„95 Jahre Freistaat Bayern“

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Die Sprecher Peter Kurz, Dr. Renate Schunck und Prof. Dr. Georg Auernheimer

Traunstein - „Neues schaffen heißt Widerstand leisten“: Anlässlich des 95. Gründungstag Bayerns zeigte die Linkspartei die Kulturgeschichte des Protests von 1918 bis zur Gegenwart.

Den 95. Jahrestag der Gründung des Freistaats Bayern durch den ersten Ministerpräsidenten Kurt Eisner am 8. November 1918 nahmen die Linkspartei und die Friedensinitiative Traunstein Traunreut Trostberg zum Anlaß, mit einer Multimediashow eine Kulturgeschichte des Protests von 1918 bis zur Gegenwart zu zeigen.

Dabei stellten die Sprecher Peter Kurz, Dr. Renate Schunck und Prof. Dr. Georg Auernheimer in Wechselrede die Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen nach Freiheit, Frieden, Demokratie und einer gerechteren Welt, die Erfolge ihrer Proteste und die Rückschläge in den Mittelpunkt. Manfred Dannhorn hatte dazu eine eindrucksvolle Bild- und Videodokumentation von 1918 bis in die heutigen Tage zusammengestellt und zeigte sie synchron zu den Erläuterungen der Sprecher.

Ausgehend von der Friedensdemonstration am 7. November 1918 auf der Münchner Theresienwiese erfolgte nach einer unblutigen Revolution noch am gleichen Abend die Bildung eines Arbeiter-Soldaten- und Bauernrates unter Führung des Sozialisten Kurt Eisner. Noch in der Nacht verfaßte Eisner den berühmten Aufruf an die Bevölkerung: „Bayern ist fortan ein Freistaat – Es lebe die bayerische Republik! Es lebe der Frieden!.....“.

Einen Schwerpunkt des kulturhistorischen Streifzugs bildete die Weltwirtschaftskrise ab 1928/29 und ihre Auswirkungen auf das Ende der Weimarer Republik. Während in den USA der demokratische Präsident F. D. Roosevelt, beraten von John Maynard Keynes mit dem „New Deal“ die Krise bekämpfte, wurde in Deutschland der Staat mit Notverordnungen „kaputt“ gespart. Die Nationalsozialisten nutzen die Notlage der Bevölkerung und die Schwäche des entmachteten Parlaments unter Mithilfe der Großindustrie zur Machtergreifung.

„Nach dem Ende des dunkelsten Kapitels der Geschichte versuchte die Welt, aus der Geschichte zu lernen, in Bayern mit der Bayerischen Verfassung, in Deutschland mit dem Grundgesetz und weltweit mit der Verkündung der Allgemeinen Menschenrechte durch die UN-Vollversammlung am 10. Dezember 1948“, erklärte Peter Kurz von der Linkspartei. „Doch bereits wenige Jahre später gingen die Hoffnungen auf Frieden und weltweite Garantie der Menschenwürde unter im kalten Krieg und der damit verbundenen Restauration der alten gesellschaftlichen Verhältnisse. Vergessen war die Forderung nach einem Ende der kapitalistischen Wirtschaftsordnung im Ahlener Programm der CDU“, berichtete Prof. Auernheimer. Adenauer betrieb mit der Wiederbewaffnung und der Eingliederung Westdeutschlands in das westliche Bündnis die Zementierung der deutschen Teilung. Doch die Proteste dagegen und dann gegen die Atomrüstung mit den ersten Ostermärschen wurden lauter“, so Dr. Renate Schunck von der Friedensinitiative.

Weitere Schwerpunkte der Wort- und Bilddarbietungen waren die Studentenrevolte 1968 gegen Notstandsgesetze, Vietnamkrieg und Alte und neue Nazis in öffentlichen Ämtern, die Außerparlamentarische Opposition und die Proteste gegen Raketenstationierung und Atommeiler, der friedliche Volksaufstand in der DDR und schließlich die bis heute andauernden weltweiten Proteste gegen Globalisierung und Allmacht der Finanzmärkte.

Schließlich zitierten die Sprecher aus dem dramatischen Appell an die Jugend der Welt des damals 93-jährigen Schriftstellers und Diplomaten Stéphane Hessel, 1917 in Berlin geboren und politisch motiviert in der französischen Resistance im Widerstand gegen Diktatur und Besetzung: „Mischt Euch ein, empört Euch!...Zwei große Menschheitsaufgaben sind für jedermann erkennbar:

1. Die immer weiter sich öffnende Schere zwischen ganz arm und ganz reich...

2. Die Menschenrechte und der Zustand unseres Planeten...“

Der Aufruf ende mit der Aufforderung: „Neues Schaffen heißt Widerstand leisten Widerstand leisten heißt Neues schaffen“

In der Diskussion wurden besonders die jüngsten Proteste der Menschen in den ärmsten Ländern Europas gegen Verarmung und Ausbeutung und in der Türkei gegen diktatorische Zustände thematisiert und radikale Abkehr von jeglicher Konfliktlösung durch Kriegseinsätze gefordert.
Pressemeldung DIE LINKE KV Traunstein

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