IM TRAUNSTEINER NORDEN

Industriegebiet verdoppeln? So denken Leser und Stadtrat

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Die Einfahrt zur Traunsteiner Industriestraße.
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Traunstein - Die Nachfrage scheint groß zu sein, das Industriegebiet im Norden könnte das Doppelte an Fläche bekommen: Die Mehrheitsmeinung von Stadtrat und unseren Lesern geht dabei aber auseinander. *Mit Voting*

Die Fakten

  • Damit sich die bestehenden Betriebe erweitern und neue Firmen nach Traunstein kommen können gibt es die Absicht in der Stadtverwaltung, das Industriegebiet in der Fläche etwa zu verdoppeln.
  • Der Grund gehört der Stadt, sie könnte also entscheiden, wer sich ansiedelt.
  • Bereits in einem Stadtratsbeschluss von 2010 gab es ein Versprechen an die Industriebetriebe, sich weiter in Richtung Norden erweitern zu können.
  • Das Industriegebiet soll durch eine weitere Anbindung an die B304 erschlossen werden, um den Empfinger Bahnübergang zu entlasten.
  • Noch steht man ganz am Anfang, es ist noch kein Bauleitverfahren begonnen worden.
Die Erweiterung des Industriegebiets könnte sich entlang der Wasserburger Straße über die B304 bis an die Nußdorfer Gemeindegrenze ziehen

Die Contra-Stimmen

Sowohl im Kommentarbereich auf chiemgau24.de, als auch auf Facebook äußerten sich unsere Leser überwiegend kritisch zur geplanten Erweiterung des Industriegebiets. Vor allem denken viele an den Baumbestand im Traunsteiner Norden entlang der Bahnlinie, aber auch an das Konkurrenzdenken zwischen den Kommunen in Hinblick auf Gewerbegebiete und Steuereinnahmen:

"Wir brauchen kein Gewerbegebiet welches Natur zerstört, noch mehr Verkehr bringt und zusätzlich Arbeitnehmer anzieht, die auch Wohnungen brauchen welche die Natur noch mehr zerstören. Hört endlich auf mit dem ewigen Wachstumswahnsinn." (Kommentar "bergener")

"Und der Wald ist dabei wieder scheißegal...gibt doch genügend andere Grundflächen." (Dominik Maier via Facebook)

Das Gewerbegebiet Sonntagshornstraße in Axdorf wurde 2016 fertiggestellt.

"Keinen Sinn macht es allerdings wenn jetzt die benachbarten Gemeinden (...) in einen unkoordinierten dümmlichen Wettbewerb um Gewerbebetriebe einsteigen. Fläche ist heute wertvoller denn je und es ist unverantwortlich mit dem städtischen Wald in Wettbewerb zu den Kiesgruben in Aiging und zum ehemaligen Deutz-Grundstück an der A8-Ausfahrt Bergen treten zu wollen." (Kommentar Gerhard Lechner)

Auch sechs Stadträte sprachen sich zuletzt gegen die Erweiterung des Industriegebiets aus, nämlich geschlossen die Fraktionen der Grünen und der Traunsteiner Liste. Vor allem Burgi Mörtl-Körner kritisierte eine mögliche Erweiterung und griff dabei auch Kritikpunkte unserer Leser auf:

Eine der schärfsten Kritikerinnen: Burgi Mörtl-Körner.

"Die Versiegelung der Landschaft hat katastrophale Folgen. Wir müssen globaler denken: Der Wald ist Sauerstoffspeicher und Wasserspeicher, den wir nicht einfach so abholzen dürfen. In dringenden Notfällen zur Erweiterung bestehender Betriebe vielleicht schon, aber nicht zur Neuansiedlung", so Mörtl-Körner. Ihr grüner Fraktionskollege Schott sah den "Nachfragedruck" nach Flächen nicht bewiesen, auch in der Innenstadt gäbe es noch freie Bereiche.

Die Pro-Stimmen

Aber auch Zustimmung ließ sich bei unseren Lesern finden - und vor allem auch im Stadtrat: 16 der 22 Mitglieder sprachen sich dort nun für die Resolution aus, ohne dass bisher Konkretes beschlossen wurde.

"Ich denke, dass dieses Gewerbegebiet irgendwann mit dem in Aiging zusammenschließen wird/soll. Die Kiesgruben werden ja auch irgendwann mal zugefüllt sein, dann wäre es ein einzig großes Gewerbegebiet und vor allem nicht um ganz Traunstein verteilt. Ich finde es gut so und Arbeit gibt's dann ja auch wieder jede Menge" (Robert Mörtl via Facebook)

Auch an der Hochstraße entsteht momentan ein neues Gewerbegebiet.

"Auch wenn im neuen Gewerbegebiet (südlich von Haslach, Anm. d. Redaktion) noch vereinzelt Grundstücke frei sind, dann reichen die aber bestimmt nicht aus, um großen Unternehmen Expansionsplatz anbieten zu können. Sicherlich ist die Erhaltung der Natur und das Bereitstellen von Gewerbefläche eine Gratwanderung, aber es ist doch wichtiger für die Menschen der Stadt, Arbeit und Einkommen zu haben." (Kommentar "Doro")

Auch die Pro-Stimmen im Stadtrat hatten den Wald im Blick, doch Oberbürgermeister Kegel betonte, dass man "nicht 40 bis 50 Hektar auf Vorrat abholzen" werde, sondern nur je nach Bedarf. 

Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD) erinnerte an die Bürgerinitiative "Rettet den Haidforst" von 1990: "Damals war die Situation aber anders. Dort gab es nur zwei Betriebe und noch keine Umgehungsstraße. Die Zeit holt uns ein, die Situation verändert sich und dann muss das auch der Stadtrat diskutieren. Für die Produktion wird man Platz brauchen - und wenn die Betriebe den Platz nicht in Traunstein finden, gehen sie weg."

Sieht die hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen: Christian Hümmer.

An die überwältigende Nachfrage nach Gewerbegrund heimischer Firmen erinnerte wiederum Wirtschaftsreferent Christian Hümmer (CSU) und merkte außerdem an: "Im Speckgürtel der Stadt haben sich schon jede Menge Traunsteiner Firmen angesiedelt - und die Kommunen dort haben allesamt gute Haushaltszahlen. Außerdem: Wenn wir im Norden erweitern muss man keine weiteren Flächen im Süden ausweisen." 

Was meinen Sie?

xe

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