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Nach Corona-Ansteckung in Frankfurter Baptistenkirche

Traunsteins Stadtpfarrer sicher: "Die haben sich nicht an die Auflagen gehalten"

Dekan Georg Lindl ist sich sicher, dass in der Baptistenkirche in Frankfurt keine Hygiene-Vorgaben eingehalten wurden.
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Damit sich in Traunstein nicht das wiederholt, was in einer Baptistenkirche in Frankfurt passiert ist, hält sich Dekan Georg Lindl genau an die Hygiene-Vorschriften.

Traunstein - In der Baptisten-Gemeinde im Frankfurter Stadtteil Rödelheim haben sich 112 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Grund scheint die gemeinsame Feier eines Gottesdienstes zu sein. Besteht die Gefahr bei uns auch? Chiemgau24.de hat bei Stadtpfarrer Georg Lindl nachgefragt.

"Ein Gottesdienst besteht neben der Liturgie aus gemeinsamen Feiern und Singen", erklärt der Traunsteiner Stadtpfarrer Georg Lindl gegenüber chiemgau24.de. "Das wird vor allem in den Freikirchen, wie es die Baptistenkirche ist, sehr ausgiebig praktiziert." Genau da sieht Lindl auch das Problem der hohen Infektionen in der Frankfurter Baptisten-Kirche. "Sie haben sich schlicht und einfach nicht an die Maßnahmen gehalten."


Der Dekan muss in seinen Pfarrgemeinden in Traunstein, Haslach, Kammer und Surberg darauf achten, dass alle Gottesdienstbesucher zwei Meter Abstand halten, wenn sie nicht zu einem Hausstand gehören. "An der Tür werden die Besucher von einem Ordner empfangen, der Name und Adresse notiert. Ein zweiter Ordner bringt die Besucher zu ihrem Platz." Mundschutz ist in den Gottesdiensten ebenfalls Pflicht, nur der Pfarrer selbst muss keinen tragen.

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"Dafür müssen wir nach jedem Gottesdienst alles desinfizieren, angefangen von Türklinken über die Bänke bis hin zu den liturgischen Geräten. Es ist wirklich aufwendig, aber es geht nicht anders", ist sich Lindl sicher. Um seinen Gottesdienst-Besuchern ein möglichst uneingeschränktes Gefühl zu geben, hat sich der Dekan mit seinem Seelsorger-Team dazu entschieden, viele Gottesdienste im Freien abzuhalten. Auch die Erstkommunion soll nach Möglichkeit im Juni im Freien stattfinden.


Corona-Infektion im öffentlichen Raum: "Das Gefährlichste sind Aerosole"

"Dann fällt auch die Mundschutz-Pflicht weg und jeder kann selbst entscheiden, ob er die Maske auflässt", zeigt sich Georg Lindl erleichtert. Er sieht seine Arbeit durch den Mundschutz schon eingeschränkt. "Es geht einfach etwas verloren, wenn die Mimik fehlt. Und singen mit Mundschutz ist nicht möglich." Darum spielt in den Traunsteiner Pfarreien zwar die Orgel, aber mehr als ein Brummen ist von den Besuchern nicht zu hören.

In der Frankfurter Baptistenkirche waren nicht nur zu viel Leute im Gottesdienst, es wurde auch lautstark gesungen. "Wir wissen mittlerweile, dass das Gefährlichste die Aerosole sind, die eben auch beim Singen entstehen", gibt der Stadtpfarrer zu bedenken. "In Frankfurt hat man also alles falsch gemacht, was man falsch machen kann."

Auch wenn es ihm schwerfällt, wird deshalb in seiner Kirche genauestens auf die Einhaltung aller Maßnahmen geachtet. "Ich will auf jeden Fall den Vorwurf vermeiden, die Kirche halte sich nicht an die Vorgaben." So nimmt Lindl auch in Kauf, dass beispielsweise in die große Überseer Pfarrkirche statt 600 nur 56 Personen hinein dürfen. "Die bitteren Pillen müssen wir zur Zeit schlucken."

"Wenn der Herr anwesend ist, kann mir nichts passieren"

Vor allem, da es wieder mehr Gottesdienstbesucher werden. "In Heiligkreuz mussten wir bereits Besucher abweisen", bedauert der Dekan. "Aber ich erlebe die Leute als sehr zuverlässig. Bei uns sind ja auch viele Besucher, die Teil der Risikogruppe sind, die sind sehr zurückhaltend." Froh ist Lindl auch darüber, dass wieder Requiems und Beerdigungen mit bis zu 50 Personen erlaubt sind. "Das ist schon wichtig, wenn man sich verabschieden muss."

Im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen der Frankfurter Baptistenkirche, ist ihm noch ein Gedanke sehr wichtig: "Der Gedanke, 'wenn der Herr anwesend ist, kann mir nix passieren', ist so nicht richtig. Man darf hier Religion und Glaube nicht gegen Wissenschaft und Forschung ausspielen." Georg Lindl ist sich des Infektionsrisikos bewusst und trägt seinen Teil dazu bei, es so weit als möglich zu reduzieren.

"Wenn man dieser Krise etwas Positives abgewinnen will, dann ist es die Tatsache, dass wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Jeder stellt sich die Frage: 'Auf was kommt es jetzt wirklich an'." Für Dekan Georg Lindl ist es sicher, dass es für die Mitarbeiter der Kirche jetzt darauf ankommt, da zu sein, wo sie gebraucht werden. "Wir sind in den Krankenhäusern, den Altenheimen, bei Krankensalbungen, da wo es nicht sichtbar ist." Aber auch da, wo es den Menschen am Meisten hilft.

cz

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