Verhandlung am Amtsgericht Traunstein

Zahnarzt begrapschte Patientin und Angestellte - das Urteil

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Traunstein - Wurden eine Patientin, eine Angestellte und eine Auszubildende Opfer von sexuellen Übergriffen in der Praxis? Ein Zahnarzt aus dem südlichen Landkreis steht deshalb am Mittwoch vor Gericht. 

Update, 13.52 Uhr - Das Urteil

Richterin Sandra Sauer spricht das Urteil: Eine Haftstrafe von elf Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, bekommt der Zahnarzt aus dem südlichen Landkreis Traunstein, weil er eine Patientin, eine Angestellte und eine Auszubildende in insgesamt 28 Fällen an den Brüsten begrapschte. Er ist schuldig des sexuellen Missbrauchs.

"Die Frauen leiden noch heute deutlich darunter, was Sie getan haben", so die Richterin. Der Angeklagte muss außerdem 5.000 Euro an die Diakonie zahlen, sowie 5.000 Euro Schmerzensgeld an die ehemalige Auszubildende. Sie willigte als einzige der drei Opfer der Schmerzensgeldzahlung ein. Das Gericht macht dem Zahnarzt, der seine Praxis weiterhin führt, noch eine Auflage: In den nächsten fünf Jahren darf er bei weiblichen Patientinnen keine Dros-Schienen anlegen.

Update, 12.07 Uhr - Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafe

Welche Strafe bekommt der Zahnarzt aus dem südlichen Landkreis Traunstein, der eine Patientin, eine Angestellte und eine Auszubildende begrapschte? Die Staatsanwältin wertet das Geständnis positiv und fordert eine Bewährungsstrafe von einem Jahr - auch wegen der günstigen Sozialprognose und weil der 58-Jährige nicht vorbestraft ist. Die Bewährungszeit soll vier Jahre betragen.

Die Verteidigung ist ähnlicher Meinung, spricht von einem "ernsthaften Bemühen" des Angeklagten, sich zu entschuldigen. Neun Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung fordert der Anwalt. "Das Verfahren hat mich tief beeindruckt", so die letzten Worte des Zahnarztes. Er hat seine Praxis nach wie vor, doch er habe nach eigenen Angaben die Organisationsabläufe so umgestellt, "dass sowas nicht mehr vorkommen kann".

Update, 11.35 Uhr: "Dafür gibt es keine Entschuldigung"

"Ich habe mich so geschämt und mich damals nur gefragt, was da gerade passiert ist", schildert die damals 27-jährige Patientin ihre Gefühle nach dem Übergriff im Jahr 2014. Auch die Ärztekammer habe sie damals informiert, allerdings ohne Folgen. Angehörige überredeten sie dann zur Anzeige bei der Polizei. Noch heute sei es für die Frau schwierig, an der Praxis vorbeizufahren. Noch vor den Zeugenvernehmungen legte der Arzt ein Geständnis für alle sexuellen Übergriffe ab.

Der Angeklagte will sich bei der früheren Patientin entschuldigen und bietet ein Schmerzensgeld an - doch sie bleibt hart und lehnt beides ab: "Er hat daraus nichts gelernt. Das Geld soll er lieber Missbrauchsopfern spenden." Auch das zweite Opfer, 23 Jahre alt damals und Angestellte in der Zahnarztpraxis, will kein Schmerzensgeld: "Ich will nur, dass er sowas nicht mehr machen kann." Beide Frauen kämpfen bei ihren Zeugenaussagen mit den Tränen.

"Dafür gibt es keine Entschuldigung", erwidert auch die damalige Auszubildende dem Angeklagten, als er ihr gegenüber die Taten bereut. Sie hat zwischenzeitlich einen neuen Ausbildungsplatz gefunden. Das Mädchen und ihre Mutter fordern, dass der Angeklagte nicht mehr ausbilden dürfe - doch Richterin Sauer erwidert: "Wir sind das Strafgericht und nicht die Ärztekammer." Die angebotenen 5.000 Euro Schmerzensgeld nehmen Mutter und Tochter nach einigem Zögern an.

Nun stehen nur noch die Plädoyers und das Urteil aus.

Vorbericht

Angeklagt ist der Zahnarzt aus dem südlichen Landkreis Traunstein wegen insgesamt 28 Fällen des sexuellen Missbrauchs. Die drei Opfer klagten jeweils über Schmerzen oder Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich. Doch dann soll der 58-jährige Arzt die Frauen jeweils im Ausschnitt und die nackten Brüste unter der Unterwäsche berührt haben.

Laut Staatsanwaltschaft verging sich der Zahnarzt 2014 an einer Patientin, 2016 und 2017 20 Mal an einer Zahnarzthelferin und im Jahr 2017 an einer erst 15-jährigen Auszubildenden. Laut Anklage wurde der Mann bei dem Mädchen bereits am ersten Ausbildungstag übergriffig - und dann noch sechs weitere Male. Der Zahnarzt habe jeweils das Beratungs- oder Behandlungsverhältnis ausgenutzt, bei den mutmaßlichen Übergriffen auf die Auszubildende würde es sich sogar um sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen handeln. 

Seit 8.30 Uhr wird am Traunsteiner Amtsgericht verhandelt. Wir berichten aktuell aus dem Gerichtssaal.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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