Pressemitteilung CSU Traunstein

Psychische Probleme: Wie gut sind wir versorgt?

+
Diskutierten über die Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen: Prof. Dr. Peter Zwanzger, Annemarie Funke, Elisabeth Ulmer und Dr. Christine Ahlheim

Traunstein - Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Problemen. Wie können sie optimal versorgt werden und welche Maßnahmen sollten präventiv ergriffen werden? Welche speziellen Anforderungen gibt es bei dementen Patienten und Menschen mit geistiger Behinderung?

Darüber diskutierten ausgewiesene Experten bei einem Fachgespräch, zu dem der Gesundheits- und Pflegepolitische Arbeitskreis der CSU und die Frauen Union einluden.


Die Häufigkeit von psychischen Problemen wird massiv unterschätzt, erklärte Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Allgemeinpsychiatrie und Psychosomatik des Inn-Salzach-Klinikums kbo in Wasserburg.Rund jeder Fünfte sei zumindest einmal im Leben davon betroffen, wobei es ein riesiges Spektrum gebe zwischen leichten Symptomen wie Schlaf- oder Antriebslosigkeit, die nicht unbedingt einen Krankheitswert hätten, und einer schweren Symptomatik, die in einer Klinik behandelt werden müsse. Entscheidend dabei sei, wie lange die Probleme anhielten und inwieweit die Alltagskompetenz davon beeinträchtigt werde. Als vorbeugende Maßnahmen empfiehlt Zwanzger einen gesunden Lebensstil ohne übermäßige Belastungen, eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Schlaf.

Vor einigen Jahren wurde der Krisendienst Psychiatrie ins Leben gerufen als Angebot zur psychiatrischen Soforthilfe für die Bürger Oberbayerns. Rund um die Uhr erhalten Menschen in seelischen Krisen, Mitbetroffene und Angehörige unter der Rufnummer 0180 / 655 3000 qualifizierte Beratung und Unterstützung.Doch kann dieses Angebot helfen, Versorgungslücken zu schließen? "Auf jeden Fall!", betonte Prof. Zwanzger. Bei der Hotline bekämen Menschen kompetente Hilfestellung bei der Frage: Wie krank bin ich? Wer kann mir konkret weiterhelfen? Dieses niedrigschwellige Angebot könne dann weiterleiten zu dem vorhandenen wohnortnahen Netz aus Hausärzten und Psychologen sowie ggf. an die großen Zentren, wo es die ganze Breite der therapeutischen Möglichkeiten gebe.


Die demografische Entwicklung führt dazu, dass immer mehr Menschen an Demenz erkranken. Die Kliniken Südostbayern AG (KSOB) sind für diese Herausforderung gut aufgestellt, bestätigte Vorstand Elisabeth Ulmer.Das Thema Altersmedizin hat einen hohen Stellenwert in den Kliniken. In drei Kliniken wurde eine Akutgeriatrie etabliert und in zwei Kliniken eine Geriatrische Rehabilitation. Ärzte und Pflegekräfte der KSOB werden speziell geschult im Umgang mit dementen Patienten. Weiter laufen Planungen, in Trostberg eine stationäre Kurzzeitpflege einzurichten. Dies geschieht in enger Absprache und Unterstützung mit Herrn Landrat Siegfried Walch. Doch inwieweit bieten die KSOB eine Notfallversorgung bei psychischen Erkrankungen an? Auch hier sieht Ulmer die Häuser gut gerüstet. Es gibt die Möglichkeit der psychologischen Unterstützung in den Häusern, u.a. in den Bereichen Onkologie, Geriatrie, Neurologie und Schmerztherapie. Zudem bestehe eine enge Kooperation mit dem Inn-Salzach-Klinikum in Form des Konsiliardienstes vor Ort.

Eine Zunahme von psychischen Problemen konstatiert Annemarie Funke, Bezirksrätin und Geschäftsführerin der Lebenshilfe Traunstein gGmbH. Dies sei sowohl bei den Mitarbeitern der Lebenshilfe, aber auch bei den dort betreuten Menschen mit geistiger Behinderung zu beobachten. Generell sei die Behandlung von geistig Behinderten im Krankenhaus schwierig. Es gebe Berührungsängste und das Krankenhauspersonal sei mit dieser Aufgabe überfordert. Falls möglich, kämen Angehörige mit ins Krankenhaus oder auch Personal der Lebenshilfe. Ideal wäre, so Funke, wenn die Krankenkassen sich dabei an der Finanzierung beteiligen könnten, doch das sei leider eine Vision.

Bei der Schlussrunde wurden die drei Teilnehmer danach gefragt, was ihre eigenen Häuser für die Vorbeugung von psychischen Erkrankungen bei ihren Mitarbeitern tun. Prof. Zwanzger machte darauf aufmerksam, dass man zwischen gutem und schlechtem Stress unterscheiden müsse und nicht alles über einen Kamm scheren könne. Beim Inn-Salzach-Klinikum gibt es ein Beratungsangebot für Mitarbeiter bei Krisen, Überlastung etc. Auch Suchtberatung sei ein wichtiges Thema, zudem gebe es ein Schulungsprogramm zur Lebensführung. Frau Ulmer betont, dass der Erhalt der psychischen Gesundheit in den KSOB ein Führungsthema auf allen Ebenen ist. Im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements gibt es bereits jetzt schon eine Vielzahl von Angeboten. Neu: Ab Januar 2020 gibt es eine externe und anonyme "24-Stunden-Hotline", bei der Mitarbeiter mit beruflichen und/oder privaten Problemen jederzeit anrufen können und dort qualifizierte und professionelle Beratung erhalten. Bei der Lebenshilfe werden Mitarbeiterbefragungen zur Arbeitszufriedenheit durchgeführt. Annemarie Funke legt auch Wert darauf, wie die Teams geführt werden und dass den Mitarbeitern Möglichkeiten zur Mitgestaltung geboten werden. Zudem gibt es ein Betriebliches Gesundheitsmanagement und ein Internes Fort- und Weiterbildungsprogramm, das auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter mit einbezieht. Ein gutes Betriebsklima sei nicht zuletzt wichtig für die Frage: Wie gewinne ich Fachkräfte mit Blick auf die Zukunft?

Bei der anschließenden Diskussion, die von der GPA-Kreisvorsitzenden Dr. Christine Ahlheim moderiert wurde, machte die in Trostberg niedergelassene Psychiaterin und Neurologin Dr. Ulrike Adler darauf aufmerksam, dass es im Landkreis Traunstein viel zu wenig niedergelassenen Ärzte in ihrem Fachgebiet gebe. Unverständlich sei, dass die Kassenärztliche Vereinigung von einer Überversorgung ausgehe, weshalb neue Niederlassungen nicht möglich seien.

Walter Ponath, Kreisvorsitzender des Arbeitskreises Polizei und Innere Sicherheit der CSU, fragte Prof. Zwanzger nach dessen Meinung zur Freigabe von Cannabis, speziell vor dem Hintergrund, dass Cannabiskonsum psychische Erkrankungen auslösen könne. Professor Zwanzger führte aus, dass Cannabis in vielerlei Hinsicht problematisch sei. Zum einen sei der Konsum von Cannabis nicht selten begleitet von depressiven Verstimmungen und, weitaus gefährlicher, psychotischen Reaktionen, manchmal mit Verfolgungswahn. Besonders problematisch sei der Cannabiskonsum bei Kindern und Jugendlichen in der Phase der Gehirnentwicklung zwischen 13 und 17 Jahren.

Pressemitteilung CSU Traunstein

Kommentare