Traunsteiner Stadtrat debattiert über zweites Gutachten

Sanierung der Bahnhofs-Tiefgarage für mindestens 2,2 Millionen Euro

Die Tiefgarage unter dem Traunsteiner Bahnhof soll saniert werden.
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Die Tiefgarage unter dem Traunsteiner Bahnhof soll saniert werden.

Traunstein - Keine gegenteilige Meinung hatte der Traunsteiner Stadtrat darüber, dass die Tiefgarage am Traunsteiner Bahnhof sanierungsbedürftig ist, wohl aber gingen die Meinungen in der Stadtratssitzung darüber auseinander, ob vorher ein zweites Gutachten eingeholt werden soll.

Nach eingehender Debatte beschloss der Stadtrat mit 25:6 Stimmen, das Schadensbild in der Tiefgarage durch ein weiteres unabhängiges Fachbüro überprüfen und bewerten zu lassen.

Das Traunsteiner Ingenieurbüro Haumann & Fuchs hatte bereits 2014 eine intensive Schädigung der Stahlbetonzwischendecke durch Chlorid (Streusalzeintrag durch Fahrzeuge im Winter) festgestellt. Daraufhin erfolgte durch das selbe Ingenieurbüro von 2017 bis 2019 eine Berechnung der Standsicherheit. Nach Einschätzung von Haumann & Fuchs kann die Tiefgarage weiter genutzt werden, wenn der Zustand der Stahlbetonzwischendecke mit vierteljährlichen Sichtkontrollen überwacht wird. Mit dieser Vorgehensweise ist die Nutzung für einen Übergangszeitraum von maximal fünf Jahren vertretbar.

Sanierung der Bahnhofs-Tiefgarage in Traunstein für 2,2 Millionen Euro

Die Gesamtkosten für die vollständige Erneuerung der Zwischendecke bezifferte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer „nach vorsichtigen Schätzungen“ auf rund 2,2 Millionen Euro. Die Bauzeit beträgt rund ein Jahr einschließlich der Vor- und Nacharbeiten. Durch die Sanierung erhöht sich die Restnutzungsdauer der Tiefgarage auf ca. 50 Jahre. Vor dem Hintergrund der hohen Gesamtkosten wolle die Stadt für eine fundierte und sachliche Entscheidung ein zweites Gutachten einholen, so der Oberbürgermeister.

Robert Sattler (SPD/Die Linke) war ebenfalls für ein zweites Gutachten. Beim Parkhaus an der Scheibenstraße habe sich die Stadt einige Vorwürfe anhören müssen. Ein anderes Gutachten bringe eventuell neue Gesichtspunkte. Wilfried Schott (Bündnis 90/Die Grünen) stellte dagegen die Frage: „Was bringt es? Welchem sollen wir dann glauben?“ Haumann & Fuchs beschäftige sich schon lange damit. Die Entscheidung diene einen sicherheitstechnischen Zweck, meinte Dr. Hümmer.

Denis Holl (SPD/Die Linke) wollte wissen, wo die Stadt die 2,2 Millionen Euro hernehme und sie mache, wenn sie die Tiefgarage nicht sanieren könne. Man könne die Finanzierung erst aufgrund der kommenden Entwicklung der Finanzen klären, sagte der Oberbürgermeister. Für Ernst Haider (UW) war es wichtig, mit dem zweiten Gutachten Zeit und Sicherheit für die richtige Entscheidung zu gewinnen.

Dritter Bürgermeister Josef Kaiser (UW) stellte fest, man wisse, was man tun müssen. Die Tiefgarage sei nicht einsturzgefährdet. Ein zweites Gutachten sei sinnvoll. Dessen Kosten von 10 000 Euro stünden im Verhältnis zu den Gesamtkosten. „Wir sind nicht im gefährdeten Bereich, der eine Gefahr für Laib und Leben darstellt“, betonte auch das Stadtoberhaupt. Es gehe vielmehr darum auszuloten, welche Optionen man für die Entscheidungsfindung habe.

Dagegen erklärte die Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen), die Stadt brauche die über 200 Parkplätze und müsse daher schleunigst etwas unternehmen. „Wir brauchen kein zweites Gutachten, sondern müssen jetzt die Planung in Angriff nehmen“, so Mörtl-Körner .Stadtrat Karl Schulz (CSU) stellte fest, Traunstein als Hauptbahnhof des Chiemgaus brauche Parkmöglichkeiten, weshalb die Tiefgarage erhalten bleiben müsse. Entscheidend sei, wie man vorgehe.

Bjr

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