Kind fast tot geschüttelt? Kolbermoorer in Traunstein vor Gericht

Gutachter: "Die nächste Schädigungsstufe ist der Tod"

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Traunstein/Kolbermoor - Hat ein Vater aus Kolbermoor seinen Sohn beinahe zu Tode geschüttelt? Der Frage geht ab Montag das Landgericht Traunstein nach. mangfall24.de berichtet live aus dem Gericht:

UPDATE, 15 Uhr: 

Dr. med. Stefan Gerl, Facharzt für forensische Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum beurteilt den Angeklagten in seinem Gutachten für voll schuldfähig. Es liegen nach Gerls Gutachten keine Hinweise auf psychische Auffälligkeiten vor, die auf eine verminderte Schuldfähigkeit hindeuten.

Die Hauptverhandlung wurde nun unterbrochen und am Dienstag, den 16. Mai um 9.30 Uhr fortgesetzt. Auch dann berichtet chiemgau24.de wieder aktuell aus dem Gerichtssaal.

UPDATE, 14.09 Uhr: Gutachter zum Gesundheitszustand Kind

Prof. Dr. med. Florian Heinen, Spezialist für Pädiatrische Neurologie für Kinder aus München trägt nun das Gutachten zum aktuellen Gesundheitszustand des Geschädigten vor:

Das Kind sei ihm im Februar diesen Jahres mit schwerstem Schädel-Hirn-Trauma des Schweregrades drei vorgestellt worden. Die Gehirnfunktionen seien massiv beeinträchtigt, das motorische und sensorische System schwerst geschädigt. Übersetzt heiße das, dass das Lebensalter des zweijährigen Jungen dem eines Kindes in den ersten Lebenswochen entspreche. „Der Abstand zur Norm wird im Laufe der Zeit auch immer größer werden“, so Heinen. „Das Kind wird sein gesamtes Leben lang von einer 24-Stunden-Versorgung abhängig sein und habe minimalste Entwicklungschancen“, so die Prognose des Neurospezialisten. „Der Zustand, wie ich ihn beschrieben habe, wird so bleiben. Die nächste Schädigungsstufe, das muss man ganz klar sagen, ist der Tod.“

Laut Gutachter sei das Kind sicher mehrmals geschüttelt worden. Er verglich die Einwirkung auf das Gehirn mit dem Aufprall „mit 60 km/h gegen die Wand.“

UPDATE, 12 Uhr: Aussage der Mutter des Kindes

„Wie geht es ihrem Sohn?“, fragt der Vorsitzende Richter die Mutter des geschädigten Kindes, die nun aussagen muss: „Er kann sich nicht bewegen, nicht sprechen, mittlerweile kann er essen.“ Bis zu dem Vorfall sei er ein ganz normales, gesundes, braves Baby gewesen. „Er war wirklich ein Traumkind.“

Der Vater hätte ihrer Meinung nach ein bisschen fürsorglicher sein sollen, beurteilt die Mutter das Verhalten des Angeklagten Vaters. „Aggressiv war er nicht, ab und zu ungeduldig und unbeholfen, aber nicht aggressiv.“ Ob sie dem Beschuldigten zutrauen würde, dass er so etwas gemacht habe, kann die Mutter nicht beantworten.

Er sei ein eher ruhiger und in sich gekehrter Mensch gewesen, der Konflikten mit mir aus dem Weg gegangen sei. „Bei anderen Menschen war er schon manchmal eher provozierender“, so die Mutter.

Die Verhandlung wird um 13 Uhr weitergeführt.

UPDATE, 11.45 Uhr: Aussage des leitenden Kriminalhauptkommissars

Nun sagt der Kriminalhauptkommissar, der die Ermittlungen leitete, aus: „Der Einsatzgrund für die Rettungskräfte an diesem Tag war ein bewusstloses Kleinkind, das der Vater bewusstlos aufgefunden habe“, beschreibt der Zeuge den Einsatz. Die Ermittlungen haben nach Aussagen des Zeugen ergeben, dass der Angeklagte während der Zeit des Vorfalls alleine mit dem Kind gewesen sei. Einen Tag später wurde vom Klinikum Rosenheim, wo das Kind behandelt wurde, der Verdacht geäußert, dass möglicherweise eine Misshandlung des Säuglings stattgefunden habe.

Zum Vorfall des Schüttelns erklärt der Kriminalhauptkommissar: „In der ersten Vernehmung hat der Angeklagte ein Schütteln an sich nicht eingeräumt. Erst bei der zweiten Aussage gab er an, dass er das Schütteln nicht ausschließen könne, sich jedoch nicht genau erinnern könne.“

Der Staatsanwalt sieht die Angaben des Angeklagten für unstimmig. „Dass jemand ganz gefasst den Notruf wählt und auch lebenserhaltende Maßnahmen einleitet, spricht nicht für jemanden, der in Panik ist.

UPDATE, 10.21 Uhr: Aussage des Angeklagten

Der Angeklagte macht zunächst Angaben zu seiner Person, im Anschluss verliest der Staatsanwalt die Anklageschrift. Demnach soll der 40-jährige Kolbermoorer seinen zum Tatzeitpunkt sechs Monate alten Sohn aus noch unbekannten Gründen geschüttelt haben. Der Säugling habe dadurch ein schweres Schütteltrauma mit schwersten gesundheitlichen Schäden erlitten.

Während der Verlesung der Anklageschrift blickt der Beschuldigte bedrückt zu Boden. Sein Verteidiger Harald Baumgärtl gibt schließlich eine Erklärung des Beschuldigten ab. Demnach soll der Angeklagte den Säugling am Tattag auf die Couch gelegt und auf der Terrasse eine Zigarette geraucht haben. Als er wieder in die Wohnung zurückkehrte, habe er, bedingt durch das Licht roter Vorhänge, angenommen, dass das Kind eine bläuliche Gesichtsfärbung gehabt habe. Daraufhin sei er in Panik verfallen und habe seinen Sohn geschüttelt. Das Kind soll auch schwer geatmet und nicht mehr reagiert haben.

"Mein erster Gedanke war, dass er etwas verschluckt hat"

Der Beschuldigte erzählt nun noch einmal selbst den Hergang: „Ich habe ihn noch am Daumen nuckeln gehört, als ich die Zigarette geraucht habe. Wie ich dann wieder rein bin, habe ich gemerkt, dass er vom Hals bis zu den Backen blau war. Ich habe ihn dann hochgenommen und gemerkt, dass er schlapp war und nicht mehr reagiert hat.“ Das Kind habe laut Angeklagten in gewissen Abständen nach Luft geschnappt. „Mein erster Gedanke war, dass er etwas verschluckt hat. Dann habe ich ihm kräftig auf den Rücken geschlagen.“

Ob er das Kind geschüttelt habe, konnte der Angeklagte anfangs nicht mehr genau sagen. Da er in Panik verfallen war, hält es aber für möglich. Bei der ersten Vernehmung nach dem Vorfall habe der Angeklagte laut dem Vorsitzenden Richter Dr. Jürgen Zenkel bei der Polizei ausgesagt, das Kind auf keinen Fall geschüttelt zu haben. Diese Aussage revidiert der Angeklagte. Er gibt zu, das Kind geschüttelt und dann auch kalt abgeduscht zu haben. Danach habe er eine Herzdruckmassage und Beatmung vorgenommen und währenddessen den Notarzt verständigt.

Notarzt erst nach 15 Minuten alarmiert

Richter Zenkel vermutet, dass der Angeklagte die Reihenfolge etwas durcheinander gebracht habe. Er geht davon aus, dass er das Kind erst geschüttelt habe und dann in dessen Folge die Not beim Kind eingetreten sei. „Ich habe ihn aus der Not heraus geschüttelt. Das war der größte Fehler meines Lebens“, so der Beschuldigte auf diese Vermutung. Die Not des Kindes habe schon vor dem Schütteln bestanden. Ihm sei bewusst, das Schütteln und jede Form von festerem Anpacken bei Babys schlecht sei und sie davon Schaden nehmen können.

Bei der ersten polizeilichen Vernehmung habe er immer schon gesagt, dass er dem Kind fester auf den Rücken geschlagen habe, das Schütteln aber aus der Panik heraus nicht mehr wahrgenommen habe, so der Angeschuldigte auf die Frage des Staatsanwaltes, warum er bei der ersten Vernehmung nicht angegeben habe, dass er geschüttelt habe.

Warum er nicht schon vorher den Notruf abgesetzt hat, was die normale Reaktion gewesen wäre, begründet der Angeklagte damit, dass er einfach nichts machen konnte. "Mein einziger Gedanke war 'ich muss ihn wach kriegen'. Er war wie weggetreten." Es dauerte etwa 15 Minuten bis er den Notarzt alarmierte.

Das Verhältnis zu seinem Sohn sei gut gewesen. Der Angeklagte räumte aber ein, dass er von seiner Freundin ein bisschen genervt gewesen sei, da sie bei seinem Umgang mit dem Kind immer etwas zum Meckern hatte und ihn auf Schritt und Tritt überwacht habe, dass er ja nichts falsch mache. Die Frage des Richters, ob der Beschuldigte womöglich aufgebracht gewesen sei, beantwortete der Angeklagte mit einem klaren nein. Er sei an diesem Tag nicht überfordert gewesen oder habe aus Stress heraus so gehandelt.

Die Sitzung wird nun bis zur ersten Zeugenaussage um elf Uhr unterbrochen.

UPDATE, 9.15 Uhr: 

mangfall24.de berichtet ab 9 Uhr live aus dem Traunsteiner Landgericht.

Vorbericht:

Im August 2015 soll ein Kolbermoorer (40) mit seinem damals sechs Monate alten Sohn alleine in der Wohnung gewesen sein. Laut Ansicht der Staatsanwaltschaft habe der Mann dabei das Kleinkind gepackt und geschüttelt. Das berichtet das OVB.

Die Folge für das Baby: Ein schweres Schütteltrauma. Der Sohn ist seither schwerst behindert und so gut wie blind. Der Bub habe sich nach der Tat sogar in akuter Lebensgefahr befunden.

Schwere Körperverletzung und Misshandlung

Ab Montag muss sich der Angeklagte daher vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Dem 40-Jährigen wird schwere Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Angesetzt sind in Traunstein bis Ende Mai drei weitere Prozesstage.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie auf OVB-online oder in der gedruckten Heimatzeitung!

mangfall24.de wird ab 9 Uhr aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

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