Was das Team der Traunsteinerin Hanni Wolfgruber alles zu meistern hatte

„Sowas hatten wir noch nie“: Frisöre über ihre letzten Tage vor dem Lockdown

Frisörmeisterin Hanni Wolfgruber in ihrem Salon „Le Coiffeur“ in Traunstein.
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Frisörmeisterin Hanni Wolfgruber in ihrem Salon „Le Coiffeur“ in Traunstein.

Traunstein - Krisensitzung am Sonntag, Termine umschmeißen und 13-Stunde-Arbeitstage - Hanni Wolfgruber gibt Einblicke, was sich in den letzten Tagen vor dem Lockdown in einem Frisörsalon alles abgespielt hat.

Als nach dem Bund-Länder-Gipfel am Sonntag der Corona-Lockdown für Mittwoch fix war, musste Hanni Wolfgruber handeln. Ein Notfallplan für ihren Salon, ihr Team und ihre Kunden. Für zwei Stunden trommelte die Frisörmeisterin ihr Mitarbeiterinnen zusammen und die Telefonleitungen wurden zum Glühen gebracht. „Wir haben versucht, alle Kunden, die bis Weihnachten einen Termin hatten, anzurufen und sie noch irgendwie Montag und Dienstag unterzubringen. Das war wie im Call-Center.“ Das Ergebnis: 13-Stunden-Arbeitstage und 65 Haarschnitte in zwei Tagen.

Frisöre vor dem Lockdown: „Sowas hatten wir noch nie“

Jetzt, wo ihr Salon „Le Coiffeur“ in Traunstein schließen musste, ist Zeit zum Durchschnaufen - gezwungenermaßen. „Eine Arbeitslage wie in dieser Woche hatten wir noch nie“, so Wolfgruber beim Besuch von chiemgau24.de. Von 7 bis 20 Uhr arbeitete sie mit ihrem fünfköpfigen Team durch. „Laut Innung hätten wir theoretisch sogar bis 0 Uhr öffnen dürfen. Aber ab 21 Uhr gilt natürlich die Ausgangssperre.“

Eigentlich hätte Hanni Wolfgruber ihren Laden bis einschließlich 23. Dezember und auch in der Woche vor dem Jahreswechsel geöffnet - und jetzt die Zwangsschließung. „Vor Weihnachten hatte ich noch nie frei“, so die Ruhpoldingerin. Gerade vor den Feiertagen machen Frisöre eigentlich ein gutes Geschäft. Viele Stammkunden würden extra vorbeischauen, um sich zu bedanken. Doch bis 10. Januar 2021 wird nun zu sein. „Und ich fürchte, dass noch mal 14 Tage drangehängt werden.“

Worunter die Umsätze während des ganzen Jahres schon litten

Für Frisöre war das Jahr ohnehin schon schwierig genug. Schon im Frühjahr blieben die Türen für sechs Wochen geschlossen. „Und auch in den zwei Wochen davor sind kaum Kunden gekommen, weil sie einfach verunsichert waren und Angst vor dem Virus hatten.“ Dazu gab es heuer kaum Anlässe, zu denen Frisöre besonders oft gebraucht werden: Hochzeiten, Abi-Bälle, große und kleine Feste. Außerdem blieben immer wieder Kunden aus: Weil sie in Quarantäne saßen, keine Lust auf Maske beim Frisör hatten oder weil wegen Kurzarbeit gespart werden musste. Übers ganze Jahr schätzt Wolfgruber den Umsatzeinbruch im „Le Coiffeur“ auf 15 Prozent.

„Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass sie uns nicht wieder zusperren. Dass ein Frisörbesuch ein triftiger Grund ist, das Haus zu verlassen. Dass wir systemrelevant sind“, denkt die Frisörmeisterin an vorige Woche zurück. Doch daraus wurde nichts. Ihre Mitarbeiterinnen sind wieder in Kurzarbeit, Wolfgruber darf sich demnächst wieder mit Anträgen auf Förderungen und Überbrückungshilfen herumschlagen: „Die Anträge kann man noch nicht mal stellen. Wie viel finanzielle Hilfe wir bekommen und vor allem wann, steht in den Sternen“, ärgert sie sich.

„Wollen unsere Kunden im Januar wieder begrüßen“

Jetzt hofft Hanni Wolfgruber konkret auf zwei Dinge. Zum einen, dass sich die Pandemie schnell in den Griff bekommen lässt - denn das Arbeiten mit Maske sei vor allem im Sommer „unerträglich“ gewesen. Zum anderen, dass all die Frisörinnen der Region die Scheren möglichst in der Schublade lassen und das „Schwarzeln“ bleiben lassen. „Wir brauchen unsere Kunden und freuen uns ja jetzt schon, wenn wir sie hoffentlich im Januar gleich wieder begrüßen können.“

xe

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