Grüne erhoffen sich mehr Flair und Hilfe für Läden

Versuch: Innenstadt im Sommer teils ohne Autos? Stadtrat hat entschieden

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Der Grünen-Antrag, Teile der Traunsteiner Innenstadt großteils außerhalb der Geschäftszeiten, autofrei zu machen, wurde vom Stadtrat abgelehnt. 

Traunstein - Ab Samstagmittag sollten Teile des Stadtplatzes und der Taubenmarkt autofrei sein, genauso abends unter der Woche - zumindest diesen Sommer. Obwohl die Grünen ihren Antrag abmilderten fand er keine Mehrheit.

"Wir wollen dadurch die Aufenthaltsqualität erhöhen und mehr Platz für die Gastronomie und die Läden auf der Straße schaffen", fasste Grünen-Stadtrat Patrick Nepper die Ziele des Antrags knapp zusammen. Unter der Woche ab 18 Uhr, am Samstag ab 12 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ganztags sollten Taubenmarkt, westlicher Stadtplatz und Schaumburger Straße autofrei werden - nur heuer bis 7. September. Eine Mehrheit fanden die Grünen im Traunsteiner Stadtrat damit nicht: Mit 18:13 Stimmen wurde der Antrag am Donnerstag, 2. Juli, abgelehnt. 


Nach Gegenwind von Ladeninhabern schwächten Grüne Antrag ab

Ursprünglich wollten die Grünen in den Bereichen auch am Samstagvormittag schon keine Autos zulassen - ausgenommen Anwohner oder Sonderberechtigte. "Wir haben von der Werbegemeinschaft aber viel negative Rückmeldung bekommen, darum haben wir den Samstagvormittag aus dem Antrag wieder herausgenommen", so Nepper. Er und seine Fraktionskollegen stellten die Idee vor zwei Wochen der Werbegemeinschaft vor. Sie stießen bei den Geschäftsleuten auf breite Ablehnung. Ausgerechnet in diesen unsicheren Zeiten dürften keine Existenzen aufs Spiel gesetzt werden.  

Etwa der rotmarkierte Bereich wäre vom Grünen-Antrag betroffen. 25 Parkplätze würden in den genannten Zeiträumen wegfallen. 

"Dieser Antrag hat zu großer Verunsicherung geführt, gerade bei den Wirten", so Oberbürgermeister Christian Hümmer. Die schönste Stadt bringe nichts, wenn sie nicht erreichbar sei. "Und die Verkehrsflüsse am Stadtplatz zu ändern gleicht einer Operation am offenen Herzen, das hätte viele weitere Auswirkungen", sprach sich auch Hümmer dagegen aus. "Völlig realitätsfremd", meinte Stadtrat Ernst Haider (UW) und Karl Schulz (CSU) machte deutlich: "Ich werde nie zustimmen, wenn die Mobilität in der Stadt eingeschränkt werden soll. Die Ampel für die Innenstadt muss 24 Stunden auf grün bleiben."

Win-win-Situation für Fußgänger und Geschäfte?

CSU und UW stimmten geschlossen gegen den Antrag, auch Denis Holl (Linke) und Robert Sattler (SPD) waren dagegen. "Was hilft's, wenn der Stadtplatz zu ist, aber da eh nichts los ist?", fragte Holl. Wenn dann müsse man sich grundsätzlich überlegen, wie die Aufenthaltsdauer der Besucher gesteigert werden könnte. Für Nils Bödeker (SPD) geht der Grünen-Antrag in die richtige Richtung. Er schlug aber einen runden Tisch vor, um den Verkehr in Traunstein grundsätzlich zu verringern. Gewerbetreibende, Anwohner, Seniorenbeirat oder auch die Schulen sollten mit eingebunden werden. 

"Fußgängerzonen bedeuten eine enorme Qualitätssteigerung auch für die Geschäfte. Das wäre eine Win-win-Situation", meinte Simon Steiner (Traunsteiner Liste) und Burgi Mörtl-Körner (Grüne) appellierte an den Mut des Stadtrates: "Wir sollten es bis Anfang September einfach mal probieren. In dieser Zeit wird kein Geschäft kaputtgehen." Dem Argument, dass zwei Drittel der Kunden in Traunstein aus dem Umland kommen, hielt sie entgegen: "Diese zwei Drittel können doch auch jetzt schon nicht alle auf dem Stadtplatz parken." 

xe

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