Ab 2019 Wellenreiten am Mühlbach möglich?

Surfen in Traunstein stößt auf großes Interesse– „Chiemgau-Welle“ gegründet

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Surfvergnügen auch in Traunstein: Am Mühlbach in Viadukt-Nähe soll das Projekt realisiert werden, von dem heimische Flusssurfer träumen

Traunstein (awi). Surfen ist seit vielen Jahrzehnten unter Hobby- und Profisportlern gleichermaßen „in“, in zwei Jahren gar olympische Disziplin. Und das auf den gigantischen Wellen vor Hawaii genauso wie auf kleinen Flussgewässern wie dem Münchner Eisbach am Englischen Garten oder dem Almkanal Salzburg, wo sich Wellenbegeisterte mit ihren Brettern in die Fluten stürzen und es genießen, von den Wellen einige Meter spektakulär getragen zu werden.

Seit rund drei Jahren gibt es auch in Traunstein Bemühungen – ähnlich der Möglichkeit in Salzburg – eine künstliche Welle zu etablieren. Vollen Surfgenuss, regional in Traunstein, das ist das Ziel, dem sich die bis dato noch nicht richtig organisierte Riversurf-Szene verschrieben hat.

Das soll jetzt anders werden, die heimischen Surfer treiben das Projekt weiter voran: Am Donnerstag Abend fand nun die Gründungsveranstaltung für die Initiative „Eine Welle für den Chiemgau“ statt. Rund 50 Interessierte waren in das „Tropical“ in Traunstein gekommen, um den nächsten Schritt für die Realisierung des Projektes zu gehen, für das die Traun beziehungsweise der parallel zum heimischen Fluss verlaufenden Mühlbach die entsprechenden Bedingungen bieten soll. 

Ursprünglich wollten sich die begeisterten Wellenreiter mit einer eigenen Abteilung dem in Empfing beheimateten SB Chiemgau anschließen. Nachdem das nicht geklappt hat, nahm man das Heft nun selbst in die Hand und gründete einen eigenen Verein.

Gründungsversammlung "Chiemgau-Welle"

Großes Interesse in der heimischen Surfszene

„Es freut uns dass wir den Nerv getroffen haben, wir haben nicht mit so viel Leuten gerechnet. Ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“ betonte Benjamin Di-Qual,der seit 14 Jahren begeistert als Flusssurfer unterwegs ist, bei der Begrüßung der zahlreichen Interessierten. Es gäbe eine Reihe von ähnlichen Initiativen wie beispielsweise in Bad Reichenhall und Wolfratshausen. In Traunstein habe man gute Voraussetzungen für den Bau der Sportstätte, die sich planungstechnisch an dem Kanal in Salzburg orientiert. 

Di-Qual betonte, dass die Anfänge in die Überlegungen zur Durchführung der Landesgartenschau in Traunstein reichten. Hier hätte sich dann ein Kernteam herausgebildet, das die Wellen-Idee trotz des „Aus“ der Landesgartenschau weiter verfolgt habe. Das „Trittbrett-Landesgartenschau“ gebe es nicht mehr, man wollte das Projekt aber trotzdem weiter verfolgen.

„In einem offenen Fluss eine Welle zu bauen ist in Deutschland nicht einfach“ sagte er mit Blick auf die Absicherung potenzieller Gefahren, sowie die Erfüllung wasser- und naturschutzrechtlicher Vorgaben. Von den ursprünglich sechs Standortüberlegungen habe man sich letztlich auf einen konzentriert. Die Welle soll nun am Mühlbach in der Nähe des Viadukts kommen, der im Stadtjargon auch „Werkskanal“ heißt. Den benötigten Höhensprung in dem fließenden Gewässer erreicht man dort durch die Installation einer Rampenkonstruktion.

Unterstützung durch Stadt und Landkreis

„Die Stadt Traunstein steht dem sehr positiv gegenüber.“ Auch von Seiten des Landratsamtes habe man Unterstützung erfahren. Mit dem fußballdomminierten SB Chiemgau habe man sich hingegen nicht über eine Eingliederung in den Traunsteiner Großverein einigen können. Man sei aber in einem guten Dialog mit dem SBC-Vorstand. „Die sind grundsätzlich sehr positiv uns gegenüber“ so Di-Qual.

Man habe den Kanal zwischenzeitlich vom Viadukt bis zum Kanalende komplett vermessen, nachdem es dafür keine Baupläne gebe. „Die Welle ist praktisch und technisch möglich“ sagte er mit Hinblick auf das Wasserrecht wie auch auf die Wasserkraft, die dort von Kraftwerksbetreiben genutzt werde und keine Beeinträchtigung erfahren dürfe.

Verschiedene Varianten denkbar

Verschiedene Varianten seien durchgeplant worden, letztendlich halte man die im Rahmen der Machbarkeitsstudie herausgearbeitete Variante mit einer Welle direkt im Kanal, die keine weiteren Bauten erforderlich machen würde, am Effektivsten. Auf rund 250.000 Euro wurden die Kosten veranschlagt, bis der erste Wellenreiter seiner Lieblingsbeschäftigung in Traunstein nachgehen könne.

„Chiemgau-Welle“ als Verein gegründet

Der Vorstand des neuen Vereins stellte sich erfolgreich zur Abstimmung. Von links: Daniel Belen, Hannes Weininger, Lisa Springer-Belen, Benjamin Di-Qual und Martin Helmberger.

„Surfer sind nicht die klassischen Vereinsleute. Aber als Flusssurfer brauchen wir eine Community.“ Deshalb wolle man sich in dem Verein zusammenschließen, der auch steuerlich und rechtlich Grundvoraussetzung für das Zustandekommen des Projektes sei. Gerade auch für die Förderung der Stadt Traunstein, den Sportstättenbau mit 20 Prozent zu bezuschussen, sei das eine Grundvoraussetzung. „Der finanzielle Rahmen ist tragbar. Es ist wirtschaftlich, finanziell und technisch machbar“ betonte Gründungsantreiber Di-Qual. LAG Chiemgauer Alpen-Geschäftsführer Kolja Zimmermann machte deutlich, dass man über das Leader-Programm der europäischen Union eine Förderung von bis zu 50 Prozent generieren könne, wenn ein gesellschaftlicher Nutzen der Maßnahme bestehe.

Unbegrenztes Surf-Vergnügen für 72 Euro im Jahr

36 der anwesenden Surfer wollten von Anfang an dabei sein und wurden Gründungsmitglieder. „Das ist phänomenal. Das ist das Zeichen, das wir brauchen, um weiter zu machen“ freute sich Di-Qual. Einstimmig wurden im Nachgang Hannes Weininger als 1. Vorstand, Lisa Springer-Belen als seine Stellvertreterin, Daniel Belen als Schatzmeister, Martin Helmberger als Schriftführer und Benjamin Di-Qual als Technischer Wart gewählt. 

Auch die Vereinssatzung und die Beitragsordnung der „Chiemgau-Welle“ wurde auf den Weg gebracht. So zahlen volljährige Aktive 72 Euro, passive Mitglieder 60 Euro. Minderjährige ab dem 12. Lebensjahr sind mit 32 Euro jährlich dabei. Auch Tagesmitgliedschaften sind vorgesehen. Für Studenten und Menschen mit Behinderung wolle man bei der 1. Mitgliederversammlung eine Regelung finden.

Die Mitglieder machten ihre Verbundenheit mit dem Projekt deutlich und stimmten für die Mitgliedsbeiträge, die auch erhoben werden sollen obwohl die Welle geplant erst im Jahr 2019 realisiert werden soll. Dann könnte sich der Mühlbach mit dem erhofften Wellengenuss in der Großen Kreisstadt schnell zum Eldorado der heimischen Riversurfszene entwickeln und es könnte analog eines deutschen Hits in Traunstein heißen: „Das ist die perfekte Welle!“

awi

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