Das erste Glockenläuten im Sparzer Kircherl

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Traunstein - Die ehemalige "Heilig-Geist-Glocke" wurde bei einem offiziellen Glockenfest im Sparzer Kircherl gesegnet und das erste Mal geläutet. Doch bis dahin war es ein harter Weg.

Das Sparzer Kircherl hat wieder eine Glocke. Vor wenigen Wochen wurde von einer Regensburger Fachfirma die fast 300 Jahre alte Glocke der 1959 abgebrochenen Heilig-Geist-Kirche eingebaut. Am Samstagnachmittag, 12. April, wurde die Glocke geweiht und gesegnet.

Circa um 15.20 Uhr konnten sich die rund 80 Besucher dann am Erstläuten der 143 Kilogramm schweren und auf „fis 2“ gestimmten Glocke erfreuen, das Pfarrer Michael Mannhardt von Hand ausführte. Mittelfristig ist geplant, von Sparz aus das 12-Uhr-Läuten einzusetzen, und auch bei Abendandachten soll das Läuten zum Kirchenbesuch einladen.

Der Pfarrer, zugleich erster Vorsitzender der „Freunde der Benediktglocke Traunstein“, die die treibende Kraft hinter der Glockenaktion in Traunstein und jetzt auch in Sparz waren, sagte zur Begrüßung, die Glocke habe 50 Jahre „Ruhestand“ gehabt. Mit dem Einbau, der lange Zeit in der Pfarrei Heilig Kreuz herumgestandenen Glocke sei die letzte, kriegsbedingte Glockenlücke in Traunstein Geschichte. Der künftig in Sparz und weit über Traunstein zu hörende Glockenton sei zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen. Er führte weiter aus, dass die Glocke vermutlich im Jahr 1720 in Salzburg zeitgleich mit der Haslacher Glocke geweiht wurden sei. Deshalb mache er jetzt bei dem Festakt keinen langen Ritus. „Aber wir wollen den Segen Gottes zum ersten Läuten erbitten“ so der Pfarrer.

Glocken als Zeichen Gottes

Glocken würden die Herzen der Menschen ansprechen – und das gerade in einer Zeit, die von Technik und Herzlosigkeit geprägt sei. Glocken seien ein Zeichen Gottes in dieser Welt , ein Friedenszeichen, wie er weiter ausführte. Er lud dazu ein, das Läuten der Glocken – ob in Sankt Oswald oder auch in Sparz – für einen kurzen innerlichen Rückzug zu nutzen und zu Beten. „Glockenläuten ist eine Einladung zum Gebet und zum Gottesdienst“ sagte er.

Anwalt gegen Glockenläuten

Stadtpfarrer Georg Lindl berichtete von einem Schreiben, das ihn persönlich erschüttert habe. Von einem Rechtsanwalt wurde mit Konsequenzen gedroht, wenn in Sankt Oswald am Montagmorgen das Läuten nicht aufhören werde. Man habe den Sachverhalt aber gesetzeskonform von Seiten der Pfarrei in Abstimmung mit der Stadt Traunstein lösen können. Der Stadtpfarrer lobte die „bemerkenswerte Initiative der Freunde der Benediktglocke“ und machte deutlich, dass das kulturelle Erbe, zu dem für ihn auch das Christentum gehöre, „nicht verhandelbar ist“. Und, fügte der Geistliche hinzu: „Dazu gehört auch das Glockenläuten.“ In seinen Dank schloss er auch den Lions Club mit ein, der den angrenzenden Kreuzweg in neuem Glanz erstrahlen lassen will. Das Kircherl in Sparz, so der Stadtpfarrer weiter, wolle man ab Mai an jedem dritten Mittwoch im Monat mit einer Abendmesse beleben. Man habe keinen Strom, aber dann sicher eine schöne Stimmung.

Traunstein eine Kirchenstadt

Oberbürgermeister Manfred Kösterke sagte, Traunstein sei eine Kirchenstadt. Er freue sich, das – egal in welche Richtung man in Traunstein blicke – man immer auf eine Kirche schaue, die miteinander korrespondieren würden. Gerade der ehemalige Standort der Kirche im Stadtteil Heilig Geist, in dem im Siechtum Haus zumeist unheilbar Kranke gepflegt worden seien, sei die Glocke wie eine Stimme in die Stadt hinein, in der man sich der Nächstenliebe und eines guten Miteinanders in der Stadt erinnern solle. Als Kassier des Vereins sprach er allen Spendern seinen Dank für die Zuwendungen aus, die den Einbau der Glocke unter finanziellen Aspekten ermöglichten.

Karl Schulz, Stellvertretender Vorsitzender der „Freunde der Benediktglocke Traunstein“, freute sich über die siebte erfolgreiche Glockenrenovierung in und um Traunstein innerhalb weniger Jahre und dankte der Pfarrei Heilig Kreuz, die die Heilig-Geist-Glocke für Sparz zur Verfügung stellte. Der Stellvertretende Vorsitzende machte deutlich, dass es beim Sparzer Glocken-Projekt schwieriger gewesen sei, Mitbürger zu begeistern. „Das Sparzer Kircherl ist nicht so stark im Bewusstsein der Traunsteiner, wie die Kirchen, denen wir täglich begegnen.“ Dabei, fügte er hinzu, ist Sparz „ein städtisches Kleinod.“ Gleichzeitig hoffe er, dass das Projekt eine Anschubwirkungen und Motivation in Richtung der Kirchenverwaltung Sankt Oswald entfalte, die Gebäudesubstanz zu sanieren. Daneben äußerte er die Hoffnung, dass die Stadt Traunstein für das Kircherl ein Beleuchtungskonzept initiiere. Damit käme das Sparzer Kircherl auch „nebenbei“ zu einer Stromquelle, die für das tägliche 12-Uhr-Läuten gebraucht werde.

Für die richtige Musik im Sparzer Kircherl sorgte die Familie Schillinger mit gekonnt gespielten und passenden herausragenden Kirchenliedern wie „Großer Gott wir loben dich“ oder „Lobe den Herren den mächtigen König“. Auf der Wiese vor dem Kircherl gab es nach dem Auszug einen Ehrensalut der Gebirgsschützenkompanie zu hören.

Vor der Kirche konnten die Besucher aber auch die Bewohner in der näheren Umgebung dann über rund fünf Minuten das Erstläuten der „neuen“ Sparzer Glocke hören. Pfarrer Michael Mannhardt lies es sich nicht nehmen, diesen Dienst auszuführen und fand dabei so viel Freude an dem manuellen Läuten, dass er gar nicht mehr aufhören wollte. „Wenn man sie schon einmal läutet, dann muss es sich auch rentieren“ sagte der Geistliche freudestrahlend und zog mit einem Schwung wieder an dem im Glockenturm herabhängenden Seil.

Ein Großteil der Besucher folgten im Anschluss an die knapp eine Stunde dauernde Weihe der Einladung zum gemütlichen „Ausklang“ in der Zieglerwirtsstube ins Heimathaus.

Glockenfest im Sparzer Kircherl

awi

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