Pollinger Eltern wegen sexuellem Missbrauch vor Gericht

Gutachter: Pädophile Neigung beim Vater

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Traunstein/Polling - Kindesmisshandlung, Verletzung der elterlichen Fürsorgepflicht, schwerer sexueller Missbrauch: Der Prozess gegen ein Ehepaar aus Polling wird am Freitag fortgesetzt.

UPDATE, 12.55 Uhr: Gutachter spricht

Nach der erneuten Unterbrechung verliest die Anwältin der Angeklagten eine ergänzende Erklärung. Sie habe die Stockschläge ihres Mannes gesehen sowie die fraglichen Drohungen dessen gehört.

Danach wird der damalige Ermittlungsrichter am Amtsgericht Mühldorf gehört. Er hatte die beiden Jungen befragt. Noch einmal geht es darum, was die Kinder erzählt haben.

Dann spricht der psychiatrische Sachverständige zuerst über den Angeklagten. Der habe ihm im Rahmen der Arbeiten am Gutachten berichtet, dass er in seiner Kindheit öfter geschlagen wurde. Nach der Wegnahme seines letzten Sohnes habe er sich depressiv gefühlt. Er sei ein sexueller Spätzünder, soll der Angeklagte auch gesagt haben. Aus psychiatrischer Sicht zeige der Angeklagte laut Gutachten bis auf eine vorliegende pädophile Strömung keine größeren Auffälligkeiten.

Zur Angeklagten berichtet der Gutachter, sie habe ihm von einer konfliktgeladenen Kindheit erzählt. Bereits als Vierjährige sei sie in Kontakt mit Vertretern vom Jugendamt gekommen. Der Gutachter vermutet, dass sich über die Jahre eine Aversion gegen derart staatlichen Eingriff bei der Angeklagten entwickelt hat. Die Angeklagte war bereits einmal in psychiatrischer Behandlung. Der Gutachter spricht bei ihr von einem Schwarz-Weiß-Denken, das sich manifestiert habe. Allgemein sei der Befund bei ihr aber unauffällig. Wie beim Angeklagten kann er auch bei der Frau keine psycho-pathologische Störungen feststellen, auch für den Tatzeitraum nicht. 

Der Prozess wurde gegen Freitagmittag auf kommenden Dienstag vertagt.

UPDATE, 11 Uhr: Angeklagter gesteht

Nach der Pause wegen des Rechtsgespräches gibt der Vorsitzende einen Strafrahmen bekannt mit minimal 3 Jahren und 6 Monaten bis maximal 4 Jahren für den Angeklagten, sollte der alle Taten gestehen, um so den Kindern eine erneute Befragung vor Gericht zu ersparen. 

Danach verliest der Verteidiger die Erklärung seines Mandanten: Der räumt alle Misshandlungen ein, auch die Stockschläge in einer nicht mehr genau auszumachenden Anzahl. Auch den sexuellen Missbrauch räumt er ein. "Ich möchte meinen Kindern weitere Belastungen ersparen." Der Vorsitzende Richter fasst diese Erklärung als vollumfängliches Geständnis im Sinne der Anklage zusammen. Der Angeklagte sagt dazu, dass er seine Taten wohl verdrängt habe. 

Die Sitzung wird erneut unterbrochen.

UPDATE, 10.05 Uhr: Angeklagte legt Teilgeständnis ab

Die Verteidigerin der Angeklagten verliest eine Erklärung ihrer Mandantin. Diese räumt wesentliche Teile der gegen sie vorliegenden Vorwürfe ein. Sie sei überfordert gewesen in der damaligen Situation, habe psychische Probleme. Die Zustände in punkto Wohnsituation seien so gewesen, wie mehrere Zeugen bereits berichtet hatten. 

Sie habe ihre Kinder mit der flachen Hand auf verschiedene Körperteile geschlagen. Von Misshandlungen ihres Mannes an den Kindern wisse sie auch, habe etwaige Handlungen teilweise gesehen. Von Stockschlägen wisse sie nichts, ebenso nicht wie von sexuellem Missbrauch. Sie habe ihre Kinder lieb und wolle ihnen ein Erscheinen zur Aussage vor Gericht ersparen

Die Sitzung wurde kurz unterbrochen. Vorausgegangen war die Nachfrage des Vertreters der Nebenkläger. Wenn sie nämlich die Stockschläge nicht gesehen haben will, dann müsse man die Kinder doch vorladen. 

Nach der kurzen Pause spricht die Verteidigerin der Angeklagten in deren Namen: Die könne sich an die fraglichen Taten nicht erinnern bzw. sich nicht erinnern, davon gesehen oder gehört zu haben. Die Verhandlung wird für ein zweites Rechtsgespräch hin unterbrochen.

Vorbericht:

Zunächst war man seitens des Jugendamtes davon ausgegangen, die späteren Angeklagten wären mit den vier Kindern und der entsprechenden elterlichen Fürsorgepflicht überfordert gewesen. Teilweise unangekündigte Hausbesuche sowie die Reaktionen der heutigen Eheleute auf die vielfältigen Hilfsangebote – zwei Zeuginnen vom Amt für Jugend und Familie am Landratsamt Mühldorf erzählten am ersten Prozesstag jeweils von dem Zeitpunkt an, als sie es mit den jetzigen Angeklagten zu tun bekommen hatten. Von einem unorganisierten Haushalt ist dabei die Rede, einem Haus mit baulichen Mängeln, einer teilweise nicht funktionierenden Heizung, von Eltern, die einmal mitgemacht haben bei den Maßnahmen seitens der Familienhilfe, sich das nächste Mal aber wieder auf stur stellten. „Obwohl man deutlich hören konnte, dass jemand da ist, hat niemand aufgemacht“, berichtete eine Zeuginam ersten Tag der Hauptverhandlung.

Bis die Alarmglocken schrillten:

Als die ersten beängstigenden Meldungen beim Jugendamt eingingen, schrillten dort die Alarmglocken: Verletzungen an den Körpern der Kinder waren aufgefallen nebst deren teilweise sehr verstörtem Verhalten. Später hatten sie sich offenbar mitteilen wollen und sie haben das auch irgendwann gemacht. Von „Ich will nicht mehr nach Hause, nie mehr“ bis hin zu „Ich wünsche mir neue Eltern, welche die mich lieb haben“, gehen die Berichte der Zeuginnen und des Zeugen über die Aussagen der Kinder.

Besonderer Fokus lag am ersten Prozesstag auf den Berichten der beiden Jungs. Davon, dass der Papa sie „angepieselt“ hätte und auch von „Bisi lutschen“. Die Zeugenaussagen am ersten Prozesstag sprechen eine deutliche Sprache und gleichen sich in den wesentlichen Punkten. 

Bestialische Strafen?

Die Kinder haben diese Sachen offenbar unabhängig voneinander immer wieder so erzählt, jedes dabei natürlich in den jeweils eigenen Details je nach Wissenstand des jeweiligen Kindes und was ihm selbst widerfahren ist. So hat der Vater die Kinder anscheinend auch regelmäßig geschlagen, teilweise bestialische Strafen ausgesprochen, was passiert, wenn sie nicht tun, was er will. Die Mutter war offenbar eher passiv, soll zugesehen und teilweise aber auch selbst geschlagen haben.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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