Urteil im Mordprozess UM BRUTALE BLUTTAT gefallen

Herrmann begrüßt Urteil gegen Christen-Mörder von Prien

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Traunstein/Prien - Der Prozess um die tödlichen Messerstiche vor einem Priener Supermarkt ist zu Ende: Am Montag haben Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung ihre Plädoyers gehalten, am Freitag um kurz nach 10 Uhr fiel das Urteil:

UPDATE, 14.01 Uhr: "Ebenso harte wie gerechte Strafe"

Innenminister Joachim Herrmann hat das heutige Urteil des Landgerichts Traunstein gegen den Mörder von Prien am Chiemsee begrüßt. Der zu einer lebenslangen Haftstrafe Verurteilte hatte sein Opfer, eine 38 Jahre alte Frau, im April 2017 an einem Supermarkt in Prien am Chiemsee grausam erstochen. 

Die Getötete war zuvor zum Christentum übergetreten. Herrmann: „Die lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sind eine ebenso harte wie gerechte Strafe. Die Botschaft ist ganz klar: Wir werden religiös motivierte Gewalt und Hass gegen Christen in unserem Land auf keinen Fall dulden. Ein Übertritt vom Islam zum Christentum muss in unserem Land von ausnahmslos jedem akzeptiert werden.“ 

Herrmann fordert Toleranz

Der Innenminister machte mit Blick auf das Urteil klar, dass Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen zu den unabdingbaren Grundsätzen unseres Zusammenlebens gehören. Herrmann: „Wer in unser Land kommt, muss bereit sein, das anzunehmen und sich entsprechend zu integrieren. Integration in Deutschland bedeutet ohne ‚Wenn und Aber‘, die christlich-abendländische Wertekultur zu tolerieren. 

Wer hier leben will, muss sich zwingend von seiner christenfeindlichen Gesinnung verabschieden, sonst ist er in unserem Land schlicht nicht willkommen.“ Hermann betonte, dies sei kein bloßer Wunsch, sondern eine zwingende Forderung. „Wir wollen nicht, dass Deutschland zum Rückzugsort von Tätern wird, die in ihrem Heimatland Christen oder beispielweise auch Menschen jüdischen Glaubens verfolgen“, so Herrmann.

Pressemeldung des bayerischen Innenministeriums 

Update, 10.45 Uhr: 

Wieder großer Medien- und Besucherandrang im Gerichtssaal. Richter Erich Fuchs betritt den Raum und verkündet das Urteil: Der Angeklagte wird zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Außerdem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Verteidiger Harald Baumgärtl hatte im Plädoyer beantragt, auf die besondere Schwere der Schuld zu verzichten. Er kündigte an, gegen das Urteil in Revision zu gehen.

Die Begründung des Urteils:

Vorsitzender Richter Fuchs ging zunächst auf das Leben des Angeklagten ein. Anschließend schilderte er den Tathergang. Demnach soll der Angeklagte das Opfer von hinten attackiert und sie mit zahlreichen Messerstichen getötet haben. Passanten hätten den Beschuldigten zunächst nicht davon abhalten können, bis er schließlich überwältigt werden konnte. Er habe in direktem Tötungsvorsatz gehandelt. Ihm sei bewusst gewesen, dass das Opfer völlig arglos war und habe das ausgenutzt.

„Dabei war er völlig kaltblütig. Ihm war vollkommen gleichgültig, dass sich die beiden Söhne und Zeugen in unmittelbarer Nähe aufgehalten haben.“ Der Angeklagte habe das Mordmerkmal der Heimtücke und der niederen Beweggründe erfüllt, so Fuchs weiter.

Der Angeklagte lauscht den Ausführungen des Richters, spricht aber immer wieder dazwischen, weswegen der Richter ihn ermahnen musste. Es ist keine Einsicht beim Angeklagten zu erkennen. Immer wieder grinst er hämisch während Fuchs die Begründung verliest.

Die Angehörigen sind bei der Urteilsverkündung sichtlich mitgenommen. Der Bruder der Getöteten brach nach der Verhandlung zusammen.

Die Frage nach dem Motiv:

Zum Motiv äußerte sich Hamidullah M. in der Hauptverhandlung nicht. Die Schlüsse des Gerichts zum Tatmotiv sind, dass der Angeklagte Moslem sei und ihn das Opfer mehrfach aufgefordert habe, den Glauben zu wechseln; dies habe der Angeklagte dem Gutachter gegenüber geäußert. „Er hat missbilligt, dass jemand den Glauben wechselt“, so Fuchs.

Für das Gericht sei die Triebfeder des Mordes Wut und Verärgerung des Angeklagten darüber, dass ihn eine Frau wegen ihrer neuen Religion angesprochen hat. „Die Tötung eines Menschen wegen seiner Religion steht auf niedrigster Stufe. Dem Angeklagten war bewusst, dass in Deutschland Religionsfreiheit herrsche und man sich hier über seine Religion äußern darf“, so Fuchs. Es handle sich um eine Tötung aus niederen Beweggründen. Das Opfer habe sich integriert und war in ihrer neuen Heimat angekommen. Der Angeklagte sei nicht in der Lage gewesen, angemessen Deutsch zu lernen, habe sich nicht integriert und es nicht verkraftet, dass alle anderen an ihm vorbeigezogen sind. Er selbst sei stehengeblieben und nicht weitergekommen.

Nach dem Ablehnungsbescheid habe sich eine erhebliche Wut aufgestaut. Ihm sei bewusst gewesen, dass er in seiner Heimat auch als Verlierer dagestanden hätte. Laut Richter handle es sich um ein Motivbündel.

Der Angeklagte sei zunächst wegen des Verdachtes auf Schizophrenie untersucht worden, was sich nicht bestätigt habe. „Das Handeln des Angeklagten war zielgerichtet, er war sich völlig bewusst was er da tut.“ Die rechtliche Folge für Heimtücke sei die lebenslange Haft.

„Der Angeklagte hat vier Kindern die Lebensgrundlage genommen. Es ist sicher fürchterlich für kleine Kinder die Mutter zu verlieren. Schlimmer wird es noch, wenn sie Opfer eines Verbrechens wird. Ganz fürchterlich wird es, wenn man das selber mit ansehen muss. Die Kinder sind erheblich traumatisiert und werden die Bilder ein Leben lang nicht aus dem Kopf bekommen. Das hat der Angeklagte zu verantworten und darüber kann er auch die nächsten Jahre nachdenken“, sagt der Richter.

Die Mordmerkmale der Heimtücke und der niederen Beweggründe seien erfüllt. Allein deshalb sei die besondere Schwere der Schuld gegeben.

Update 10.10 Uhr: Urteil gefallen

Das Urteil ist gefallen: der Angeklagte wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. 

Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Weitere Infos folgen in Kürze.

Vorbericht

Zwei Verhandlungstage dauerte die Beweisaufnahme im Prozess gegen den 30-Jährigen Asylbewerber Hamidullah M. aus Afghanistan, der im April 2017 seine Landsfrau Farimah S. mit zahlreichen Messerstichen vor einem Priener Supermarkt getötet haben soll. Am dritten Verhandlungstag wurden die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer Tat, die einer öffentlichen Hinrichtung gleich komme. Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner forderte lebenslange Haft für den Angeklagten. Außerdem beantragte er die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Er sei der Auffassung, dass die Beweisaufnahme die Bestätigung aller Anklagepunkte erbracht habe.

Mordprozess von Prien:

- 1. Tag: Angeklagter und Augenzeugen sprechen

- 2. Tag: Die älteren Söhne des Opfers sagen aus

Die Nebenklagevertreterinnen, Rechtsanwältin Stephanie Vogt und Rechtsanwältin Ute Staudacher, beide aus Karlsruhe, sind der gleichen Auffassung. Auch sie fordern lebenslange Haft und die besondere Schwere der Schuld festzustellen. „Jemandem sein Lebensrecht aus Glaubensgründen abzusprechen, steht auf unterster Stufe", sagte Vogt in ihrem Plädoyer. "Er hat darüber entschieden, ob Farimah leben darf. Er hat sich zum Scharfrichter aufgespielt“, was als besonders niedrig anzusehen sei.

Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim hingegen sei der Auffassung, dass das  Motiv für die Tat nach der Beweisaufnahme im Großen und Ganzen offen sei. Die Frage, ob ein anderer Glaube der Grund gewesen sein muss, sei nicht so eindeutig zu beantworten, so dass niedere Beweggründe nicht unbedingt gegeben sein müssen. Aus seiner Sicht liegen die Voraussetzungen für eine besondere Schwere der Schuld nicht vor. 

Der Prozess vor dem Landgericht in Traunstein wird um 10 Uhr fortgesetzt, chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

Aus dem Archiv:

Bilder vom Tatort am Lidl-Supermarkt

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