Pressemitteilung Kliniken Südostbayern AG

Kleines und komplexes Organ im Mittelpunkt

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In der vollbesetzen Aula des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe nutzen die Besucher des Schilddrüsentages die Möglichkeit ihre zahlreichen Fragen an die anwesenden Chefärzte zu stellen. Im Bild stehend v. l. Dr. Joachim Deuble und Jürgen Diener.

Traunstein - "Das kleine Organ, das ganz prominent zwischen Herz und Hirn lokalisiert ist, hat eine ganz große Bedeutung", betonte Dr. Joachim Deuble vom Schilddrüsenzentrum der Kreisklinik Trostberg auf dem "Schilddrüsentag" im Traunsteiner Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG.

Der Patiententag stand unter dem Motto "Zeit für Ihre Schilddrüse". Diese Zeit hatte sich rund 100 Interessierte genommen. Sie lernten in drei Vorträgen sehr viel Wissenswertes über die lebenswichtige Hormone produzierende, fast alle Körperfunktionen steuernde und nur rund zwanzig Gramm leichte Schilddrüse.

Wer sich vor oder nach der Veranstaltung ein Bild von dem schmetterlingsförmig aufgebauten Organ machen wollte, konnte dies anhand eines zwei Meter hohen Schilddrüsenmodells vor den Toren des Bildungszentrums. Im Vortragssaal sorgten neben Dr. Joachim Deuble, Chefarzt der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Kreisklinik Trostberg, auch Prof. Dr. Thomas Glück, Chefarzt der Inneren Medizin an der Kreisklinik Trostberg, und Jürgen Diener, Chefarzt der konventionellen und diagnostischen Nuklearmedizin am Klinikum Traunstein, für handfeste Informationen. Dass diese benötigt werden, bewies nicht nur der Besucherandrang an diesem Samstagvormittag. "Jeder Dritte hat krankhafte Veränderungen an der Schilddrüse, von denen er bisher gar nichts wusste und jeder Vierte hat Knoten an der Schilddrüse", sagte Prof. Thomas Glück. "Die Schilddrüse braucht Jod", betonte er. Denn dieses sei unabdingbar für die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Diese wiederum sind unter anderem für die Regulierung von Stoffwechselprozessen verantwortlich. Produziere die Schilddrüse zu wenig Hormone, sei der Mensch mit einer Schilddrüsenunterfunktion im "Winterschlaf-Modus", werde kälteempfindlich, träge, schwerer und antriebsloser. Bei einer Überproduktion des Schilddrüsenhormons sei das Gegenteil der Fall. Betroffene seien "übertaktet", unruhig und nervös, emotional verletzlich und könnten unter Atemnot leiden. Eine Unterfunktion könne grundsätzlich gut mit täglich eine halbe Stunde vor dem Frühstück einzunehmenden Schilddrüsenhormonen behandelt werden. Das "Herunterbremsen" einer Überfunktion gelinge auch medikamentös, solle aber gut beobachtet werden.

Ein Jodmangel führe häufig zu einem Struma oder umgangssprachlich: Kropf, einer extremen Vergrößerung der Schilddrüse mit und ohne Knoten, so der Referent. Er und seine Kollegen nahmen den Zuhörern eventuelle Ängste vor einem Knoten. Denn nicht einmal ein Prozent aller Schilddrüsenknoten ist bösartig und von diesen können fast 98 Prozent geheilt werden. Ob ein Knoten als kalt, warm oder heiß bezeichnet werde, zeige sich im Rahmen einer Szintigrafie, erklärte dazu Jürgen Diener. Bei diesem nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren gebe die Aufnahme und Verteilung einer schwach radioaktiven Substanz im Körper des Patienten dem Untersucher Aufschluss über die Jodaufnahme der Schilddrüse. Gebiete mit keiner oder sehr wenig Jod-Aufnahme nennt man "kalt". Solche mit überproportionaler Jod-Aufnahme von Jod werden als "warm" bezeichnet, jene mit sehr starker Speicherung gelten als „heiß“. Die beiden letzteren sind sogenannte autonome Adenome, die zu einer zur Überproduktion von Schilddrüsenhormonen führen. Kalte Knoten hingegen stellen keine Hormone her, nur in seltenen Fällen handelt es sich bei ihnen um Krebs. Zu den Erkrankungen der Schilddrüse gehören, so Prof. Glück, auch die Autoimmunerkrankungen Morbus Basedow oder Hashimoto Thyreoiditis. Während diese nur beobachtet werden müsse, könne im Fall von Basedow in Abhängigkeit von Beschwerden oder Ausprägung auch eine Radiojodtherapie oder ein operativer Eingriff notwendig sein.

In der Diagnostik könne neben einem ausführlichem Gespräch, den bildgebenden Verfahren und der Bestimmung der Laborwerte auch eine Feinnadelpunktion zum Einsatz kommen, erklärte Jürgen Diener. "Sie ist der Goldstandard, weil sie uns eine relativ hohe Sicherheit gibt, dass im Knoten nichts vorhanden ist", so der Nuklearmediziner. Er arbeitet Hand in Hand mit Dr. Joachim Deuble. Erweist sich zum Beispiel eine Gewebeprobe als bösartig, überweist der Nuklearmediziner den Patienten in das Schilddrüsenzentrum Trostberg. In diesen Fällen oder wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend greift oder der Kropf zu Schluck- oder gar Atembeschwerden führt, bietet Dr. Deuble den Patienten moderne, den Stimmbandnerv schonende und die Schilddrüse so weit wie möglich erhaltende Eingriffe an. "Wenn sie unvermeidlich ist, kommt die chirurgische Therapie zum Einsatz", sagte Joachim Deuble. "Diese haben wir individualisiert, heute steht der Patient im Mittelpunkt und nicht mehr seine Schilddrüse", betonte er. Wie komplex die großen Themen rund um das kleine Organ sind, zeigten die zahlreichen interessierten Fragen des Publikums. Eine weitergehende Beratung bietet Dr. Deuble auch dienstags und donnerstags von 14 bis 15.30 Uhr in seiner "Spezialsprechstunde Schilddrüse" an der Kreisklinik Trostberg. Diese ist seit letztem Jahr Mitglied des Deutschen Schilddrüsen-Zentrum.

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