Traunsteiner Stadtrat

Kostenschreck: 7,5 Millionen für Kulturzentrum

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Bei der Sanierung der Klosterkirche steigen die Kosten kräftig an. Die vorgelegte Schätzung sieht 7,5 Millionen Euro Bruttokosten vor. Dem Traunsteiner Stadtrat sind die geplanten Kosten deutlich zu hoch. Nun wird im Rahmen einer Sondersitzung des Stadtrats nach Alternativmöglichkeiten gesucht.

Traunstein - Der Kostenvoranschlag für das Traunsteiner Kunst- und Kulturzentrum der Klosterkirche erschreckte den Stadtrat. Eine Sondersitzung wurde angesetzt. Doch warum?

Kräftig in den städtischen Geldsäckel greifen muss die Stadt Traunstein bei der Sanierung und dem Umbau des Ensembles Klosterkirche, das als Kunst- und Kulturzentrum ausgebaut werden soll. Für das denkmalgeschützte Ensemble mit der Klosterkirche des Kapuzinerklosters von 1690 an der Ecke Ludwig- und Klosterstraße als „Herzstück“, das zu einem Kultur- und Kunstzentrum von überregionaler Bedeutung ausgebaut werden soll, wurde im Jahr 2012 ein Architektenwettbewerb ausgelobt, der schließlich einen Entwurf mit Netto-Baukosten in Höhe von 3,4 Millionen Euro vorsah. 2,3 Millionen Euro waren hierbei bei dem 1.700 Quadratmeter Nutzfläche großen Areals für den Neubau einer Kleinkunstbühne mit einer Fläche von rund 200 Quadratmetern vorgesehen, die massiv den Pausenhof der Ludwig-Thoma-Grundschule tangierte und unter anderem den Elternbeirat der Schule auf den Plan rief. Über 2.000 Unterschriften wurden innerhalb weniger Wochen gegen die räumlich dominierende Bühne mobilisiert und führten schließlich zur Streichung der Kleinkunstbühne.

Zwischenzeitlich haben sich die Kosten weiter konkretisiert (einige waren bei der seinerzeitigen Wettbewerbslösung noch nicht aufgeführt) und dabei kräftig nach oben entwickelt: Inzwischen spricht man (obgleich des Wegfalls der Kleinkunstbühne) von Gesamtkosten, die laut Stadtratsvorlage, die drei verschiedene Varianten vorsieht, bei fast 7,5 Millionen Euro liegen. 7.470.861,00 Euro brutto weist die vorgelegte Kostenschätzung des Architekturbüro Färbinger Rossmy München auf, wobei beispielsweise alleine die Außenanlagen mit geplant 887.228 Euro zu Buche schlagen.

Die drei untersuchten Varianten unterscheiden sich im Wesentlichen in der architektonischen Ausformulierung des Foyeranbaus und der Anordnung des zweiten notwendigen baulichen Rettungsweges (Treppenhaus). Eine Förderung von 60 Prozent der förderfähigen Kosten wird durch die Städtebauförderung für die von der Verwaltung bevorzugten Variante in Aussicht gestellt. Hinsichtlich der baulichen Abwicklung soll die Maßnahme nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus der Ludwig-Thoma-Schule begonnen werden der ebenfalls Thema in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates am Donnerstag war.

Offener Prozess gewünscht

Oberbürgermeister Manfred Kösterke betonte, dass es sich hier ja um mehrere Bauvorhaben zur Sanierung und Umgestaltung handle. CSU Fraktionsvorsitender Wolfgang Osenstätter „outete“ sich nochmals als Kritiker des Projekts. Stephan Hadulla (Grüne) sagte: "Bei den Summen wird mir langsam schwindlig, das macht mir Angst, das ist nicht mehr verantwortbar." Er könne nicht sehen, wie die Stadt diese Summen alle aufbringen könne. War doch gerade in der Sitzung auch das 4-Millionen-Euro teure Projekt der Güterhallen-Sanierung Thema. Daneben sehe er die Problematik, dass der teure Bau auch zu steigenden Kosten für die Nutzer führen werde. Dies schade dann letzlich der Kultur. Am Beispiel des "NUTS Die Kulturfabrik" und der erfolgreichen Arbeit dort, machte er deutlich, dass das Oberzentrum Traunstein auch in der Kultur keine repräsentative Räumlichkeiten benötige. Er wünsche sich einen "offenen Prozess" um die Kosten herunterzufahren. Ergänzend führte er aus, dass die Klosterkirche als Stadtsaal nur sehr bedingt brauchbar sei, weil sie eine problematische Akustik habe.

Der Oberbürgermeister versuchte die Ängste zu nehmen: Die Maßnahme würde über mehrere Jahre gehen, was zu einer Aufteilung der Kosten auf mehrere Haushaltsjahre führe. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Klosterkirche als sehr altes Objekt auch weitere Risiken in sich berge. Er weise aber zurück, dass die Gesamtmaßnahme für die Stadt Traunstein finanziell nicht tragbar sei. "Mit unserem Haushalt ist das zu schultern, wenn man das Wunschkonzert im Griff hat" sagte das Stadtoberhaupt. Wilfried Schott (Grüne) führte aus: "Mich schreckt das überhaupt nicht." Er sehe eher architektonische Probleme wie zum Beispiel das vorgesehene Treppenhaus. Er hoffe aber bei dieser Gesamtdimmension auf eine breite Mehrheit und Zustimmung, wünsche sich aber gleichzeitig, dass man nochmals "einen Schritt zurück geht", um zu sehen, welche Kosten abgespeckt werden könnten. Dr. Christian Hümmer (CSU) wollte tiefer in die Kostenkalkulation einsteigen. Auch sei ihm die vage Aussage, dass die Städtebauförderung mit im Boot sei, zu wenig. Er wolle hier konkrete Zahlen wissen. Einige Stadträte schreckten sich auch an der Zahl der hohen Baunebenkosten. Diese versuchte Architekt Peter Färbinger vom beauftragten Architekturbüro zu erklären: Bei einem solch diffizielen Objekt seien 20 bis 25 Prozent Baunebenkosten normal, ging er auf die vorgelegte Schätzung von 1,3 Millionen Euro ein.

"Aufgeschaukeltes Projekt"

"Wir haben das Projekt aufgeschaukelt" sagte Zweiter Bürgermeister Hans Zillner. "Dass wir uns das leisten können ist keine Frage. Aber ob die Notwendigkeit dazu besteht, das ist die Frage." Traunstein habe auch als Oberzentrum keine Verpflichtung für die Durchführung der Maßnahme. "Es ist wahnsinnig viel Geld, das uns belastet." Er stelle auch eine Belebung der Ludwigstraße durch die Maßnahme in Frage. 140 Veranstaltungstage habe man bereits jetzt in der im Winter bei kalten Temperaturen schwer nutzbaren Klosterkirche, sagte Oberbürgermeister Kösterke, der die Auswirkungen auf das Stadtviertel als schwer messbar sehe. "Aber es ist unbestritten eine Signalwirkung für die Ludwigstraße." Kämpft diese doch seit Jahren bei steigender Tendenz mit einer Reihe von Leerständen. Man müsse die Innenstadt mit einer Maßnahme wie dieser beleben, das Image einer Stadt werde sich deutlich verändern. Walburga Mörtl-Körner (Grüne) betonte, dass eine solch wichtige Entscheidung nicht nur in einer Arbeitsgruppe besprochen werden könne. Man müsse bei einem solch wichtigen Objekt den gesamten Stadtrat im Rahmen einer Sondersitzung hereinnehmen. Sie beantrage, den Beschlussvorschlag mit einer Sondersitzung des gesamten Stadtrats zu verbinden, um ausführlich das Projekt durchzudiskutieren. 

Ihr Fraktionskollege Wilfried Schott hatte im Vorfeld einen Antrag auf zurückstellen der Entscheidung gestellt, der mit 3:20 Stimmen im Sitzungsverlauf abgelehnt wurde. Der beauftragte Architekt Färbinger machte in seinen Ausführungen deutlich, dass einem zurückdrehen der Planungen Grenzen gesetzt seien. Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner machte ihren Standpunkt deutlich: "Zurückgeschraubt kann nichts mehr werden." Vieles müsse gemacht werden und könne nicht gestrichen werden. Toiletten im ersten Stock beispielsweise, seien in einer Zeit, in der man über Inklusion rede "ein Unding." Man solle das zusammenschreiben, was unbedingt notwendig sei. Ernst Harrecker (CSU) beantragte, man solle jetzt die vorgelegte Planung zu Ende bringen, um konkrete Zahlen zu kennen.

Sondersitzung zur Entscheidungsfindung beschlossen

Im Nachgang der umfangreichen Aussprache stimmten die Räte gleich über fünf Punkte ab. In der mit genehmigten Vorentwurfsvariante sind unter anderem ein Treppenturm , eine Beibehaltung der Pausenhofflächen der angrenzenden Ludwig-Thoma-Grundschule und ein gläsernes Foyergebäude vorgesehen. Mit 18:6 stimmen entschied sich der Rat für die Entwurfsplanung, erteilte aber mit 14:10 Stimmen der Kostenschätzung von 7,47 Millionen Euro eine Absage. Gleichzeitig ermächtigte man die Verwaltung die Mittel in die entsprechenden Haushaltsjahre bereitzustellen und Planer und Projektanten mit der nächsten Bearbeitungsstufe zu beauftragen. Um sich aber tiefer in das Konzept hineinzuarbeiten und eine verbindliche Entscheidung herbeizuführen, wurde mit 21:3 Stimmen eine Sondersitzung des Stadtrates beschlossen.

Andreas Wittenzellner

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