Auch Fridays-for-Future schaltet sich ein

Klimanotstand sei "Hysterie": SPD-Rat warnt vor viel Schlimmerem

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Traunsteins SPD-Stadtrat Robert Sattler.

Traunstein - Kein Klimanotstand in Traunstein - der Stadtrat spricht sich gegen die Ausrufung aus. Auch SPD-Stadtrat Sattler stört sich an dem Begriff und verwies in einer spitzen Rede auf ein ganz anderes Problem. 

Es war abzusehen, dass die Grünen und die Traunsteiner Liste für ihren Antrag, den Klimanotstand in Traunstein auszurufen, keine Mehrheit finden werden. Mit 15:6 Stimmen spricht die Stadtratsmehrheit lieber von einer "Klimakrise", erkennt den Klimaschutz aber auch als "Aufgabe höchster Priorität für Traunstein" an. Jede Planung in der Stadt soll künftig auf ihre Auswirkungen auf den Klimaschutz hin geprüft werden.


Sattler: Vor Pilzen warnen - "Klimanotstand" Panikmache

In der Debatte stach vor allem die Rede von SPD-Stadtrat Robert Sattler heraus: Vom Klimanotstand zu reden sei Hysterie, ein viel schlimmeres Problem lauere ganz wo anders. Wir veröffentlichen seine Rede in wesentlichen Teilen.

"Der Stadtrat ist ein kommunales Verwaltungsorgan und somit für die Stadt Traunstein zuständig und nicht für die Weltrettung. Dass jeder etwas für den globalen Umweltschutz beitragen kann, ist für mich selbstverständlich, wie: Plastikvermeidung, Auto stehen lassen so oft es möglich ist, keine Flugreisen wenn beruflich möglich, keine Kreuzfahrten. Der Umgang mit dem Wort 'Notstand' ist mir zu inflationär


Wenn im Chiemgau der Notstand wegen der Verstrahlung durch Cäsium oder Strontium ausgerufen würde, wäre ich dabei. 33 Jahre nach Tschernobyl ist die Situation der Verstrahlung in unseren Wäldern quasi gleich. Begeistert gehen die Menschen hier wieder zum Schwammerlsuchen. Jedes Jahr sollte man davor warnen, dass zumindest die Kinder Pilze der Region nicht inkorporieren. Tschernobyl sehen viele Fachleute hier als Ursache, dass junge Frauen nach der Entbindung auf der Krebsstation landen. Atomkraft ist für mich das gefährlichste Handeln wider die Natur. 

Als Geograph noch eines: Vor circa 15 Jahren hatte man Angst, dass durch Verlangsamung des Golfstroms die Vergletscherung zunehmen könnte. Messungen zeigten dies damals auf. Jetzt entsteht die Angst vor tropischen oder subtropischen Verhältnissen bei uns. In den letzten 40 Jahren ist es wärmer geworden, richtig. Sollte der Golfstrom aber wirklich ins Stocken geraten, kann es klimatologisch jedoch in eine völlig andere Richtung gehen. 

Kurzum: Wir Menschen wissen es schlicht und ergreifend nicht, was kommt. Hysterie und Panikmache halte ich deshalb für schädlich und unangebracht. Auch wenn immer irgendeine Wahl vor der Türe steht. Ein bisschen mehr Demut vor der mächtigen Natur wäre aus meiner Sicht wünschenswert neben dem persönlichen Engagement. Ich schließe mit Nietzsche: 'Die Moral ist die Wichtigtuerei des Menschen vor der Natur'."

"Fridays for Future" vom Stadtrat "enttäuscht"

Scharfe Kritik kam nach der Stadtratssitzung dagegen von der heimischen Fridays-for-Future-Bewegung. Die Abstimmung habe "enttäuschend" geendet. Auch wesentliche Teile ihrer Pressemitteilung werden wir hier veröffentlichen.

"Wieso fürchtet die kommunale Politik sich ebenso, wie die bundesweite, vor ernsthaften Veränderungen, die unausweichlich und umso stärker sind, je später sie geschehen? 'Wir bringen 800 Menschen auf die Straße und trotzdem passiert nichts, das ist schon sehr enttäuschend', meint Lena Brandl, 16-jährige Schülerin des Chiemgau-Gymnasiums. 'Sie schauen zu, versichern, wie sehr sie uns unterstützen, aber schlussendlich sind es nur Floskeln', fügt ihre Mitschülerin Linda Bergmann hinzu. 

Dabei könnte man meinen, dass auch ein paar Politiker aufwachen, wenn ganze vier Prozent der Traunsteiner Einwohner an einem Freitagvormittag streiken, um auf das Handelsdefizit hinzuweisen. Gerade bei Parteien, die sich christlich nennen und Werterhaltung auf die Fahnen schreiben, ist es überaus verwunderlich, dass die Erde nicht zu den Werten gehört, die als wichtig für eine zukünftige Welt angesehen werden. Dabei sollte doch die Erhaltung des Lebens an sich höchste Priorität sein, selbst wenn man nicht auf Millionen Demonstranten weltweit hören möchte.

Auch die, die so gerne auf den Schutz der Wirtschaft pochen, könnten sich vielleicht einmal die Frage stellen, ob sie lieber die wesentlich geringeren Kosten jetzt tragen, wo wir die Möglichkeit der Entwicklung von Technologien und eine Minimierung der Problematik auf das Ertragbare haben, oder später, wenn riesige Kosten für eine Eindämmung der Folgen aufgewendet werden müssen und gleichzeitig in das Verhindern der dadurch aufkommenden sozialen Unsicherheiten."

xe

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