Das Hofbräuhaus machte es einfach digital

Sauber „derbleckt“: So traf es die Politiker am Traunsteiner Starkbierfest

starkbierfest traunstein 2021
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Die Fastenpredigt hielt wieder Albert Rosenegger.

Auf keinen Fall auslassen wollte das Hofbräuhaus Traunstein in Pandemiezeiten sein traditionelles „Traunsteiner Starkbierfest“. Deshalb wurde das 12. Starkbierfest am Samstag auf der Homepage der Brauerei und in einigen sozialen Medien digital ausgestrahlt.

Traunstein – Höhepunkt war wiederum die deftige Fastenpredigt von Albert Rosenegger. Mit Unterstützung seiner Frau Birgit zapfte Bräu Maximilian Sailer ein Fass Starkbier an. Wer dabei nicht nur digital „mitschlecken“ wollte, der konnte sich vor dem Bildschirm daheim ja ein Flascherl dunklen Fastenbock des Hofbräuhauses mit dem bezeichnenden Namen „Maximilian sei stark“ aufmachen. Er hat 19,2 Prozent Stammwürze oder 7,8 Prozent Alkohol. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten die „Hallgrafen Musikanten“.

Starkbierfest Traunstein 2021

Bräu Maximilian Sailer wies in seiner Begrüßung auf den Vorteil des digitalen Starkbierfestes hin, denn so konnte er viel mehr als die üblichen 200 Gäste im historischen Hofbräuhaussaal begrüßen. Praktisch das ganze Universum, wie er meinte. Das Publikum könne sich auf das Hofbräuhaus Traunstein verlassen, wenn es um Tradition, Geschichte, Gaudi und Legenden gehe, versicherte Sailer.

So berichtete er, dass Papst Gregor 590 die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern eingeführt habe. Mit nur einer Mahlzeit am Tag. Unter Papst Julius wurde das Fastengebot im 16. Jahrhundert gelockert und nurmehr der Fleischverzicht angeordnet. Weil Fisch erlaubt war setzten die erfinderischen Mönche alle Wassertiere, die schwimmen konnten wie Enten oder Biber, den Fischen gleich. Das schwäbische Maultasche wurde als „Herrgott‘s B‘scheißerle“ erfunden, indem das kleingehackte Fleisch in einem Teigmantel versteckt wurde.

Besonders beim Trinken seien die Mönche einfallsreich gewesen, denn Flüssiges bricht das Fasten nicht. Die Legende erzählt, dass sie ein Fassl Bier als Kostprobe über die Alpen zum Papst geschickt haben. Als es in Rom durchgeschüttelt und schön warm ankam, war es natürlich sauer und verdorben. Der Papst fand daher, dass dieses ungenießbare Getränk gerade recht war für die Fastenzeit, und erlaubte fünf Maß täglich.

Heute schlichen die Lockdowns und Shutdowns um uns herum wie die Wolpertinger, so der Bräu. Dafür gehe aber die Greta nicht mehr um und Klopapier sei wieder ausreichend vorhanden. „Uns hoit koa Corona-Diktatur auf“, betonte er. „I konns nämlich nimma hören, die Merkelwürdige aus Berlin oder den „frängischen“ Söderbaren, auch nicht den Kurzsichtigen aus Wien. “Nun sei der Fasching vorbei, aber wir seien alle noch maskiert und die Narren regierten. Letzte Woche habe er wirklich kurz Corona-Panik gehabt: Er habe einen Schluck Bier genommen und absolut nichts geschmeckt. Doch dann sei die Entwarnung gekommen. Es sei ein Warsteiner gewesen.

Jetzt hätte er alle bald zur traditionellen digitalen Starkbierrede begrüßt, sagte Albert Rosenegger, aber traditionell sei heuer gar nichts und sollte es auch nicht werden. Im Grunde sei das Starkbierfest eigentlich nichts Anderes, als das von verschiedenen Stadtratsmitgliedern propagierte digitale Bürgerforum, wo dann jeder querdenkende Bürger online rumstänkern könne. Somit sei er jetzt so ziemlich auf der Höhe der geistigen Errungenschaften des städtischen Rats. „Ein erhebendes Gefühl“, so Rosenegger. „Ich bin kein Querdenker, des muaß i glei vorausschicka. Ich denke länglich, oftmals horizontal, allerdings mit relativ geringem Horizont.“

Corona mache er aber heute nicht zu seinem Hauptthema, weil man eh fast schon nichts anderes mehr höre, aber ganz drumherum komme er trotzdem nicht. Die Chinesen seien schon Hund‘ und würden ihr Geschäft verstehen. „Zerscht schickans uns de Corona und dann verkaffans uns de Masken.“ Und wenn beim Tragen Selbiger die Brille anläuft, auch noch die Brillenglastücher.

Aber man müsse vieles an diesen Masken positiv sehen, denn manch Einem oder Einer verschafften sie nebenbei zu einem attraktiven Aussehen. „Weil ohne Nacklnosen schaut da Onkel Sepp auf amoi ganz liab aus und de sonst vorstehatn Oachkatzlzähn von da Tante Frieda hoitn si jetzt auf amoi ganz dezent zruck.“ Das obligatorische Ja-Wort beim Heiraten falle etwas gedämpfter aus. „Macht ja nix. Statistisch gseng werd sowieso dann jede dritte Ehe wieder gschieden. Do is dann eh gscheida, wann der Meineid etwas verhaltener artikuliert werd.“

Große Hoffnungen setze man auf die Impfung, sofern Impfstoff vorhanden sei. Man sei jetzt dahinter gekommen, dass man aus einer Flasche mit dem Inhalt für fünf Spritzen auch sechs oder sieben herausbringe. Darauf gekommen sei ein ehemaliger Schankkellner vom Oktoberfest, der es in seiner Glanzzeit verstanden habe, aus einem Hundert-Liter-Hirschen 120 bis 130 Liter zu zapfen. So alte Techniken seien bei diesem Engpässen sehr hilfreich, so Rosenegger.

Unter den ganzen Bieren des Hofbräuhauses sei für die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl von den Grünen eigentlich kein akzeptables Bier darunter, weil versäumt worden sei, dass man italienisches Bio-Braugetreide importiert. „Müaßns heit a Kracherl tringa oder a Wasser oder sonst wos Gehaltloses. Aber a bissl a Buaß schodt Eahna ned.“

Sicher war sich Rosenegger, dass der Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Ramsauer wieder für die CSU kandidiert. „Warum i ma so sicher bin? Jamei, Erfahrungswerte. Gsagt hot er‘s a ned, dassa aufhört. Und wenn er ned vo selber aufhört, werd a oiwei wieder gwählt.“ Durchgesickert sei, dass er dann ein neues Amt anstreben wolle: Seniorenbeauftragter für in die Jahre gekommene Abgeordnete. Man treffe sich dann in der Bundestagsmensa zum Memory spielen. Jetzt hätten schon ein paar Schlaumeier gemeint, er täte sich aus der Politik zurück ziehen. Aber was täte er daheim in Traunwalchen? Wirtschaftspolitische Trübsal blasen und zweimal in der Woche mit seiner Susanne in der Traunpassage Einkaufswagerl schieben?

Auch Dr. Bärbel Kofler wolle wieder für die SPD in den Bundestag einziehen und die von ihrer Partei so ausdrücklich geforderte Frauenquote mit entsprechender Intelligenz versehen. Das werde wieder ein mühsames Geschäft, weil die SPD in Bayern gar nichts so recht vom Fleck komme. Sie habe sich schon das letzte Mal sozusagen von dem Brosamen ernährt, der vom Tisch des reichen Prassers Ramsauer zu Boden gefallen sei.

Den CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Steiner forderte er auf, sich wieder mehr aktiv in die Politik einzuschalten und als gestandener Altbaier der Übermacht von Schwaben und Franken die Stirn zu bieten. Ansonsten müsse er sich langsam als schützenswertes exotisches Exemplar vorkommen, das man auf der roten Liste wiederfinde. „In Eahnam Foi dann doch wieder auf der schwarzen“, berichtete er sich. Er könnte die schwäbisch-fränkische Vorherrschaft etwas in die Schranken weisen, indem er sage, er komme soeben aus Übersee mit der Absicht angereist, die transatlantische Freundschaft zu stärken. „Des waar ned glong und kimmt derzeit am Besten o.“

Landrat Siegfried Walch fragte er, ob er eigentlich schon ein Amtsjahr ohne Katastrophe gehabt habe? Wobei er nicht solche meine, die er verursacht habe, sondern allgemein emporsteigendes Unheil. Unter den Rettungsorganisationen werde er schon als „Katastrophen-Sigi“ bezeichnet. Eine solch liebevolle Anrede müsse man sich erst erarbeiten.

Das Landratsamt gleiche einer Batteriehennenhaltung. Auf allen Etagen brüte man und lege Eier und freue sich, wenn etwas ausschlüpfe. Eine Bäuerin habe am Regionaltag zum einem Landfunkjournalisten gesagt, mit der Brutalität meiner Hennen sei sie zufrieden, die Legalität könnte besser sein. „Do kannt man ja glei moana, sie hätt an Landkreis selber gmoant. Aber natürlich ned, denn der is nämlich grod dabei, ein Dinosaurierei auszubrüten. Den Campus Chiemgau. Oder ein anderes soeben gelegtes Dino-Ei, dass Walch zur Chefsache erkläre: Die Bewerbung zum Weltkulturerbe „Salz“.

Überzeugt sei er von der bisherigen Stadtpolitik von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. Eine unabhängige Jury, die die Leistungen von Amtsträgern beurteilte, habe ihn nach der populären Essensgutschein-Aktion bereits knapp unter der maximalen Obergrenze von 100 Punkten eingeordnet. „Bedingt durch die unglücklich eingefädelte Kreuz-Aktion am Traunstein und vor allem durch die Mega-Schnapsidee, ein Riesenrad Wiener oder Londoner Ausmaßes am Salinenpark installieren zu lassen, wurden Ihnen wieder 80 Punkte abgezogen“, so Rosenegger. Aber seine Ankündigungen zufolge, die einen Aufbruch zu einer großen Wende in der Stadtpolitik prognostizieren, würden ihn bald wieder nach oben katapultieren.

Weiter bedauerte der Fastenprediger, dass Stadtpfarrer Georg Lindl nach Gauting geht. „Dös is a Nest zwischen Minga und Starnberg. Seinerzeit is dort da Kaiser Karl da Große in ara oreidigen Mühl auf d‘Welt kemma. Und der is uns Boarn grod no obganga.“ Was ihn dort hinziehe, sei unbekannt. Die Geschmäcker seien halt verschieden. Ihm werde aber schon bekannt sein, dass er dort von seinen beleibten Bergen noch weiter entfernt sei.

Weil beim „Traunsteiner Starkbierfest“ Traditionen gepflegt werden, verliehen Rosenegger und Bräu Sailer wie alle Jahre am Schluss den Orden „Für nix und wieder nix“ an eine schillernde Persönlichkeit. Der Orden ging in Abwesenheit „digital“ an Merkels „Riesenbaby“ Peter Altmaier. Viellmeher nimmt ihn der Ramsauer Peter mit nach Berlin. „Im Bazooka-Heldenkostüm is er aufgelaufen, aber bis jetzt hats nur dafür gereicht, dass er uns und unseren Wirten mit der Wasserpistole ins Gesicht gespritzt hat“, so die Begründung von Bräu Sailer. Was für ein Glück habe er doch, dass in Merkels Gruselkabinett nur die Unfähigen das ewige Leben hätten.

Bjr

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