Am Donnerstag entscheidet Traunsteiner Stadtrat

Feuerwehr verteidigt "Motorzone": "Gelungene Veranstaltung"

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Foto von der Motorzone 2017 in Seebruck.
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Traunstein - Straßen sperren, damit PS-starke Sportwagen Gas geben können? Die Meinungen gehen weit auseinander: Wir haben die Stellungnahmen von Feuerwehr, Polizei, BRK und auch die Meinung unserer Leser zusammengefasst.

NEU: STELLUNGNAHME DER FEUERWEHR

Nun äußert sich auch die Wolkersdorfer Feuerwehr dazu, wie die "Motorzone" Anfang Oktober aus ihrer Sicht ablief - denn sie war für die Einsatzleitung und die Absicherung verantwortlich: Man spricht von einer "gelungenen Veranstaltung". Natürlich sei nicht alles reibungslos gelaufen, doch das habe seine Gründe. 

Das Rote Kreuz sprach von einem "kleinen Verkehrschaos" wegen der parkenden Autos in Wolkersdorf. Nach Ansicht der Wolkersdorfer Floriansjünger gab es eigentlich genügend Parkplätze, doch von der Stadtverwaltung seien keine Halteverbotsschilder für Wolkersdorf vorgeschrieben worden. Deshalb sei man nur noch einspurig durchgekommen. Eine Dreiviertelstunde habe die Feuerwehr die Zuschauer aufgefordert, die Autos umzuparken, was auch geklappt habe. 

Die Stadtverwaltung habe nicht nur keine Halteverbotsschilder für Wolkersdorf angeordnet, sondern auch für die Nebenstraßen entlang der Strecke zu wenig Absperrungen vorgesehen. "Die Rennleitung hat den Anweisungen des Einsatzleiters (der Feuerwehr, Anm.) zu jeder Zeit und unverzüglich entsprochen", stellen die Wolkersdorfer Feuerwehrler klar. 

Außerdem versichert die Feuerwehr in ihrer Stellungnahme wiederholt, dass alle Pausenzeiten, in denen die Strecke für den normalen Verkehr wieder freigegeben wurde, eingehalten wurden. Es sei eine "Unterstellung falscher Tatsachen", wenn das Gegenteil behauptet wird, was immer wieder vorkomme: "Die Pausenzeiten wurden eher um einige Minuten verlängert, da sich noch Verkehrsteilnehmer oder Zuschauer auf der Strecke befanden."

UNSER ARTIKEL VOM MITTWOCH

50 Sportwagen mit mehreren hundert PS und zehn Motorräder kamen am 6. Oktober zur "Motorzone Chiemgau" nach Wolkersdorf bei Traunstein. Die Straßen rundherum wurden dafür extra gesperrt, viele Zuschauer kamen, es wurde ordentlich Gas gegeben. Soll das ganze für 2019 wieder genehmigt werden? Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat - die Meinungen sind gespalten.

Die Polizei

Die Traunsteiner Polizei scheint nicht wirklich zufrieden zu sein, wie die erste "Motorzone" lief. Zusammenfassend heißt es, dass die "Auflagen durch den Veranstalter teils nicht beachtet wurden". Vor allem die Pausen, an denen die Straßen zwischenzeitlich wieder für den normalen Verkehr freigegeben wurden, seien deutlich kürzer als vereinbart gewesen. Die Sperrung der Straßen übernahm die Feuerwehr.

Foto von der Motorzone 2017 in Seebruck.

Ein zweiter großer Kritikpunkt: Ganz offensichtlich wurde viel zu schnell gefahren. "Wir haben nicht 'gelasert', aber geschätzt wurden die Geschwindigkeiten auf der Rennstrecke nicht eingehalten, wobei aber auch kein Schleudern oder blockierte Reifen bei den Kurven erkennbar waren. Direkt in Wolkersdorf waren ja 30 km/h vorgeschrieben. Das haben wir nicht kontrolliert. Wir haben aber auch keine Beschwerden mitbekommen", so die Polizei. Von der Stadtverwaltung war bereits zu hören, dass die Polizei im kommenden Jahr tatsächlich blitzen will - vor allem die Führung der Traunsteiner Polizei sei strikt gegen die "Motorzone".

Unsere Leser

Diskutiert wurde im Kommentarbereich unserer Seiten lang und breit - unterm Strich ist aber eine deutliche Mehrheit von 73 Prozent dafür, die "Motorzone" wieder zu genehmigen. 1600 Leser stimmten bis Mittwochmittag bei unserer Umfrage ab.

"Das ist ein öffentlicher Verkehrsraum, das ist öffentliche und aus Steuermitteln bezahlte Infrastruktur - jeder der ausweichen muss, nimmt erhöhte Wegekosten in Kauf, nur um ein paar Hobbyrennfahrern ein Erlebnis der Selbsterhöhung zu gönnen. Wer so was machen will, soll bitte auf eine Rennstrecke gehen", so zum Beispiel der Kritiker "Aufmerksamer Leser". Als Gegenargument kam aber "Dann aber bitte: kein Georgiritt, kein Faschingsumzug, Chiemgau-Triathlon usw. mehr. Alles auf von Steuermitteln bezahlter Infrastruktur." 

Foto von der Motorzone 2017 in Seebruck.

"Einfach mal alles verbieten was Spaß macht. Da ist endlich mal was los in der Gegend und schon muss es wieder platt gemacht werden", verstand Mano_46 die Aufregung nicht. DaWahnsinn argumentierte: "Ich würde wetten, dass auf den gesperrten Straßen an einem 'normalen Tag' wesentlich mehr Verkehr läuft, somit also eher ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz." Mit Blick auf tödliche Unfälle meinte Leser "Bürger" dagegen: "Für mich ist das Anstiftung zum Mord im Straßenverkehr."

Rotes Kreuz

Mit zwei Rettungswagen, einem Fußtrupp entlang der Strecke und einem weiteren Sanitätswachdienst als Ansprechpartner für den Veranstalter war das Rote Kreuz bei der "Motorzone" in Wolkersdorf vertreten - zu wenig, wie das BRK meint. Wegen der hohen Geschwindigkeiten sei diese vom Veranstalter geforderte "Mindestanforderung" nicht ausreichend. Auch ein Notarzt an der Strecke, wie in den Jahren zuvor in Seebruck, sei ratsam.

Neue Bilder von der "Motorzone Seebruck"

Passiert ist Anfang Oktober nichts bzw. fast nichts: "Bis auf einen Motorradsturz, bei dem der Sanitätsdienst nicht tätig werden musste, kam es zu keinem medizinischen Notfall im Veranstaltungsbereich", teilt das Rote Kreuz mit. Kritisch sieht das BRK aber auch, dass die Straße durch Wolkersdorf durch die geparkten Autos so eingeengt wurde, dass sie eigentlich nur noch einspurig befahren werden konnte: "Dies führte zu einem kleinen Verkehrschaos."

Anwohner

Bei der Traunsteiner Polizei sind keine Beschwerden eingegangen - anders dagegen bei der Stadtverwaltung. Eine Anwohnerin aus Erlstätt, die nah an der Strecke wohnt, kündigte jetzt schon Protest an: "Sollte für nächstes Jahr wieder so eine Veranstaltung angekündigt werden, garantiere ich Ihnen eine Unterschriftenaktion." Die Veranstaltung solle lieber vor der Haustür derjenigen stattfinden, die die "Motorzone" genehmigen. 

Ein Fetisch? Schon vor der Veranstaltung gab's Debatten

Weiter schreibt sie: "Ich musste bei wundervollem Wetter meinen Samstag im Haus bei geschlossenen Fenstern verbringen. Vier Stunden ohrenbetäubender Lärm und Auspuffgestank von irgendwelchen testosterongesteuerten Typen. Überall hört man von Umweltschutz, Dieselfahrverbot, wir sollen alle Rad fahren...und da wird mal so eben ein Rennen genehmigt."

Der Traunsteiner Stadtrat

Am Donnerstagnachmittag wird der Traunsteiner Stadtrat entscheiden, ob auch 2019 eine "Motorzone" stattfinden darf. Bisher schaut es eher schon danach aus. Das Thema wurde vom Hauptausschuss vorige Woche vorberaten und lange diskutiert, mit 6:2 Stimmen wurde zugestimmt. Allerdings solle keine Genehmigung für drei Jahre erteilt werden, wie vom Veranstalter gewünscht, sondern erstmal nur für ein Jahr

In 2019 will der Veranstalter die "Motorzone" auf zwei Tage ausweiten: Am ersten Tag Fahrzeugpräsentation am Stadtplatz, am zweiten Tag die Demonstrationsfahrten rund um Wolkersdorf. Auch ein Dutzend heimische Firmen als Sponsoren hat der Veranstalter wohl schon. Geplant wird für Ende September oder Anfang Oktober.

Videos von der Motorzone 2018 in Traunstein

xe

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