Streit um Abriss von Parkhaus in Scheibenstraße

Kegel kontert "Jury": "Augenscheinlich ist nicht angemessen"

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Rund 180 Stellplätze gab es im Parkhaus an der Scheibenstraße in Traunstein. Sie waren allesamt für Anwohner der Unteren Stadt reserviert.

Traunstein - Ist das Parkhaus in der Scheibenstraße, das demnächst abgerissen werden soll, in einem besseren Zustand als angenommen? Das behauptet jetzt zumindest eine "Fachjury", was Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) mächtig sauer macht.

Das Stadtoberhaupt sah sich sogar genötigt, eine öffentliche Stellungnahme herauszugeben, nachdem das Traunsteiner Tagblatt am Montag über den Fall berichtet hatte. In dem Bericht wird unter anderem behauptet, dass im Zuge einer eigenmächtigen Begehung des Parkhauses nach "angemessener Beurteilung durch fachkundige Bauleute" festgestellt worden sei, dass das Parkhaus "in einem besseren Zustand sei, als gemeinhin immer angegeben werde". Bereits im September hatte die Stadt Traunstein beschlossen, dass das Parkhaus ab März 2020 abgerissen wird. Sogar der genaue Abbruchplan steht schon fest. chiemgau24.de hatte bereits darüber berichtet.


Das sagt der Oberbürgermeister

Oberbürgermeister Kegel stellte in diesem Zusammenhang klar: "Es ist zu beachten, dass lediglich eine augenscheinliche Beurteilung im Zuge einer Begehung keine angemessene Beurteilung darstellt. Bei den Gebäudeschäden im Parkhaus handelt es sich in erster Linie um sehr hohe Chloridbelastungen an nahezu allen Parkebenen. Die Chlorid-Belastung ist durch Eintrag von Tausalzen aus dem Winterdienst bedingt und führt durch chemische Reaktionen zu einer Zerstörung der Stahlbewehrung des Betons. Bei zusätzlicher Schädigung des Betons, wie im vorliegenden Fall dokumentiert, geht die Zerstörung mit zehnfacher Geschwindigkeit vor sich."

Da diese Prozesse weitestgehend im Inneren der Bauteile ablaufen würden, könne die Intensität und Eindringtiefe der Chloridbelastung nicht durch augenscheinliche Betrachtung von außen, sondern nur durch Bohrkernentnahmen und Laboranalysen zuverlässig untersucht werden, hieß es in der Pressemitteilung der Stadt Traunstein weiter. Entsprechende umfangreiche Untersuchungen von zwei unabhängigen Fachbüros würden der Stadt vorliegen. 


Jegliche Sanierung ausgeschlossen

Zudem verwies Kegel ausdrücklich auf den einstimmigen Stadtratsbeschluss, in welchem jegliche Sanierung ausgeschlossen wird. "Dort wurde weiter festgehalten, dass das Parkhaus nur noch solange betrieben werden soll, so lange die Standsicherheit attestiert wird", so das Stadtoberhaupt.

Auch die "Experten" attackierte Kegel: "Ganz unabhängig davon stellt sich weiter die Frage, mit welchem Recht diese selbsternannte "Fachjury" in ein abgesperrtes Gebäude der Stadt eingedrungen ist. Dass man sich hinterher bei der Polizei selbst anzeigt, heilt dieses Verhalten nicht wirklich. Hier geht es im Übrigen nicht zuletzt darum, dass Gefährdungen in einem Gebäude, dem die entsprechende Standsicherheit nicht zugestanden wird, für diese "Besucher" auftreten könnten. Diese gilt es, auch im Sinne von möglichen Nachahmern, auszuschließen. Daher ist diese Gebäude auch entsprechend abgesperrt worden."

mw/Stadt Traunstein

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