Historisches Schaufenster

Stadtarchiv präsentiert Dokumente des Ersten Weltkrieges

Traunstein - Der Erste Weltkrieg steht im Mittelpunkt des Historischen Schaufensters, das von Stadtarchivar Franz Haselbeck zusammengestellt wurde.

Nach dem Aufruf zur Mobilmachung am 1. August 1914 fand bereits tags darauf eine "Abschiedsfeier für die in das Feld ziehende Traunsteiner Krieger" statt. Patriotische Lieder wurden gesungen, "Hochs auf Kaiser Wilhelm und König Ludwig sowie Kaiser Franz von Österreich durchbrausten den großen Kellergarten". Das Eintreffen der ersten Todesnachrichten ließ die anfängliche Euphorie, in der Provinz ohnehin weitaus weniger ausgeprägt als in den großen Städten, verstummen. Mehr und mehr machte sich blankes Entsetzen breit. 

Die Tumba, eine festlich geschmückte Scheinaufbahrung für gefallene Soldaten, wurde in St. Oswald zur schrecklichen Gewohnheit. Mit einer umfassenden Propaganda versuchten die Regierenden gegenzusteuern. Dazu zählten auch zahllose Postkarten mit monumentalen Schlachtendarstellungen, aber auch solche, die das Soldatenleben verharmlosten.

Fotografien hingegen deuteten die wahren Verhältnisse an der Front zumindest an: "Umseitiges Bild zeigt Ihnen einen Teil unseres Hütteninneren, in welcher wir seit Wochen hausen", so der rückseitige Text eines gezeigten Beispiels.

Not bestimmte spätestens seit 1916 neben der Trauer das Leben der Zivilbevölkerung. Mehr schlecht als recht regelten Lebensmittelmarken den Alltag. Dennoch wurde der Einzelne ständig dazu aufgefordert, Kriegsanleihen zu zeichnen - und so ein sinnloses Völkermorden auch noch mit zu finanzieren.

Am Ende hatte Traunstein etwa 300 "gefallene Helden" zu betrauern, bei einer Einwohnerzahl von gut 8.000. Fast zehn Millionen tote und etwa 20 Millionen (zum Teil schwer) verwundete Soldaten sowie noch einmal geschätzt sieben Millionen zivile Opfer bezahlten weltweit den Preis für eine verantwortungslose Politik von "Schlafwandlern" (so der Titel eines beeindruckenden Buches von Christopher Clark). Die lokalen Ereignisse schildert Gerd Evers in seinem neuen Buch. Jedem an der Heimat- und Zeitgeschichte Interessierten kann es nur empfohlen werden - genauso wie das Historische Schaufenster, das im Untergeschoss des Rathauses zu sehen ist.

Medieninformation Stadt Traunstein

Rubriklistenbild: © Stadtarchiv Traunstein

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