Plädoyers im Prozess gegen Messerstecher von Neumarkt-St.Veit

Staatsanwalt fordert lebenslänglich - Urteil am 30. März!

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Traunstein/Neumarkt St.-Veit - Tag vier im Prozess gegen den mutmaßlichen Messerstecher von Neumarkt St. Veit am Landgericht in Traunstein ist vorbei. Die Plädoyers sind gesprochen:

UPDATE, 12.56 Uhr: Urteil soll am 30. März fallen

Auch der Nebenkläger fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe. In seiner Begründung dafür geht er insbesondere auf die Opfer ein, die nun Zeit ihres Lebens an diesen Tag der Tat erinnert werden würden. Sie bräuchten ja nur in den Spiegel zu schauen und die bleibenden Narben zu sehen. Besonders bedauerlich für die Opfer sei es, dass sich der Angeklagte selbst nicht in der Hauptverhandlung geäußert hat.

Während der Plädoyers sitzt der Angeklagte immer noch stoisch schweigend mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank.

Der Verteidiger sieht die Voraussetzung nicht, dass die Tat eine von langer Hand geplant war. Er sieht es als Kurzschlusshandlung aufgrund einer Verkettung von Umständen die erst wenige Tage zuvor gipfelten. Er fordert für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren.

Die Verhandlung wurde vertagt, das Urteil soll am 30. März fallen. Chiemgau24.de berichtet dann wie gewohnt aktuell aus dem Gerichtssaal.

UPDATE, 12.05 Uhr: Staatsanwalt fordert Haftstrafe

Der Staatsanwalt geht darauf ein, wie diese Taten juristisch zu bewerten sind. Hier handle es sich um zwei einzelne Taten mit klarem Tötungsvorsatz. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei gegeben wie auch weitere niedrige Beweggründe. Dazu käme das Merkmal Habgier, das für den Raub stehe.

Im Strafmaß spreche alles für einen versuchten Mord in beiden Fällen in Tatmehrheit mit mehreren weiteren Taten. Er fordert eine lebenslange Haftstrafe.

Richter Erich Fuchs tritt noch einmal in die Beweisaufnahme ein und verliest einen Bericht der Ermittlungsbehörden zum Telefonat der Ersthelferin mit der Rettungsleitstelle kurz nach der Tat.

UPDATE, 11.30 Uhr: Angeklagter hat die Tat vorbereitet 

Der Staatsanwalt geht auf den Tötungsvorsatz ein, der hier gegeben sei. Insbesondere, weil der Angeklagte beide Opfer fixieren musste, um ihnen die Verletzungen zufügen zu können und weil er ihnen mit aller Kraft ins Haus folgen wollte, als die beiden Opfer flohen, sei dieser Vorsatz gegeben. 

Weiter stehe auch fest, dass er nach der Tat versucht hat, Spuren zu verwischen. Auch zitiert der Staatsanwalt noch einmal die Aussage der Ex-Freundin, wonach der Angeklagte am Tattag die Wohnung verlassen haben soll "um Wut abzulassen". Letztendlich habe der Angeklagte die Tat vorbereitet indem er die fünf Messer mitnahm.

UPDATE, 11.20 Uhr: Die Beweisaufnahme ist geschlossen

Den Antrag der Verteidigung auf ein zweites Gutachten zur Person des Angeklagten hat die Kammer abgelehnt. "Das Gegenteil der Behauptung des Verteidigers in diesem Antrag ist bereits bewiesen". Die Beweisaufnahme ist geschlossen.

Der Staatsanwalt beginnt seinen Schlussantrag. Er beschreibt noch einmal den Hergang und die Zusammenhänge mit der Trennung von der Freundin und die finanzielle Situation des Angeklagten, wie sie aus den Ermittlungakten, hervorgehen und wie sie sich im Laufe der Hauptverhandlung gezeigt und welche Rückschlüsse man daraus ziehen kann.

UPDATE, 10.10 Uhr: Staatsanwalt lehnt erneuten Beweisantrag ab

Nach einer kurzen Unterbrechung stellt das Gericht fest, dass die Verteidigung formal behaupten muss, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass ein zweites Gutachten verminderte Schuldfähigkeit feststellt.

Der erste Gutachter spricht auf Frage von Richter Erich Fuchs noch einmal davon, dass er auch im Rahmen der bisherigen Hauptverhandlung keine Erkenntnisse dafür beim Angeklagten habe finden können, insbesondere weil der Angeklagte selbst in der Hauptverhandlung keine Angaben macht. Auch werde er in Haft nicht mit entsprechenden Medikamenten behandelt, die eine dauerhafte depressive Störung erkennen lassen würden.

Der Staatsanwalt lehnt den erneuten Beweisantrag des Verteidigers ab. Er sehe keinen Grund dafür. Der Nebenkläger gibt keine Stellungnahme ab, macht lediglich eine Bemerkung.

Die Sitzung wurde nochmal unterbrochen, damit sich das Gericht zur Entscheidung des Beweisantrages zurückziehen kann.

UPDATE, 9.50 Uhr: Verteidiger sieht erstes Gutachten als ungeeignet 

Jetzt stellt der Verteidiger Antrag auf ergänzende Prüfung der Schuldfähigkeit des Angeklagten. In diesem Antrag, den er verliest, spricht der er davon, dass das erste Gutachten ungeeignet sei. Die Verhandlung wurde kurz unterbrochen.

Wenige Minuten zuvor hatte der Sachverständige zur Psyche des Angeklagten noch ausgeführt, dass das hier vorliegende Tatverhalten nichts mit einer pathologischen psychologischen Störung im seiner der medizinischen Nomenklatur zu tun habe. Im weiter gefasst Sinne könne man natürlich sagen: "Jeder war schon mal depressiv aufgrund von prägenden Ereignissen in der eigenen Lebenslinie."

UPDATE, 9.25 Uhr: Verteidigung befragt Sachverständigen

Der vierte Prozesstag beginnt mit Fragen der Verteidigung an den Sachverständigen, der zuletzt sein Gutachten zur Person des Angeklagten vorgestellt hatte. Der Verteidiger will wissen, wie die Verständigung bei dem Angeklagten war, da beim Termin kein Dolmetscher anwesend war. Der Sachverständige berichtet, dass das Gespräch auf Deutsch geführt wurde, der Angeklagte aufgeklärt wurde, dass er nichts sagen müsse, wenn er nicht wolle. Er sei sich bewusst darüber gewesen und habe eingewilligt und es sei eine auf beiden Seiten verständliche Kommunikation zusammengekommen.

Der Verteidiger will wissen, inwieweit der Sachverständige den Angeklagten in punkto depressiven Erscheinungsbildes einordnet könne und auf welcher Basis - insbesondere vor dem Hintergrund der gescheiterten Beziehung des Angeklagten zu seiner Ex-Freundin sowie seiner finanziellen Situation.

Dass die Tat aus einer tieferen Bewusstseinsstörung beim Angeklagten entstanden sei, sehe er nicht, so der Sachverständige.

Erstmeldung, 7.18 Uhr: Prozess geht weiter

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Messerstecher von Neumarkt St. Veit vor dem Landgericht Traunstein wird am Donnerstagvormittag fortgesetzt. Am Ende des dritten Prozesstages hatte Richter Erich Fuchs die Anwälte angewiesen, ihre Plädoyers vorzubereiten. Zuvor wird insbesondere von der Verteidigung noch einmal ein Sachverständiger zu Details aus dessen Gutachten über den Angeklagten befragt. Ob das Urteil heute fällt, steht noch nicht fest. Chiemgau24.de berichtet aus dem Gerichtssaal.

Vorbericht:

Mit einem Rasiermesser soll der Angeklagte am Nachmittag des 27. Juni 2016 in den Garten eines Hauses in Neumarkt-St. Veit eingedrungen sein und eine Bewohnerin des Hauses, die nichtsahnend auf der Terrasse saß, angegriffen haben.

"Der Angeschuldigte trat von hinten an die Geschädigte heran und packte sie mit der linken Hand an den Haaren und hielt ihr das Rasiermesser an die rechte Halsseite", so die Staatsanwaltschaft unter anderem am ersten Prozesstag. Mit dem Eintritt in die Hauptverhandlung sprachen die beiden Geschädigten Frauen (Mutter und Tochter) zum Erlebten.

Am zweiten Prozesstag wurden weitere Zeugen gehört wie etwa eine Nachbarin, die gleichzeitig Ersthelferin war. Eine andere Anwohnerin in dieser Straße in Neumarkt St.-Veit berichtete, dass sie ihn an diesem Tag noch gesehen hatte auf seinem Fahrrad und identifizierte ihn und den Rucksack, den er damals dabei hatte noch einmal im Gerichtssaal. Am dritten Prozesstag sprachen noch einmal Zeugen, wie etwa die Ex-Freundin des Angeklagten oder auch seine Tante. Weiter wurden mehrere Sachverständige gehört.

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