Urteil in Traunstein nach Missbrauch in Rosenheim

Richter: "Das Mädchen leidet noch heute unter den Folgen!"

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Traunstein/Rosenheim - Seit Dienstag musste sich ein 52-jähriger kaufmännischer Angestellter wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten. Am Freitagmittag ist das Urteil gefallen:

UPDATE, 14.15 Uhr - Die Begründung des Urteils

Nun liegt auch die Urteilsbegründung vor. Das Gericht ist laut Richter Dr. Weidmann der Auffassung, dass sich der Tatvorgang so wie in der Anklageschrift dargelegt, ereignet hat. "Er war geständig und hat uns beim Prozess Rede und Antwort gestanden, das muss man anerkennen", so der Richter in seiner Urteilsbegründung. 

Die Berichte der Kinder gegenüber der Mutter und auch deren Aussagen bei der Polizei seien für das Gericht glaubwürdig. "Das Mädchen leidet noch heute unter den Folgen. Der Familienfrieden war durch die Taten auch erheblich beeinträchtigt", sagt Weidmann. Die Folgen für die Kinder seien für das Gericht nicht spekulativ sondern festgestellt. 

"Am schwierigsten war die Frage der Strafzumessung. Der Angeklagte hat durch sein frühes Geständnis dazu beitragen wollen, den Kindern eine Glaubwürdigkeitsbetrachtung zu ersparen. Die Taten sind aber unter einem extremen Vertrauensbruch in einem abgeschlossenen geschützten Bereich entstanden. Ob sich Langzeitfolgen einstellen, ist noch nicht abzusehen." Das Gericht könne daher nicht von einem minder schweren Fall ausgehen. "Die kinderpornografischen Bilder haben einen einschneidenden Einfluss auf ihr Leben gehabt", so der Richter zum Angeklagten. "Ohne die wäre es vielleicht gar nicht zu diesen Vorfällen gekommen."

UPDATE, 13 Uhr - Urteil gefallen:

Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann verkündet das Urteil: „Der Angeklagte ist schuldig des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und wird zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.“

Die Urteilsbegründung folgt.

UPDATE, 11.35 Uhr: Plädoyer Verteidigung

Rechtsanwalt Harald Baumgärtl erklärt in seinem Plädoyer, dass der Angeklagte Rechte habe: „Er hat das Recht zu schweigen, er hat das Recht zu lügen und er hat das Recht zu gestehen und nichts anderes hat er getan. Er hat strafrechtlich relevante Angaben gemacht und das ist ein Geständnis. Er hat das gestanden, was im Haftbefehl steht, da kann man nicht damit kommen, dass das ein Teilgeständnis ist.“ 

Grundlage sei nur die Anklageschrift, nicht irgendwelche ausgebreiteten Tatbestände. „Mein Mandant übernimmt die volle Verantwortung für die Taten, die er begangen hat. Er hat die Anklage in vollem Umfang eingeräumt und sich somit des schweren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht, daran gibt es nichts zu rütteln.“ 

Seinen Mandanten als gefährlich hinzustellen, könne Baumgärtl angesichts der medizinischen Diagnose, bei seinem Mandanten liege keine schwere sexuelle Störung vor, nicht nachvollziehen. „Er wollte sich in keinster Weise von der Schuld frei kaufen. Es gibt den Paragraph 46a und deswegen kann man ihm nicht vorwerfen, dass er diesen in Erwägung gezogen hat. Laut der Schmerzensgeldtabelle ist das Schmerzensgeld in Höhe von 12.500 Euro angemessen. Eine Strafrahmenverschiebung sei daher zu berücksichtigen. 

Für Baumgärtl liege, anders als für Staatsanwaltschaft und Nebenklage, ein minder schwerer Fall vor. Darüber hinaus habe sich sein Mandant in erheblicher Weise durch seine Taten selbst geschadet. Er sei bereit sich in Therapie zu begeben, Schmerzensgeld zu zahlen, und keinen Kontakt zu den Mädchen zu haben. Er fordert zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Das letzte Wort des Angeklagten: „Es tut mir sehr sehr leid, was ich den Mädchen und der Familie angetan habe. Die Untersuchungshaft hat mich Demut gelehrt, sowas werde ich nie wieder tun. Ich übernehme die volle Verantwortung für meine Handlungen. Die Initiative ging von mir aus, war aber nicht von vorne herein geplant.“

Das Urteil wird voraussichtlich um 12 Uhr verkündet.

UPDATE, 11.10 Uhr: Plädoyer Nebenklage

Nebenklagevertreterin Manuela Denneborg, die die Eltern der beiden Mädchen vertritt, könne sich den Ausführungen der Staatsanwältin zu fast 100 Prozent anschließen. Für sie habe der Angeklagte jedoch nur ein Minimalgeständnis abgelegt, es habe sehr viel mehr Taten gegeben. Man habe sich durchaus überlegt, eines der Kinder videotechnisch zu vernehmen, um die weiteren Fälle aufzudecken, das aber zum Schutz des Kindes wieder verworfen. „Die Eltern erleben tagtäglich die Folgen des Missbrauchs für die Kinder.“ 

Für die Rechtsanwältin verlagere der Beschuldigte die Verantwortung auf die Kinder, da diese laut seiner Aussage nie gesagt hätten sie hätten das nicht gewollt. „Er verharmlost seine Tat wenn er sagt, er würde sofort aufhören, wenn sie das nicht gewollt hätten.“ Der Angeklagte übernehme nicht die volle Verantwortung für seine Taten und setze sich nicht mit der Schwere seiner Taten auseinander. „Ein Geständnis ohne wenn und aber sieht anders aus. Ich halte den Angeklagten für gefährlich, er hat sich über Jahre kinderpornografische Bilder reingezogen, dann hat er selber zugeschlagen. Er baut Vertrauen zu Eltern und Kindern auf und dann beginnt er mit dem Missbrauch“, so Denneborg. 

Sie fordert ebenfalls fünfeinhalb Jahre Haft für den Beschuldigten. Sollte das Gericht eine Bewährungsstrafe in Betracht ziehen, solle das nur mit Auflagen wie ein Kontaktverbot und eine Therapie geschehen.

UPDATE, 10.40 Uhr: Plädoyer Staatsanwaltschaft

Staatsanwältin Wieger ist der Auffassung, dass sich der Sachverhalt so wie in der Anklage dargelegt, ereignet hat. Der Angeschuldigte habe die Mädchen mit Geschenken bestochen, damit sie das Geheimnis nicht verraten. Zu seinen Gunsten spreche laut Staatsanwältin das Geständnis und dass er damit den Kindern eine Aussage vor Gericht erspart habe. Zu seinen Lasten liege die perfide Vorgehensweise des Beschuldigten und der Besitz der vielen kinderpornografischen Dateien. Die Staatsanwältin beantragt fünf Jahre und sechs Monate Haft.

UPDATE, 9.40 Uhr: Vergleich vor Gericht

Nebenklagevertreterin Manuela Denneborg aus Rosenheim verkündet zu Beginn der Verhandlung, dass die Nebenklage einen Vergleich protokollieren möchte:

Demnach verpflichtet sich der Angeklagte 10.500 und 2.000 Euro Schmerzensgeld an die Kinder zu zahlen. Die vereinbarten Schmerzensgelder werden auf weitere Schmerzensgelder angerechnet. Desweiteren verpflichte sich der Beschuldigte, nach Haftentlassung keinen Kotakt zu den Kindern aufzunehmen und sich ihnen auf 100 Meter nicht zu nähern. Dieser Vergleich sei als gesonderte zivilrechtliche Vereinbarung gedacht, nicht etwa als Ergänzung eines Täter-Opfer Ausgleichs. Einen Täter-Opfer-Ausgleich sehe die Nebeklage als überhaupt nicht gegeben an, betonte Denneborg.

Es folgen die Plädoyers.

Vorbericht

Ein Münchner vergriff sich in seinem Haus in Rosenheim an zwei sieben und fünf Jahre alten Nachbarmädchen. Über 10.000 Kinderpornos soll er in über drei Jahren aus dem Internet heruntergeladen haben, bis er die nackten Körper der Kinder "in Natur sehen" wollte, habe er gegenüber einem Gutachter geäußert.

Vor Gericht ließ er über seinen Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft einräumen. Ihm tue leid, was er den Kindern zugefügt hat, ließ er über den Rechtsanwalt mitteilen. 

Der 62-Jährige Manager habe einen Täter-Opfer-Ausgleich mit einem Schmerzensgeld von 12.500 Euro angeboten, worauf die Nebenklagevertretung jedoch nicht reagiert habe.

"Wenn du etwas sagst, wird es Probleme geben"

Diese Worte soll der Angeklagte laut eines Nachbarkindes gesagt haben um seine Taten zu vertuschen, bis die Kleine sich schließlich ihrer Mutter anvertraut hat. Nach einer kurzen Pause dann auch ihre Schwester.

Die Kinder leiden heute noch unter der Tat, haben sich in ihrem Verhalten verändert.

Das Urteil wird am Freitag, 3. August verkündet. **Wir werden von vor Ort berichten**

Rubriklistenbild: © picture alliance / Karl-Josef Hi

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