Mit Deutschlands erstem Gebäude ganz aus Lehm

Studienseminar wird völlig überplant: So soll alles aussehen

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Wolfgang Dinglreiter, Leiter des Studienseminars St. Michael, künftig "Campus St. Michael", bei der Präsentation der Pläne am Montagvormittag. 

Traunstein - Über 45 Millionen Euro investiert die Erzdiözese München und Freising ins Studienseminar auf der Wartberghöhe - bis Ende 2023 soll es zum "Campus St. Michael" ausgebaut werden. 

Die ersten Arbeiten haben bereits begonnen, doch bald geht es richtig los: Das Studienseminar auf der Wartberghöhe wird in den kommenden vier Jahren zum "Campus St. Michael" ausgebaut. Es entsteht einer neuer Kindergarten, ein neues Internat, neue Sportanlagen und im Zentrum das "Forum", komplett aus Lehm gebaut.


Links die neue Anordnung auf dem Areal, rechts der frühere Zustand. Der Fußballplatz wird bereits verlegt, ein Geschoßbau aus den 1970er-Jahren ist ebenfalls bereits abgerissen. 

"Jeder weiß, so wie wir leben ist es nicht zukunftsfähig", so Campus-Leiter Wolfgang Dinglreiter, "also müssen wir neue, nachhaltige Modelle entwickeln. St. Michael will ein neuer Ort dafür sein, eine Ergänzung zum Bildungs-Campus am Traunsteiner Bahnhof". Fünf Jahre saß man über den Plänen zum "Campus St. Michael". Das Bildungsangebot von derzeit 16 verschiedenen Partnern - unter anderem Caritas, Katholisches Bildungswerk, Forum Ökologie oder Erzdiözese - soll sich um Nachhaltigkeit, Erziehung, Konsum, Ökologie und Ökonomie drehen. 


Grafiken: So soll der "Campus St. Michael" in Traunstein künftig aussehen

Das sogenannte Forum des Campus mit Cafeteria. Es wird komplett aus Lehm gebaut.  © Campus St. Michael
Jetziger Anblick von der Vonficht-Straße. Der Anbau im Vordergrund wird abgerissen.  © Campus St. Michael
Ansicht vom Fußweg an der Kardinal-Faulhaber-Straße. © Campus St. Michael
Im Hintergrund der Kindergarten-Neubau St. Oswald mit Teich. © Campus St. Michael
 © Campus St. Michael

Gut 45 Millionen Euro werden investiert. Die Verlegung des Sportplatzes hin an die Kardinal-Faulhaber-Straße ist bereits im Gange, im Frühjahr 2020 wird mit dem Neubau des Kindergartens St. Oswald begonnen. Er entsteht an der Vonfichtstraße, neben der neuen Kita des Mütterzentrums, und soll im Herbst 2021 den Betrieb aufnehmen. Weil auch hier die Natur eine große Rolle spielen und jedes Kind ein eigenes Erntefeld bekommen soll, überlegte man sich den Namen "Kindergärtnerei". 100 Kinder und 15 Erzieher finden Platz. 

Von links: Sandra Krump, Anna Heringer und Wolfgang Dinglreiter.

Erstes tragendes Lehmgebäude Deutschlands

Im Zentrum des Campus wird das "Forum" mit Cafeteria gebaut. Laut Architektin Anna Heringer wird es das erste tragende Gebäude Deutschlands komplett aus Lehm. "Lehm ist überall verfügbar, billig, CO2-neutral und es hat eine hohe Anziehungskraft", so Heringer. Die Lehmbauteile werden in Schalungen vorgepresst und verdichtet und auf der Wartberghöhe dann zusammengebaut. Als Dämmmaterial soll recycletes Glas verwendet werden. "Das Café soll ein Treffpunkt für die ganze Wartberghöhe werden", so Dinglreiter. 

Grafik, wie das "Forum" aus Lehm mit Cafeteria aussehen soll. 

Neu gebaut wird auch der Wohntrakt des Internats. Es soll auf 50 Plätze aufgestockt werden. Aktuell leben 34 Internatsschüler in St. Michael, jedes dritte kommt aus der Region. "Der Bedarf könnte größer werden, man muss nur an die vielen Doppelverdiener oder Alleinerzieher denken", so Dinglreiter. Das Internat bleibt aber weiterhin nur für Buben geöffnet. Dinglreiter: "Es ist wichtig, geschützte Räume zu haben. In gemischtgeschlechtlichen Internaten gibt es viele Probleme."

Viele Gärten auf dem autofreien Campus

Das denkmalgeschützte Bestandsgebäude mit dem Glockenturm wird im Bestand saniert. Es ist inzwischen 90 Jahre alt. Dort sind Bildungsräume und Werkstätten untergebracht. Der Verwaltungsanbau hin zur Vonfichtstraße wird abgerissen. Auch die Außenanlagen, die sich über das Areal ziehen, werden teils neu angelegt. Am Kindergarten wird ein Teich angelegt, hier wird auch Platz für den Selbstversorger- und Insektengarten von St. Michael sein. Das Campusgelände wird autofrei, geheizt wird über eine zentrale Hackschnitzelheizung.

Auch am denkmalgeschützten Gebäude von 1929 wird im Bestand saniert. 

Von den veranschlagten 45,7 Millionen Euro werden 17 Millionen von der Bischof-Arbeo-Stiftung getragen. Auch öffentliche Fördergelder sollen beantragt werden. "Wir wollen St. Michael zu einem Campus weiterentwickeln, an dem erlebbar wird, wie Zukunft aus christlichem Geist gestaltet werden kann", so Sandra Krump, Vorsitzende des Stiftungsrats des Erzbischöflichen Studienseminars in Traunstein. Alle neuen Gebäude und die Außenanlagen sollen bis in den Sommer 2022 fertig sein. Anschließend geht es an die Sanierung des Bestandsgebäudes.

xe

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