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Prozess um angezündete Mitbewohner und Mordversuch

Brandstiftung in Tuntenhausen: Eigentümer (69) schildert Flucht durch die Dachluke 

Im Zimmer Nummer 13 ist der Brand ausgebrochen. Von dort haben sich die Flammen im ersten Stock ausgebreitet.
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Eine Schautafel aus dem Gerichtssaal: Im Zimmer Nummer 13 ist der Brand ausgebrochen. Von dort haben sich die Flammen im ersten Stock ausgebreitet.

Brandstiftung, Körperverletzung, versuchter Mord: Am Dienstag (5. April) muss sich ein 41-Jähriger vor dem Landgericht in Traunstein verantworten. Er soll in einem Mehrparteienhaus in Tuntenhausen sein Opfer angezündet und den Tod von insgesamt 20 Menschen in Kauf genommen haben.

Update, 17 Uhr - Eigentümer (69) schildert Flucht durch die Dachluke 

„Sie hatten einen schweren Brand in ihrem Anwesen im letzten Sommer”, begrüßt Richter Ziegler den 69-jährigen Hauseigentümer aus Tuntenhausen, der im Dachgeschoss wohnte. Dieser erzählt, dass die eingemieteten Arbeiter im ersten Stock am Wochenende gerne mal gefeiert und „auf gut Boarisch ein Saufgelage” hatten.

An diesem Samstagabend, bevor das Feuer ausbrach, war der Rentner normal ins Bett gegangen, hatte im Halbschlaf noch „etwas rumpeln gehört”, sich wieder umgedreht und weitergeschlafen. „Um halb zwei hat mich der Rauchmelder aufgeweckt. Ich habe mir gedacht, dass die da unten vielleicht wieder rauchen und das mag ich nicht.” Doch als er sein Schlafzimmer verließ, war der Rauch in seinem Wohnzimmer bereits so dick, dass er seine eigene Hand nicht mehr vor seinem Gesicht sehen konnte. 

Der Tuntenhauser wollte dann über das Treppenhaus fliehen, doch „da ist das Feuer wie in einem Kamin hoch”. Dann „bin ich zum Dachfenster, habe einen Stuhl genommen, der ist mir zweimal umgefallen. Dann hab ich mir gedacht - jetzt darf es nicht das dritte Mal passieren, dann wird es eng.” Nur in T-Shirt und Unterhose bekleidet, rutschte der nach eigenen Aussagen sportliche Rentner aus dem Dachfenster auf die Terrasse.

Bewohner aus der unteren Wohnung halfen ihm. Ein Nachbar rief die Feuerwehr. Der Schaden am Haus ist hoch, rund eine Millionen Euro. Dazu kommen noch rund 200.000 Euro Schaden am eigenen Hausrat. Die Immobilien sind seine Rente. „Ich lebe von der Vermietung. Es war eine schöne Dachgeschosswohnung, jetzt ist sie leider weg.”

Zum Angeklagten sagt der Rentner: „Den habe ich öfter betrunken erlebt. Wir hatten auch schon einmal einen Vorfall im Zuge eines kleinen Gelages.” Dabei hätte sich der Angeklagte „schwer daneben benommen”. Er stand kurz vorm Rausschmiss aus der Wohnung, doch „dann hat er mir leidgetan. Ich hab gesagt, er darf da bleiben, aber wenn wieder irgendwas vorfällt, ist er sofort raus.”

Warum der Angeklagte in jener verhängnisvollen Nacht die 2,5 Liter Benzin zapfte und damit das Zimmer in der Fuchsbergstraße anzündete, ist nach dem ersten Tag vor Gericht noch nicht ganz klar. Ob es die Eifersucht war? Das seien für den vorsitzenden Richter bisher nur „Gerüchte”. Der zweite von drei angesetzten Verhandlungstagen könnte weiter Klarheit bringen. Am Donnerstag (7. April) wird der Prozess um 8.30 Uhr fortgesetzt. Als Zeuge geladen, ist unter anderem das Opfer, das der Angeklagte mit Benzin übergossen und angezündet haben soll. 

Update, 15.32 Uhr - Bilder und Videos zeigen ausgebrannte Wohnungen

Als Nächstes spricht ein Polizist der Kripo Rosenheim als Zeuge. Der Beamte zeigt Visualisierungen aus den Zimmern nach dem Brand. Die Zimmer in den Wohnungen im ersten Stock sind alle ähnlich aufgebaut: zwei bis vier Einzelbetten, eine Couch, ein Schrank und Sitzmöglichkeiten. Dazu gibt es noch eine Gemeinschaftsküche und ein Badezimmer. 

In dem Zimmer 13, in dem der Brand ausbrach, ist praktisch nichts mehr zu erkennen. Verbrannte Bettgestelle und ein ausgebrannter, verrußter Kühlschrank sind die letzten Überbleibsel des Flammeninfernos. Die Bewohner der Wohnung mussten über einen langen Fluchtweg über eine Terrasse das brennende Haus verlassen, denn „die Fenster stellten keine Fluchtmöglichkeit dar“, so der Kripo-Beamte. 

Zum Zeitpunkt des Brandes befand sich auch der Hauseigentümer in seiner Wohnung im Dachgeschoss des Gebäudes. Vermutlich weckte ein Rauchmelder den 69-Jährigen aus dem Schlaf. Er musste feststellen: Eine Flucht durch das Treppenhaus war nicht möglich. Dicke Rauchschwaden zogen bereits aus dem ersten Stock herauf in Richtung seiner Eingangstüre. Eine Flucht über die französischen Balkone war ebenfalls nicht möglich. Dazu müsste er 5,90 Meter in die Tiefe springen. Der Hauseigentümer floh schließlich über ein Dachfenster und sprang dann vom Dach zwei Meter tief auf eine Terrasse. 

Für die Präsentation des Polizisten hebt auch der Angeklagte erstmals seinen Blick. Nach den Fotos der zerstörten Wohnung zeigt der Beamte Videoaufnahmen einer Tankstelle.

Zu sehen ist der Angeklagte, wie er an der Zapfsäule Sprit in eine Plastikflasche abfüllt und danach in der Tankstelle einkauft: eine Red-Bull-Dose, 2,5 Liter Superbenzin, eine Flasche Jack Daniels Whiskey, Augustiner Hell und eine Packung Zigaretten. War die Tat also vorsätzlich? 

Als Nächstes wird der Hauseigentümer, der selbst vor dem Feuer fliehen musste, vor Gericht aussagen. 

Update, 13 Uhr - Brandstifter von Tuntenhausen: Etliche Vorstrafen und Knast schon vor etlichen Jahren

Der Angeklagte ist bei weitem kein unbeschriebenes Blatt mehr, wie jetzt vor dem Traunsteiner Landgericht bekannt wird. Der heute 41-Jährige wurde schon in Deutschland, als auch in seinem Heimatland Rumänien straffällig. Wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und auch einer Messerattacke wurde er dort verurteilt - erstmals im Alter von 20 Jahren - und saß auch rund drei Jahre im Gefängnis.
 
2011 kam der Angeklagte nach Deutschland, um zu arbeiten. Auch hier setzte es Gerichtsurteile gegen den Mann: Wohnungseinbruchsdiebstahl, Betrug, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die Gerichte verhängten hierzulande aber immer Bewährungsstrafen. Bei den Taten war immer wieder Alkohol im Spiel.
 
„Die Frage ist, wenn man so oft im Gefängnis sitzt, wegen Taten, die man unter Alkoholeinfluss beging, wird man da nicht mal überlegen, aufzuhören?”, so der Vorsitzende Richter Volker Ziegler. Das sei vor seiner Ehe gewesen, antwortet der Angeklagte über seine Dolmetscherin. Danach habe er weniger getrunken. Fünf Monate vor dem verheerenden Brand in Tuntenhausen begannen jedoch Streitigkeiten in der Beziehung. Starke psychische Probleme hätten den 41-Jährigen seitdem geplagt. 

Die Flammen breiten sich im ganzen Stockwerk aus und greifen auf das Dach über. Der mutmaßliche Täter muss sich wegen versuchten Mordes und Brandstiftung vor Gericht verantworten.

Update, 11.20 Uhr - Menschen und Haus in Flammen: Jetzt ist der Angeklagte am Zug

Der Angeklagte äußert sich nicht selbst zu dem verheerenden Brand in dem Mehrparteienhaus in Tuntenhausen im Sommer 2021. Aber sein Verteidiger Markus Frank erklärt, dass der Angeklagte in der Nacht auf den 20. Juni betrunken gewesen sei und sich deswegen auch nicht mehr an den Vorfall erinnern könne. Der 41-Jährige gehe aber davon aus, dass er das Zimmer in dem Haus in Brand gesteckt habe.

„Er bedauert es zutiefst und er will seine Alkoholprobleme in den Griff bekommen”, so Verteidiger Frank. Nachfragen zu den ungeheuerlichen Taten will der Angeklagte nicht zulassen: Zwei Mitbewohner standen in Flammen und erlitten schlimme Verletzungen. Am Haus entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe.

Im Gericht stehen zwei Schautafeln mit Fotos des zerstörten Hauses in der Fuchsbergstraße in Tuntenhausen. Sie zeigen die Zimmer, in denen die Arbeiter schlafen. Das Foto von Zimmer 13 ist ein Bild des Grauens. Schutt und graue Asche sind die einzigen Überbleibsel, die die Flammen hinterlassen haben. Ein Ermittler der Kripo Rosenheim wird der erste Zeuge im Prozess sein.

Update, 10.11 Uhr - Mitbewohner in Tuntenhausen mit Benzin übergossen und angezündet?

Der Prozess beginnt. Auf der Anklagebank ein 41-jähriger Mann, zuletzt wohnhaft in Tuntenhausen. Schwarzer Pullover, Tätowierungen am Hals. Neben ihm eine Dolmetscherin und sein Verteidiger, Markus Frank aus Rosenheim. Es geht um grauenvolle Vorwürfe, die sich in der Nacht auf 20. Juni vorigen Jahres in einem Tuntenhauser Mehrparteienhaus abgespielt haben sollen. Die Anklage wird verlesen:
 
Der 41-Jährige soll mitten in der Nacht plötzlich in einem anderen Zimmer des Mehrparteienhauses gestanden sein, in dem zwei Bewohner schliefen. „Ich bring Euch um, ich fackel‘ Euch ab“, soll er mehrfach gesagt haben. Dann soll er einen der Bewohner mit Benzin übergossen und das Benzin auch am Boden verteilt haben, so der Staatsanwalt. Im Anschluss habe er ein Feuerzeug gezückt und alles in Brand gesetzt.

Auch die beiden Bewohner sollen in Flammen gestanden sein. Und nicht nur das: Das Feuer griff auf das gesamte Gebäude über, in dem sich 18 weitere Personen aufhielten und großteils schliefen. Der Gesamtschaden habe über 1,2 Millionen Euro betragen.
 
„Der Geschädigte erlitt erhebliche lebensgefährliche Verletzungen, Verbrennungen zweiten Grades auf 60 Prozent der Körperoberfläche“. Anderthalb Monate Klinikaufenthalt und vier Operationen waren nötig. Auch der zweite Mitbewohner erlitt schlimme Verbrennungen. Angeklagt ist der Mann wegen versuchten Mordes in 20 Fällen, schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung.

Gibt es ein Geständnis? Oder zweifelt der Mann die Vorwürfe an? Was sind die Hintergründe? Im nächsten Schritt wird er selbst das Wort haben. 

Vorbericht: Prozessauftakt um 20-fachen versuchten Mord in Tuntenhausen

Tuntenhausen/Traunstein - Ein 41-Jähriger soll in einem Mehrparteienhaus in Tuntenhausen einen Mann mit Benzin übergossen und angezündet haben. Zum Zeitpunkt der Tat, in den frühen Morgenstunden des 20. Juni 2021, befanden sich laut Staatsanwaltschaft 20 Personen teils schlafend in dem Gebäude. Die Flammen breiten sich aus, das Gebäude wird durch den Brand zerstört. Zwei Menschen mussten schwer verletzt, mit teils lebensgefährlichen Brandwunden, in ein Krankenhaus gebracht werden.

Der mutmaßliche Brandstifter wird des versuchten, zwanzigfachen Mordes, der Brandstiftung und der gefährlichen Körperverletzung beschuldigt. Seit des Brandes im Sommer 2021 sitzt der Verdächtige in der JVA Traunstein in Untersuchungshaft. Der Prozess beginnt am Dienstag (5. April) um 8.30 Uhr vor dem Landgericht Traunstein. Zwei weitere Verhandlungstage sind für Donnerstag (7. April) und dem darauffolgenden Dienstag (12. April) vorgesehen.

rosenheim24.de wird aktuell vom Prozess berichten.

ce/xe

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