"G’spaßiges, Merkwürdiges und Unerhörtes"

Kabarettist Roland Hefter begeistert bei Starkbierfest in Traunstein

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Der Münchner Kabarettist Roland Hefter sorgte musikalisch für Stimmung.

Traunstein - „G’spaßiges, Merkwürdiges und Unerhörtes“ – unter diesem Motto stand am Samstagabend das Traunsteiner Starkbierfest im historischen Saal des Hofbräuhaus Traunstein, das in diesem Jahr zum zehnten Mal ausgerichtet wurde und sich auch in diesem Jahr wieder großer Beliebtheit erfreute.

Entsprechend groß war auch in diesem Jahr wieder die Nachfrage und Resonanz auf die schon im Vorfeld schnell ausverkaufte Veranstaltung. Und ohne Karte ging nichts, dafür sorgten schon die Traunsteiner Landsknechte, die wie gewohnt in historischer Tradition den Eingang zum Saal bewachten.

Zwist mit dem Deutschen Werberat

Zu Beginn des Bühnenprogrammes blickte Bräu Maximilian Sailer zurück auf die vergangenen Jahre und holte gleich zum politischen Rundumschlag aus: Faschings-Regierungen hätten am Aschermittwoch ausgedient. „Man hat allerdings den Eindruck, dass die Faschings-Regierungen ganzjährig das Zepter in der Hand halten, ‚Merkelwürdig und Söderbar‘ was da so alles passiert“ so Sailer. Dann bekam der Deutsche Werberat in Berlin sein Fett weg. „Sie greifen uns schon wieder an, die scheinheiligen Moralisten“ schimpfte Hofbräuhaus-Geschäftsführer Josef Schumacher. Den Grund für die Auseinandersetzung lieferte man anschaulich auf der Bühne: Geht es in dem Zwist doch aktuell um ein Weißbier-Bierfuizl des Hofbräuhauses mit dem Slogan „Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden!“ Der Werberat in Berlin monierte das Bild auf dem der junge Bräu Maximilian Sailer und seine Gattin Birgit mit einem Weißbier in der Hand zu sehen sind. Die Abbildung suggeriere, der Konsum von Alkohol könne zu einem leichtern, unbeschwerten Lebensgefühl beitragen. Da kamen dann das „Neger-Plakat“ aus dem Jahr 1997, das „Busen-Bierfuizl aus dem Jahr 2001 ebenfalls auf das Tablett, beziehungsweise wurden vom Werberat ja in den vergangenen Jahren an den Pranger gestellt. Bernhard Sailer verlangte ironisch, dass der Werberat auch den rund 20 Jahre alten Slogan „Oane geht no“ von ihm ausgrabe. „Ansonsten gibt es den Bayerischen Bier-Dschihad in Traunstein!“.

Natürlich durfte auch das Anzapfen des Fastenbocks auf der Bühne nicht fehlen: Oberbürgermeister Christian Kegel konnte nach zwei Schlägen routiniert verkünden: „Ozapft is!“ und reichte der Bayerischen Bierkönigin Johanna Seiler aus dem Nördlinger Ries die erste frisch gezapfte Maß. Dem Ozapfen folgte wie gewohnt das Singen der Bayernhymne. Bei einzelnen textlichen Defiziten halfen die bereitgelegten Textblätter.

Der Funke sprang bei Roland Hefter über

Anders als in den vergangenen Jahren, als das Nuts mit ihren Stücken die Lachnerven zu strapazieren wusste, hatte man zur Jubiläumsveranstaltung den Münchner Kabarettisten Roland Hefter eingeladen, der kurz vor der letztjährigen Landtagswahl mit dem Anti-AfD-Song „Mia ned“ einen Millionenhit in den sozialen Netzwerken landete. „Petrus“ Schwenkmeier beschrieb ihn als „echt wie ein ungefiltertes Starkbier.“ 

Der Kabarettist und Liedermacher sang vier Lieder und schaffte es mit humorvollen Texten und spontan wirkenden Ansagen und Witzen die Anwesenden zum Lachen zu bringen. Schon beim ersten Lied „Des wird schon no“ sprang der Funke über, der sich zum Schluss bei „I dad’s machen“ noch steigerte und in einen langanhaltenden Applaus mündete.

„Petrus“ machte in der Überleitung zur Fastenpredigt deutlich, warum es die Starkbierfeste landauf, landab brauche: Gäbe es doch 100 Jahre politischen Aschermittwoch, bei der sich „die Herren und Damen aus der Politik selber darstellen.“ Deshalb brauche es die Starkbierfeste: „Da lästern gescheite Nicht-Politiker über eben deren Politik.“ Man habe mit Albert Rosenegger das Traunsteiner Aushängeschild, der den Anwesenden die Leviten lese. 

Starkbierfest im historischen Saal des Hofbräuhaus Traunstein

Der machte beim rund halbstündigen Derblecken und dem „Granteln und Murren um Gegenwärtiges und dem Schwarzsehen um Zukünftiges deutlich, dass der Bayer seine Politiker liebe. So sehr, dass er sie am Liebesten „fressen“ oder mit einem örtlichen Betäubungsmittel „obeschwoabn“ würde.

Vor dem Hintergrund eines grassierenden weltpolitischen Dilettantismus sei er sich sicher, dass hinter allem eine göttliche und keine politische Macht dahinterstehe. „Unser Planet würde sich garantiert ned drahn, wenn diese Psychopaten darauf Einfluss nehmen könnten.“ Exemplarisch nannte er das Treffen der beiden „Weltfriedensexperten Trump und Kim.“ Aber auch in Europa gehe es drunter und drüber. Bei der CSU mache er einen Selbstheilungsprozess aus, den man in Seeon bei der letzten Klausurtagung zelebriert habe. 

Vom Artensterben ging es über die Milchbauern, die in der Kirche heimlich ihr „Sankt Monsanto, bitt‘ für uns“ beten über den Kauf von regionalen Bioprodukten. Die beiden Landtagsabgeordneten Gisela Sengl (Grüne) und Klaus Steiner (CSU) könnten die Produkte dazu liefern. Der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber attestierte er „seit Renate Künast keine so schöne Landwirtschaftsministerin gehabt zu haben.“ Außerdem tue sie etwas für die „Damenquote“ im Bayerischen Parlament.

Klosterkirche: „Urbane Finanzversitzgrube“

Von der Schneekatastrophe und dem Tipp Landrat Siegfried Walch solle einmal etwas anderes anziehen wie seinen „mausgrauen Trachtenjanker“ über das Helferfest, von dem die Feuerwehrler so schwärmen würden, dass sie sich wieder kräftigen Schneefall wünschen würden, ging es dann zum Thema Klosterkirche, der „urbanen Versitzgrube.“ Dem Traunsteiner Bürger im Allgemeinen attestierte er, „das kulturelle Interesse ist dessen angeborener Schwachpunkt.“ 

Nur die Neigung zur „Kanapee-Kultur“ sei sehr ausgeprägt. Unter dem Stichwort „künstliche Intelligenz“ attestierte er dem Traunsteiner Oberbürgermeister Kegel eine „natürliche Intelligenz, deren Quotient für Traunstein locker ausreicht“. 

Weit ging es zu dem CSU-Ortsvorsitzenden Dr. Christian Hümmer, dessen „ständig messerwetzender Verfolgungsmann“ und einen Schwenk zur gemeinsamen Kandidatenaufstellung der CSU und den Unabhängigen Wählern bei der nächsten Kommunalwahl in Traunstein. Süffisant hinterfragte er, warum man nicht auf den Kandidaten komme um dann gleich anzufügen: 

„Das macht Sinn. Man soll ja einen Kandidaten nicht schon vorher zerreden, sondern warten bis er es selber tut.“ Weitere Themen – humorvoll und manchmal spitz verpackt – waren die Wohnungsnot in Traunstein und die Uhr am Kirchturm der Stadtkirche, deren Stand mit der Zeigerstellung Fünf nach Zwölf für so manche den gegenwärtigen Zustand der Stadt zeigen würden.

Orden für das Nuts

Zum Abschluss des Bühnenprogrammes stand noch die traditionelle Ordensverleihung an. Der von der Familie Sailer ins Leben gerufene Orden „Für nix und wieder nix“ wurde zum zehnten Mal verliehen. Er solle nicht demütigen sondern aufmuntern. Und so bekam ihn in diesem Jahr „kein Politiker, kein Wadlbeißer und kein Funktionär“ wie „Petrus“ Willi Schwenkmeier ausführte. Neun Jahre lang habe die Nuts-Truppe mitgespielt, kein Singspiel, „weil singa ko von uns koana, sondern als eine Art Traunsteiner Straßen-Kabarett.“ 

Den Orden „Für nix und wieder nix!“ verlieh Bräu Maximilian Sailer (links) in diesem Jahr an das Nuts. Von links: Franz-Josef Fuchs, Willi Schwenkmeier und Christa Fuchs.

Auf die Frage, was es gebracht habe, lieferte er gleich selbst die Antwort: „Nix, denn geändert hat sich nix!“. Bräu Sailer verlieh den Orden an die Nuts-Verantwortlichen Christa und Franz-Josef Fuchs und Schwenkmeier und fügte hinzu: „Ohne euch würde es das Starkbierfest nicht geben.“

Nach den rund zwei Stunden Bühnenprogramm, das musikalisch von der Traunsteiner Stadtmusik begleitet wurde, war noch lange nicht Schluss. Gemütlich und gesellig ging es zu an den Tischen, an denen so mancher dem „Maximilian sei stark“ zusprach, der mit 19,2 Prozent Stammwürze und stattlichen 7,8 Prozent Alkohol die flüssige Antwort auf das Programm und eine deftige Brotzeit war.

awi

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