen gentechnikfreien Landkreis aus. Die Luft oder der Wind kenne aber leider keine Grenzen, meinte Konhäuser mit Blick auf anderswo wachsende gentechnisch manipulierte Pflanzen und deren Samen.

Er traue sich das Amt des Landrats zu und bringe auch genügend Erfahrung bei der Unternehmens- und Mitarbeiterführung mit, beantwortete der erst 29-jährige Walch eine kritische Frage eines Besuchers. 460 der 700 Asylbewerber seien bereits im Landkreis untergebracht, die Verteilung auf die Kommunen müsse aber fairer gestaltet werden. Er unterstütze die Einführung der Biotonne, denn da sei Energie drin, die man nutzen könne.

Einigkeit bestand auf dem Podium auch darin, dass man Produkte aus der Region fördern solle. Dies sei sicherlich auch im Sinne der Urlauber.

mmü

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