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Emotionalste halbe Stunde

Traunsteiner EM-Läufer Filimon Abraham: „Wenn der Körper nicht da ist, wird es schwierig“

European Championships - Leichtathletik Filimon Abraham
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Zurück in Traunstein, seiner neuen Heimat, kann Filimon Abraham (29) entspannt auf eine hochemotionale halbe Stunde auf der Tartanbahn des Olympiastadions zurückblicken.

Es war eine hochemotionale halbe Stunde, da unten, auf der roten Tartanbahn des ausverkauften Olympiastadions: Filimon Abraham hatte auf 50.000 Zuschauer gehofft, es kamen deutlich mehr.

Traunstein/München – Als einer von drei Deutschen des 10.000 Meter-Finals zum Abschluss der European Championships in München wurde er unter den 25 Konkurrenten separat vorgestellt, winkte mit der rechten Hand ins Publikum, legte die andere auf sein Herz.

Traunsteiner war den Tränen nahe

Acht Monate voller Tragik und einem guten Ende dauerte 2014 Abrahams Flucht aus Eritrea nach Deutschland, jetzt war er wieder den Tränen nahe: Einerseits wegen eines „sagenhaften, unbeschreiblichen Erlebnisses“, das vielleicht nur einmal in einem Sportler-Leben komme, andererseits, weil er sein Leistungspotenzial ausgerechnet an diesem außergewöhnlichen Abend nicht abrufen konnte. „Wir haben im Regen trainieren müssen, vermutlich habe ich mich dabei ein wenig erkältet“.

In der Nacht vor dem Rennen bekam Abraham Fieber, hatte Schweißausbrüche, musste immer wieder aufstehen. „Ich habe viel getrunken. Während des Rennens bekam ich nach nur fünf Runden Magenkrämpfe“. Der Traunsteiner durchlitt zudem heftige Kopfschmerzen: „Ich wollte aber auf gar keinen Fall aufgeben und meinen tollen Fans zeigen, dass ich eine derart ungute Situation durchstehen kann.“ Er stand alle 25 Runden durch, während die TV-Reporter einmal mehr sein zweites „i“ im Vornamen verschwiegen und er wieder „nur“ der „Filmon“ war.

„Wenn der Körper nicht da ist, wird es schwierig“

Ein wenig wärmer hätte es an diesem Sonntagabend sein dürfen, 25 Grad liebt er. Der die ganze Woche über angekündigte Regen hatte sich jedoch zum Glück schon wieder verzogen, und die nach 50 Jahren immer noch hochmoderne Zeltglas-Konstruktion des Olympiastadions glänzte durch die untergehende Sonne golden.

Die „großen Stress-Probleme“ auf der Bahn – „vielleicht habe ich zu spät gegessen“ – waren für Filimon Abraham freilich keine gute Voraussetzung. Er weiß: „Wäre ich topfit gewesen, hätte ich das Tempo bis zum Schluss mitgehen können. Weil wir genau das in St. Moritz trainiert haben und ich dabei immer mithalten konnte. Doch wenn der Körper nicht da ist, wird es schwierig.“

Wie geht es nach den 10.000 Meter-Finals weiter für Abraham?

Die Führungsgruppe wurde sukzessive kleiner, 20 Runden hielt Abraham bravourös mit – eine enorm starke Vorstellung des aufgrund seiner Körperstatur (1,68 Meter, 52 Kilo) prädestinierten Bergläufers. Als dieser wurde er auch in der ZDF-Live-Übertragung vorgestellt, und dass er künftig verstärkt auf den Marathon gehen würde.

In Schweizer Höhen hatte sich die kleine deutsche Gruppe auf bis zu 2000 Metern auf dieses Rennen vorbereitet: Nils Voigt (TV Wattenscheid), der in 28:02:19 Minuten guter Achter wurde. Direkt dahinter als Neunter Samuel Fitwi Sibhatu (28:03:92), der wie Filimon Abraham 2013/14 aus Eritrea geflüchtet war, jedoch in Rheinland-Pfalz landete.

Der Traunsteiner verfehlte seine tolle 28:03er-Qualifikationszeit für diese EM, aufgestellt im Mai im französischen Pace, um 50 Sekunden – 28:53:54 Minuten leuchteten für den 29-Jährigen auf der großen Anzeigetafel des ehrwürdigen Olympiastadions auf. Beim abschließenden Interview bei TV-Moderator Norbert König auf der Mixed-Zone-Empore gingen Abrahams Worte im Gold-Jubel-Sturm der deutschen 100 Meter-Staffel der Damen ein wenig unter. Im Herbst möchte er Marathon laufen, vielleicht in Frankfurt.

bit

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