Versuchter Messer-Mord in Trostberg

Zeugin: "Habe gefragt, ob die beiden nicht ganz sauber sind"

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Die fünf Angeklagten kurz vor Prozessbeginn am Mittwochmorgen des 19. Juli.
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Trostberg/Traunstein - Im September 2016 kam es zu einem brutalen Messerüberfall in einer Trostberger Wohnung. Seit Dienstag, 18. Juli, stehen fünf junge Männer wegen versuchten Mordes und schweren Raubs vor Gericht. Nachdem am Auftakt des Prozesses ausschließlich die Angeklagten angehört wurden, geht es am zweiten Tag mit dem Zeugenprogramm weiter:  

Update, 18.15 Uhr: Vier Zeuginnen sprechen

Es folgt die Anhörung von vier Zeuginnen im Gerichtssaal. Die erste Zeugin ist die 37-jährige Mutter des damals 17-jährigen, mutmaßlichen Drogendealers. Sie möchte eine Aussage verweigern, um ihren Sohn nicht zu belasten, beantwortet aber dennoch einige Fragen von Richter Dr. Klaus Weidmann kurz und knapp. Sie habe demnach "keinen großartigen Kontakt" zu ihrem Sohn. Über die Verletzungen, die er sich bei dem Überfall zugezogen hätte, wisse sie nichts. Sie habe ihren Sohn finanziell nicht unterstützt, er habe nur Kindergeld erhalten.

Als zweite Zeugin betritt die 18-jährige Ex-Verlobte von David B. (Anm. d. Red.: Name geändert) den Gerichtssaal. Sie sagt aus, seit einem knappen halben Jahr sei sie von dem Angeklagten getrennt, zwei Jahre lang seien sie ein Paar gewesen.

Die Zeugin erklärt, bis auf Adrian K.(Anm. d. Red.: Name geändert) habe David B. mit allen vier Angeklagten Kontakt gehabt. Bei einem Treffen an der Alz im vergangenen Sommer habe sie mitbekommen, dass Thomas J. (Anm. d. Red.: Name geändert) und David B. über einen längeren Zeitraum abseits gestanden seien und miteinander geredet hätten.Sie könne sich nicht mehr genau erinnern, um was es ging, der Überfall in Trostberg sei aber thematisiert worden. Über Gewalt oder Waffen sei zu diesem Zeitpunkt nicht geredet worden. Sie wolle sich aber an eine Aussage Thomas J.‘s erinnern, er würde "das durchziehen"."Ich habe gefragt, ob die beiden nicht ganz sauber sind und wollte ihnen das Ganze ausreden", so die Zeugin. Obwohl sich David B. von der Idee zunächst ein wenig distanziert habe, seien ihre Bemühungen wohl ins Leere gelaufen.

Die Zeugin sagt mit stockender Stimme und Tränen in den Augen: "Ich kenne David B. so gar nicht und habe ihm gesagt, wenn er sich daran beteiligt, werde ich mich von ihm trennen." Es sei schon immer ihre große Angst gewesen, dass David B. irgendwann "in den Knast gehen" müsse, weil des Öfteren von solchen Aktionen die Rede gewesen sei.

Noch in der Tatnacht habe sie von dem Überfall samt Beute und von Personen, die mit einem Messer verletzt worden seien, erfahren. David B. habe zu ihr gesagt, er sei "mit den Jungs unterwegs" gewesen und es sei „ein Scheiß passiert“. Daraufhin habe sie sich am 28. September von David B. getrennt und distanziert. In der Zeit hätte sie Abstand gebraucht und habe „einige Tage hintereinander“ mit ihrem "guten Kumpel", dem damals 17-Jährigen, in der Tatwohnung in Trostberg übernachtet. Von Drogengeschäften des 17-Jährigen habe die Zeugin gewusst. In der Wohnung seien "oft Drogen konsumiert" worden. Der Wohnungsinhaber selbst habe nichts konsumiert.

Eines der Opfer sei "aus ganz früherer Zeit" der Ex-Freund der 18-Jährigen gewesen. Der hätte ihr aber auch nicht mehr zu dem Überfall sagen können, es sei alles sehr schnell gegangen, er hätte ihr nur die Messerverletzungen gezeigt.

Bei der dritten Zeugin handelt es sich um eine 26-jährige Freundin von Martin Z. (Anm. d. Red.: Name geändert). Zur Tatzeit sei sie mit dem Angeklagten noch nicht befreundet gewesen. Mit der Ex-Verlobten von David B. sei sie "aufgrund des Altersunterschieds und einer anderen Einstellung zum Leben" mittlerweile nicht mehr befreundet. Sie habe über die 18-Jährige nur von dem Überfall der fünf jungen Männer erfahren. Die Schilderungen der Zeugin bezüglich des Überfalls ähneln sich mit den Aussagen der 18-Jährigen. Demnach seien die fünf Männer in eine Wohnung eingebrochen, es sei zum Gerangel gekommen und ein Messer sei ins Spiel gekommen. „So wie ich es mitbekommen habe, haben wohl Thomas J. und Adrian K. zugestochen.“

Die vierte und letzte Zeugin des zweiten Prozesstages ist eine 16-Jährige. Ihr sei die 18-jährige Ex-Verlobte von David B. als Ex-Freundin ihres eigenen Ex-Freunds, dem Überfallsopfer, bekannt. Von den fünf Angeklagten käme ihr nur David B. bekannt vor. Auch sie bestätigt die Aussagen ihrer Vorgängerinnen zum Großteil, erklärt aber, sie wisse lediglich Einzelheiten über den Überfall, wie beispielsweise von einer schwarzen Geldkassette und Drogen als Beute oder von der Schreckschusspistole und Messern.

Der Prozess wurde nun unterbrochen und wird am Freitag, 21., Juli fortgesetzt.

Update, 16.15 Uhr: Wohnungsinhaber spricht

Dem 21-jährigen Zeugen gehört die Wohnung, in der sich der Überfall am 27. September ereignete. Auf Nachfrage von Richter Dr. Klaus Weidmann erklärt er, er kenne keinen der fünf Angeklagten.

Am Tatabend habe er bereits um 21.30 Uhr geschlafen. Gegen halb elf Uhr abends sei er aufgewacht, da einer der Männer in seiner Wohnung die Schlafzimmertür aufgetreten habe. Ob es sich dabei um einen Täter oder einen seiner eigenen Kumpels gehandelt habe, wisse er nicht. Seine erste Wahrnehmung, als er aus dem Schlaf gerissen worden sei, sei gewesen, wie zwei Personen aus der Wohnung geflüchtet seien. Dann habe er sich im Wohnzimmer umgesehen und seine verletzten Freunde gefragt, was passiert sei. Die hätten erklärt, sie seien angegriffen und überfallen worden.

Plötzlich habe es ein zweites Mal geklingelt: „Hier ist der Nachbar“, sei zu vernehmen gewesen. Daraufhin öffnete einer der verletzten jungen Männer die Tür erneut, woraufhin einer der beiden Täter ein weiters Mal in die Wohnung gestürmt sei, um sein Cap zu holen.

Dr. Klaus Weidmann wird nun konkreter mit den Nachfragen und möchte wissen, um welche Art von Pistole es sich gehandelt habe. Der 21-jährige Zeuge meint, sich an eine „Softgun“ erinnern zu können. „Plötzlich ist hier in der Hauptverhandlung die Rede von einer ‚Softgun‘, ich habe deutlich das Gefühl, dass sich die Zeugen in der Mittagspause abgesprochen haben“, poltert der Richter los. Alle Zeugen hätten bei der Polizei angegeben, von der Existenz der Schreckschusspistole gewusst zu haben.

Die widersprüchlichen Aussagen reißen nicht ab: Der Wohnungsinhaber habe laut eigener Aussage nichts von Drogen-Deals des damals 17-Jährigen gewusst. Des öfteren jedoch seien „Päckchen“ in seiner Wohnung gelandet, er habe gesagt, er hätte diese nicht in seiner Wohnung haben wollen. Er könne auch nichts zu der „roten Geldkassette“ sagen. Laut Anklageschrift sei die Kassette schwarz gewesen. Er habe außerdem zu seinem eigenen Schutz bei der Polizei unwahre Angaben zu dem Fall gemacht, weil der Überfall in seiner Wohnung passiert sei.

Update 15.15 Uhr: Drittes Überfallopfer spricht

Nun spricht ein 23-Jähriger, der Opfer des Überfalls wurde. Zur Tatzeit des 27. Septembers sei er im Wohnzimmer gesessen, habe ferngesehen und X-Box gespielt, als es geklingelt habe. Nachdem die Tür geöffnet worden sei, habe er gesehen, wie der 22-Jährige vom Flur ins Wohnzimmer "angestochen zurückgetorkelt" sei. Unmittelbar darauf seien zwei maskierte Männer mit "einer Art Schweizer Taschenmesser von etwa 10 Zentimetern Länge" in die Wohnung eingedrungen. Bei den Tätern habe es sich um einen "großen, jüngeren Dünnen und einen kleine Festeren" gehandelt. Der größere habe ein rotes Tuch und ein dunkles Basecap getragen. Der zweite habe dunkle Handschuhe, eine schwarze Sturmhaube und dunkle Kleidung getragen. Bei beiden habe man nur die Augen erkennen können.

Der dunkel gekleidete Täter habe in der Wohnung lautstark nach einer Kassette gefragt und auf dem Tisch im Wohnzimmer "herumgewühlt". Der Mann habe den 23-jährigen Zeugen zum "Sitzenbleiben und Ruhe geben!" aufgefordert. "Ich war perplex und habe erstmal gar nichts gemacht, als ich das Messer gesehen habe“, erklärt der 23-Jährige. Der Täter mit dem Basecap habe "rumgeschrien, als wenn er ADHS hätte". Bis auf unklare Wortfetzen wie "Bruder rächen" und "wurden beschissen" habe der Zeuge aber nichts verstehen können.

Der 17-jährige, mutmaßliche Drogendealer habe im Wohnzimmer mit einer "Softgun, die aussah, wie eine echte Pistole" auf die Täter gezielt. Einer der beiden habe ihm die Waffe aus der Hand gerissen, es sei zu einer "Rangelei" gekommen. Es sei alles "sehr schnell und hektisch abgelaufen".

Der Täter mit der Sturmhaube habe die Beute in einen dunklen Rucksack gepackt. Laut Richter Dr. Weidmann sei dies widersprüchlich, da der erste Zeuge in der Wohnung von einem „roten Rucksack“ berichtete.

Wie der Zeuge weiter schildert, hätten beide Täter gleichzeitig nach einer geschätzten Tatdauer von fünf bis zehn Minuten die Wohnung verlassen. Dann habe es plötzlich wenige Minuten nachdem die Täter geflüchtet seien ein zweites Mal geklingelt. Wer genau die Tür erneut geöffnet habe, wisse der Zeuge nicht mehr, er habe sich nur gedacht, "wie blöd man denn sein konnte, nach einem solchen Überfall sofort wieder auf Türklingeln zu reagieren". Einer der Täter sei nach dem Öffnen der Tür "wortlos hereingeflitzt", um sein verlorenes Basecap in der Wohnung zu holen. Welcher der beiden das gewesen sei, konnte der 23-Jährige nicht genau sagen.

Update 14.20 Uhr: Opfer äußert sich nicht zum Vorfall

Nun soll ein damals 17-Jähriger aussagen. Sein Zeugenbeistand erklärt aber, der junge Mann dürfe vor Gericht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen und werde dies auch tun. Er könne laut des Zeugenbeistands wegen Drogendelikten belangt werden, die unmittelbar mit der Tat in Zusammenhang stünden.

Auf die Fragen des Richters schweigt der junge Zeuge vehement. Er wolle sich weder dazu äußern, wie oft er sich in der Trostberger Wohnung aufgehalten habe, noch wie der Überfall aus seiner Sicht abgelaufen sei oder ob er verletzt worden sei.

Abschließend hat Richter Klaus Weidmann nur noch eine Frage: "Erkennen Sie einen der Angeklagten wieder, unabhängig von der Tat in Trostberg?" Auf diese Frage erklärt der mittlerweile 18-Jährige, er kenne David B., Martin Z. und Marvin P. (Anm. d. Red.: Name geändert).

Richter Klaus Weidmann räumt ein, dass es wenige Fragen gebe, bei denen diese Verknüpfungsgefahr zu Drogendelikten nicht gegeben sei. Deshalb sieht das Gericht von weiteren Fragen ab.

Update 12.27 Uhr: Aussage eines Überfallopfers

Der 22-Jährige schildert den Tatabend aus seiner Erinnerung wie folgt: Zu dritt hätten sie sich in der Wohnung des Besitzers aufgehalten, der um etwa halb 10 Uhr abends bereits im Schlafzimmer geschlafen habe. Plötzlich habe es an der Tür geklingelt, der junge Mann habe „einen weiteren Spezl“ vermutet und die Tür geöffnet. „Zwei maskierte Männer standen mir gegenüber, einer trug ein Basecap und ein rotes Tuch, der zweite eine schwarze Sturmhaube.“ Der Täter mit der Sturmhaube sei „klein und kräftig“, der zweite „größer als der mit Sturmhaube“ gewesen.

Der Flur des Hauses sei dunkel gewesen, es sei nicht viel Licht in das Treppenhaus gefallen, da nur das Wohnzimmerlicht gebrannt habe. „Der mit der schwarzen Sturmhaube hat mir sofort einen Schlag ins Gesicht versetzt und mit einem Messer in die Brust gestochen“, schildert der Zeuge aus Trostberg weiter.

Dann sei er ins Wohnzimmer geschoben worden, wo neben dem mutmaßlichen Drogendealer noch ein weiterer Mann „unbeweglich wie ein Stein“ auf einem Stuhl gesessen habe. Der damals 17-Jährige habe zu einer auf dem Tisch liegenden Schreckschusspistole gegriffen und diese auf einen der Täter gerichtet. Als jedoch deutlich wurde, dass die Pistole kein Magazin beinhaltete, sei es zum Gerangel gekommen.

Zu Beginn habe das Überfallopfer die Stiche an seinem Körper nicht gleich erkannt, erst später habe er Schmerzen in der Brust gespürt. Wie er ins Bad gekommen sei, wisse er nicht mehr. Der Täter mit dem roten Tuch habe die Opfer beim Bad in Schach gehalten und mit einem Messer bedroht, während der zweite Täter wohl die Geldkassette, die Schreckschusspistole und Drogen in einen roten Rucksack gepackt hätte. Die gestohlene Menge an Geld und Drogen könne der Zeuge nicht einschätzen. Nach dem Überfall seien beide „ziemlich zeitgleich“ geflüchtet. Die Tat habe laut dem Zeugen etwa zehn bis 15 Minuten gedauert.

Seiner Erinnerung zufolge sei der Täter mit dem roten Tuch kurz darauf noch einmal zurückgekommen, um sein im Wohnzimmer liegen gelassenes Basecap zu holen. „Der Schirm des Caps vorne war grau und es waren Hanfblätter abgebildet.“ Staatsanwalt Björn Pfeifer sieht erneut Widersprüche in der Verhandlung, da der mutmaßliche Drogendealer in einem persönlichen Gespräch zu ihm gesagt hätte, der Mann mit der schwarzen Sturmhaube sei zurückgekehrt, um das Basecap zu holen.

Keiner der Männer in der Wohnung habe versucht, den Täter bei seiner Rückkehr aufzuhalten. Der Wohnungsbesitzer habe „den Überfall verschlafen und kam erst nach der Tat ins Wohnzimmer“, der dritte Mann sei noch immer ohne Reaktion auf dem Stuhl gesessen und habe „gar nichts gemacht“. Die Männer hätten ihre Wunden laienhaft versorgt, bevor sie ins Krankenhaus gefahren seien.

Der 22-Jährige habe seit der Tat immer wieder Schmerzen im Brustbereich und Beschwerden beim Gehen. Dazu kämen psychische Störungen in Form von Angstzuständen und Schlafstörungen, er befinde sich bis dato in Behandlung.

Adrian K. entschuldigte sich am Ende der Anhörung bei dem Geschädigten persönlich: „Ich war bei der Tat nicht Herr meiner Sinne, erst jetzt wird mir bewusst was ich getan habe. Es tut mir sehr leid.“ David B. steht ebenfalls nach Adrian K. auf und entschuldigt sich mit den Worten: „Ich hätte niemals mitgemacht, wenn ich gewusst hätte, dass jemand ernsthaft zu Schaden kommt.“ Laut seinem Verteidiger sei David B. auch bereit Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 Euro an den 22-jährigen Trostberger zu zahlen. Auch Martin Z., der sich vorab als einziger nach dem Überfall bei dem Zeugen entschuldigt habe, erhebt sich und entschuldigt sich noch einmal „aus tiefstem Herzen“. Als letztes entschuldigt sich Marvin P. persönlich bei dem 22-Jährigen, es tue ihm leid, dass er dabei gewesen sei und er sei ebenfalls bereit, eine Entschädigung zu zahlen.

Der Zeuge nimmt die Entschuldigungen der vier Angeklagten jeweils zur Kenntnis. Thomas J. äußert sich im Laufe der Zeugenvernehmung nicht.

Update 10.50 Uhr: Aussage Sachbearbeiter der Kripo Traunstein

Der Sachbearbeiter der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein erklärt als erster Zeuge am zweiten Prozesstag, dass die Ermittlungen und eine Fahndung Ende September 2016 sofort eingeleitet worden seien, nachdem die Verletzten im Krankenhaus aussagten, sie seien am Busbahnhof in Trostberg überfallen worden. In einer zweiten Vernehmung benannte ein Opfer dann den richtigen Tatort in der Privatwohnung. Er habe ausgesagt, in der Wohnung müssten noch Blutspuren und beschädigte Einrichtungsgegenstände zu finden sein. Dies habe sich bei einer Durchsuchung bewahrheitet. Damit sei die Wohnung am 29. September eindeutig als Tatort fest gestanden. Einbruchsspuren an der Wohnung seien nicht festgestellt worden.

Durch einen DNA-Treffer sei die Polizei auf die Spur von Adrian K. als Verdächtigen gekommen. Dieser habe während seiner Vernehmung die Tat zugegeben und David B. sowie Martin Z. als Mittäter benannt. Im Verlauf der ausgeweiteten Vernehmungen der genannten Personen sei auch der Name Thomas J. gefallen. Dieser aber habe bei der Polizei im Beisein seiner beiden Anwälte keine Angaben zur Sache gemacht. Marvin P. sei zuerst überhaupt nicht erwähnt worden. Die Rollenverteilungen bei dem Überfall seien laut dem Sachbearbeiter der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein im Laufe der vielen Vernehmungen immer wieder anders geschildert worden: „Es war ein sehr großes Durcheinander, irgendwann benannte Martin Z. Marvin P. als fünften Mittäter und beschuldigte ihn zudem als Haupttäter, der das Sagen gehabt hatte.“

Die sichergestellte DNA-Spur habe lediglich Adrian K. überführt, bei den weiteren vier Verdächtigen seien keine Übereinstimmungen gefunden worden. Die Geldkassette sei bis heute nicht auffindbar.

Der Verteidiger von Thomas J. übergibt Richter Dr. Klaus Weidmann im Anschluss an die Anhörung des Zeugen der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein Fotoabzüge des Angeklagten Marvin P., die ihn mit einer grauen Basecap zeigen. Der Verteidiger erklärt, er habe die Bilder auf Facebook gefunden. Ein Basecap sei von den Angeklagten mehrmals als Maskierung genannt worden, bis dato jedoch nicht auffindbar gewesen. Richter Dr. Klaus Weidmann nimmt die Fotos zur Kenntnis und erklärt daraufhin, graue Caps würden die Hälfte der jungen Männer tragen und gab die drei Ausdrucke zu Protokoll.

Update 9.55 Uhr: Nachfrage zur Aussage des Hauptangeklagten von Dienstag

Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann eröffnet die zweite Sitzung der Jugendkammer als Schwurgericht im Fall des Messerüberfalls in Trostberg und geht gleich zu Beginn ein weiteres Mal auf die Schilderung des Tattags aus Sicht von Thomas J. ein. Dieser behauptet, er sei nicht bei der Tat dabei gewesen und während des Überfalls durch Trostberg marschiert. Um das nachvollziehen zu können, rekonstruierten Richter und Staatsanwaltschaft die nächtliche Strecke, für die Thomas J. nach eigener Aussage rund 20 Minuten brauchte, auf einem Kartenausschnitt von „Google Maps“.

Das Gericht beruft sich auf die Skizze und ist der Meinung, Thomas J. hätte für die Strecke nur rund vier Minuten brauchen müssen. Richter Dr. Klaus Weidmann möchte vom Angeklagten den Zeitunterschied erklärt haben: Thomas J. habe sich erst orientieren müssen und außerdem seien fünf bis zehn Minuten für „gemütliches Rauchen eines Joints draufgegangen.“ Er wolle sich außerdem an eine Bank erinnern, an der er den Joint gedreht habe, wobei wiederum einige Minuten verstrichen seien.

Die Angeklagten David B. Und Martin Z. markieren den in ihrer Erinnerung gewählten Parkplatz des Wagens zur Tatbegehung und zeichnen die Orte mit „B.“ und „Z.“ ein. Die Skizze wird daraufhin von Angeklagten und Verteidigern in Augenschein genommen. Thomas J. erklärt, er könne sich anhand dieser Skizze nicht orientieren und nur ungefähr angeben, dass der Standort des Autos und damit sein Ausgangsort für den Fußweg in Richtung Casino etwas südlicher gewesen sei als von David B. und Martin Z. angegeben. Thomas J. markiert den möglichen Ausgangspunkt mit einem einem Kreis, den er mit „J.?“ kennzeichnet. Die Anlage wird zu Protokoll gegeben. Der 2. Prozesstag startet nun offiziell mit dem ersten Zeugen.

Vorbericht

Ein brutaler Messerüberfall ereignete sich am Abend des 27. September 2016 in Trostberg. Fünf Täter im Alter von 21 bis 29 Jahren sollen zwei junge Männer in einer Wohnung in der Bayernstraße überfallen haben. Das Ziel soll Marihuana und Bargeld gewesen sein. 

Der Vorwurf: Versuchter Mord und besonders schwerer Raub. Der 29-jährige Thomas J. und der 25-jährige Adrian K. müssen sich wegen versuchten Mordes in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerem Raub verantworten. Die Komplizen, der 22-jährige David B., der 21-jährige Martin Z. und der 27-jährige Marvin P., stehen wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit besonders schwerem Raub vor Gericht. 

Der erste Prozesstag war ganz den Angeklagten geschuldet: Richter Dr. Klaus Weidmann nahm sich besonders viel Zeit für die Aussagen der fünf jungen Männer. Diese jedoch waren widersprüchlich, sie beschuldigten einander vehement gegenseitig. Als der Hauptangeklagte Thomas J. die Tat sogar ganz leugnete, schüttelte selbst der Richter ungläubig den Kopf und beendete den ersten Prozesstag. Am zweiten Prozesstag sind Zeugen geladen, die die Widersprüche möglicherweise auflösen können. 

Der Prozess wird am Mittwoch, 19. Juli, um 9 Uhr in Traunstein fortgesetzt. Das Urteil wird für 4 August erwartet. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

mb

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