Trotz "Brandbriefen" von Eltern

Schulden: Wird jetzt bei Personal und Kindergärten gespart?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
  • schließen

Traunstein - Sind das die ersten Konsequenzen der hohen Neuverschuldung? Erste Pläne zeigen, wohin die Reise des Sparkurses in der Stadt gehen könnte: Zu Lasten von Personal und Kindergärten. *Mit Voting*

Die Personalkosten der Stadt sollen sinken: Darauf einigte sich der Stadtrat im Februar nach langen Verhandlungen angesichts der hohen Neuverschuldung. Konkret sollen die Personalkosten bis 2021 um fünf Prozent sinken, trotz der tariflichen Erhöhungen. In der Hauptausschusssitzung am Donnerstag zeigte es sich, wie genau das aussehen könnte:

Nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz muss in Kindergärten ein Betreuungsschlüssel von mindestens 1 zu 11 herrschen, empfohlen wird ein Verhältnis von 1 zu 10 - also ein Pädagoge für zehn Kinder. Das Verhältnis in der KiTa am Klosterberg und in Kammer ist aber noch besser: 1 zu 8,5 bzw. 1 zu 9,15 bei Vollauslastung. "Alles was besser ist als 1 zu 10 ist eine freiwillige Leistung der Stadt", so Oberbürgermeister Christian Kegel.

Das könnte konkret drohen

KiTa Klosterberg momentan

KiTa Kammer momentan

Situation bei Schlüssel 1:10

Öffnungszeiten

47,5 Stunden wöchentlich. 

Montag bis Freitag 7 bis 16.30 Uhr.

43,5 Stunden wöchentlich.

Montag bis Freitag 7.15 bis 16 Uhr

etwa 40 Stunden wöchentlich

Schließzeiten

rund 20 Schließtage jährlich

rund 20 Schließtage jährlich

rund 30 Schließtage jährlich

Außerdem weißt die Stadtverwaltung darauf hin, dass bei einer Anpassung des Betreuungsschlüssels auch die Betreuung, im Vergleich zu bisher, leiden könnte: Keine dauerhafte Schlafwache mehr, weniger Ferienbetreuung in der Kammerer Hortkindbetreuung, weniger Elternarbeit und Eingewöhnungsdauer für die Kinder, weniger Pflege wie Wickeln oder Füttern und letztlich auch weniger Lehrstellen in beiden Einrichtungen. 

Bis zu 420.000 Euro weniger Ausgaben jährlich

Wird der Betreuungsschlüssel auf 1 zu 10 angepasst, könnte die Stadt jährlich rund 110.000 Euro sparen, bei einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 11 wären es etwa 420.000 Euro jährlich. Auch eine theoretisch mögliche Erhöhung der Kindergarten-Gebühren wurde in der Hauptausschusssitzung kurz thematisiert. Schon jetzt erhält die Stadt aber immer wieder "Brandbriefe" von unzufriedenen Eltern.

Weder Stadträte noch der Oberbürgermeister zeigten sich recht angetan von den Möglichkeiten, bei den Kindergärten zu sparen: "Wenn wir am Ende des Tages der Meinung sind, wir wollen den derzeitigen Betreuungsschlüssel erhalten, dann tun wir das. Aber der Haushalt wurde schließlich mit klaren Sparaufträgen vom Stadtrat mehrheitlich abgelehnt - und das wären richtige Beträge", so Kegel. 

Weitere Personaleinsparungen bei der Stadtverwaltung?

265,5 Stellen hatte die Stadt Traunstein zum 1. Januar - die kompletten Personalkosten belaufen sich heuer auf gut 13,5 Millionen Euro. Konkret könnte an drei Stellschrauben gedreht werden:

  • Stellen, die schon längere Zeit nicht besetzt sind, könnten ganz wegfallen: Beispielsweise ein Maurer, Kraftfahrer, Kultur-Sachbearbeiter oder ein Straßenreiniger. 
  • Eine Wiederbesetzungssperre bei freiwerdenden Stellen.
  • Weniger Lehrstellen und Angebote beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und Bundesfreiwilligendienst. 

Außerdem könnte die Verwaltungsstruktur bei der Stadt so verändert werden, dass bestimmte Ämter zusammengelegt werden. Ein Beispiel: Forst und Baurecht sind in der Organisationsstruktur eigene Ämter, könnten aber den Bereichen Finanz bzw. Planen/Bauen angeschlossen werden - durch neue Eingruppierungen von Beamten könnten so Personalkosten gespart werden. Oder: Die Stadt hat ein eigenes Rechnungsprüfungsamt mit zwei Vollzeitkräften, wovon eine Stelle eingespart werden könnte. 

Beschlossen wurde im Hauptausschuss am Donnerstag noch nichts, auch der Stadtrat wird in der kommenden Woche noch keine Entscheidung fällen. Doch im Laufe der nächsten Monate wird es soweit sein, dass der Rotstift konkret angesetzt wird: "Die Aufgabe des Stadtrats war immer zu sagen, das leisten wir uns und das nicht", brachte es dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner auf den Punkt.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser