Vergewaltigungs-Prozess in Traunstein

Bauchschmerzen: Schnaitseer nicht mehr verhandlungsfähig

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Der Angeklagte (re.) mit seinem Verteidiger Dr. Vincent Burgert.
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Traunstein/Schnaitsee - Am Montag, 22. Januar, stand ein junger Schnaitseer vor Gericht. Der Vorwurf: Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen unter der Verwendung von gefährlichem Werkzeug.  Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

UPDATE, 16.22 Uhr: Ende des ersten Prozesstages

Der Prozess wird aufgrund des schlechten gesundheitlichen Zustands des Angeklagten am frühen Montagabend unterbrochen. Landgerichtsarzt Fredi Watzlawik stellte bei dem 34-Jährigen eine Verhandlungsunfähigkeit fest. Tatsächlich wirkt das Gesicht des 34-Jährigen blass, er klagt über Bauchschmerzen. Richter Erich Fuchs bricht den ersten Prozesstag aufgrund dessen frühzeitig ohne Anhörung der zweiten Geschädigten oder weiterer Zeugen ab. 

Die Verhandlung wird voraussichtlich am Donnerstag, den 25. Januar, fortgesetzt. Es werden dann die Aussagen von Gutachtern, polizeilichen Zeugen sowie der zweiten Geschädigten gehört.

UPDATE, 15.30 Uhr: Aussage der ersten Geschädigten

Die erste Geschädigte schildert die Tat aus ihrer Sicht: Sie habe am 15. Juni einen Chat mit dem Angeklagten begonnen. Es sei „relativ schnell“ klar geworden, dass die Konversation „wohl auf Sex in Form eines One-Night-Stands herauslaufen“ würde.

Der 34-Jährige habe die junge Frau tags drauf mit dem Auto abgeholt, dann seien sie in die Wohnung des Schnaitseers gefahren. Dort sei es zuerst zu einvernehmlichem Sex gekommen, bis der Angeklagte begonnen habe, sie zu schlagen und zu beißen. Trotz bitten ihrerseits, er möge aufhören, habe der 34-Jährige mit den Handlungen weitergemacht. Zudem habe er ihr die Luft abgedrückt; das Atmen sei ihr schwer gefallen.

Sie habe versucht, sich gegen die Bisse und Schläge zu wehren, allerdings ohne Erfolg. Dann habe sie nur mehr „funktioniert“. Sie sei mit der Situation „überfordert“ gewesen und habe es „über sich ergehen“ lassen. „Ich habe in dem Moment nicht an eine Vergewaltigung gedacht. Ich habe nicht realisiert, was da jetzt genau passiert ist“, so die geschädigte 21-Jährige.

Nach dem Sex habe sie im Spiegel die Wunden an ihrem Körper entdeckt und den Wunsch geäußert, nach Hause zu wollen. Der Angeklagte erwiderte, er habe bekommen, was er hätte haben wollen, würde sie jetzt in Ruhe lassen und am nächsten Tag heimfahren. Daraufhin sei sie über Nacht geblieben, auch weil es ihr unangenehm gewesen sei, ihre Familie oder Bekannte zu kontaktieren. Am nächsten Morgen habe der Angeklagte erneut sexuelle und gewalttätige Handlungen durchgeführt.

Neben den körperlichen Verletzungen, die rund zwei Wochen lang nach der Tat sichtbar gewesen seien, sei ihr psychischer Zustand seit der Tat labil. Sie leide an Angstzuständen und Panikattacken und werde fachgerecht betreut. Sie sehne das Ende der Verhandlung herbei.

Die Schilderungen der Zeugin verfolgt der Angeklagte regungslos und mit gesenktem Kopf.

UPDATE, 13.14 Uhr: Prozess wird immer wieder unterbrochen

Die Geschädigten hätten laut dem ersten Zeugen nach der Mittagspause, einem Kriminalbeamten, bei den Polizeiinspektionen Wasserburg und Mühldorf jeweils unabhängig voneinander im Juni 2017 - nur wenige Tage nach den mutmaßlichen Taten - eine gewalttätige Vergewaltigung angezeigt. Es habe sich um zwei Fälle gehandelt, die erst im Nachhinein zusammengeführt worden seien.

Der Polizeibeamte erklärte, der Fall des Schnaitseers sei ihm zugeordnet worden, da er den Angeklagten aus dienstlichen Gründen bereits gekannt habe. Er habe schon einmal im Jahr 2015 wegen sexueller Belästigung und Nötigung gegen den jetzt 34-Jährigen ermittelt. Das Verfahren sei jedoch eingestellt worden.

Im Laufe der Ermittlungen seien Spuren bei der Durchsuchung der Schnaitseer Wohnung gesichert worden. Der Angeklagte habe einen „unauffälligen und ruhigen Eindruck“ auf den Beamten gemacht.

Der erste Prozesstag ist durchzogen von langen Pausen. Rund eine halbe Stunde lang beriet das Hohe Gericht, ob einem Antrag von Nebenklagevertreter Axel Reiter über den Ausschluss der Öffentlichkeit, der Presse und des Angeklagten während der Vernehmung der ersten Geschädigten stattgegeben werde. Seine Mandantin leide laut Reiter seit des Vorfalls unter Angstzuständen, ihr psychischer Gesundheitszustand sei labil.

Der Antrag auf Ausschluss des Angeklagten wurde abgewiesen. Nach Ansicht des Vorsitzenden Richters Erich Fuchs seien die Voraussetzungen für eine wiederholte Traumatisierung bei der Geschädigten nicht gegeben. Dafür würden die ärztlichen Bescheinigungen nicht ausreichen. Die Öffentlichkeit wurde ausgeschlossen, da die Zeugen-Schilderungen sehr persönlich und intim seien. Die Presse wurde ausdrücklich auf eine schonende Berichterstattung hingewiesen.

UPDATE, 11.09 Uhr: Stand Angeklagter bei Vergewaltigungstat unter Drogeneinfluss?

Rund eine Stunde später als angedacht, um kurz nach 10 Uhr, eröffnet der Vorsitzende Richter Erich Fuchs den Prozess gegen den gebürtigen Eggenfelder. Staatsanwältin Veronika Ritz verliest die Anklageschrift. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll es am 16. und 17. Juni zu den sexuellen Vorfällen in der Wohnung des 34-Jährigen in Schnaitsee gekommen sein. Den Treffen seien Chats über eine Dating-App vorausgegangen.

Nach einvernehmlich sexuellen Handlungen habe der Angeklagte plötzlich begonnen, die erste Geschädigte am Abend des 16. Juni zu schlagen, zu beißen und gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr fortzuführen. Tags drauf sei die Geschädigte von erneuter sexueller Belästigung und durch gewalttätige Handlungen erwacht. Am selben Tag habe sich der Angeklagte mit einer zweiten Frau in seiner Wohnung verabredet und diese ebenfalls vergewaltigt.

Die Staatsanwaltschaft hält wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten. Der Angeklagte habe gewusst, dass die beiden Geschädigten, die er zuvor nicht gekannt habe, jeweils nicht mit dem Sex einverstanden waren und dass er ihnen durch seine Handlungen Schmerzen zufügen würde. Der 34-Jährige sei deshalb der Vergewaltigung mit Waffen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung in zwei Fällen jeweils in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung anzuklagen.

Verteidiger Dr. Vincent Burgert erklärt gegenüber dem Vorsitzenden Richter, der Angeklagte wolle sich weder zur Tat noch zu seinen persönlichen Umständen äußern. Wie Dr. Burgert weiter ausführt, sei sein Mandant bei der Tatausführung unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gestanden.

UPDATE, 10.30 Uhr - Verzögerung wegen Schneechaos

Der Prozessbeginn verzögert sich um rund eine Stunde. Verteidiger und geladene Gutachter verspäten sich aufgrund des Schneechaos auf den Straßen und der Störungen im Zugverkehr.

Der Vorbericht:

Über die Online Dating App "Lovoo" habe sich der Angeklagte im Juni 2017 nach einem kurzen Chat-Smalltalk mit je einer Frau verabredet. Beide habe er zuvor nicht gekannt. Von Anfang an sei klar gewesen, dass es auf eine sexuelle Begegnung herauslaufen würde, so die Ansicht der Staatsanwaltschaft. In der Anklageschrift heißt es weiter, der 34-jährige gebürtige Niederbayer habe die beiden Damen zu sich in die Wohnung in der Gemeinde Schnaitsee geladen. 

Erst einvernehmlicher Sex - dann Bisse, Schläge und eine weitere Vergewaltigung? 

Nachdem es am 17. Juni gegen Mitternacht mit der ersten Frau zuerst zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen gekommen sei, habe er gegen den Willen der Geschädigten plötzlich angefangen, diese mit der flachen Hand zu schlagen und in die Brust zu beißen. Obwohl die Geschädigte vor Schmerz schrie, er solle aufhören, habe der Angeklagte weiterhin ungeschützte sexuelle Handlungen - sowohl oral als auch anal - fortgeführt. Währenddessen soll er der Frau mehrmals in Bauch und Oberschenkel gebissen haben. Zusätzlich soll er die Geschädigte mit einem T-Shirt gewürgt haben. Nach dem Akt sei er vor Erschöpfung eingeschlafen. 

Am nächsten Morgen sei die Frau aufgewacht, als der 34-Jährige erneut sexuelle und gewalttätige Handlungen ohne ihr Einverständnis durchgeführt hätte. Die Frau habe bei der Tortur mehrere Blutergüsse an ihrem Körper und starke Schmerzen erlitten.

Vergewaltigung einer weiteren Frau nur wenige Stunden später? 

Am selben Tag habe sich der Angeklagte gegen Mittag mit einer zweiten Frau in seiner Wohnung verabredet - um zu kochen und einen Film gemeinsam ansehen zu wollen. Während der Film gelaufen sei, habe der 34-Jährige begonnen, sich der Frau sexuell zu nähern und Proteste von ihrer Seite aus ignoriert. Es sei zum nicht einvernehmlichen ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen. Die Geschädigte soll durch die Vergewaltigung starke Schmerzen erlitten haben. 

Der Angeklagte habe bei beiden Frauen gewusst, dass die Geschädigten nicht mit dem Sex einverstanden waren und dass er ihnen durch seine Handlungen Schmerzen zufügen würde.

Die Staatsanwaltschaft klagt den 34-Jährigen der Vergewaltigung und Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug in zwei Fällen an. 

Der Prozess beginnt am 22. Januar um 9 Uhr am Traunsteiner Landgericht. Es sind drei Fortsetzungstermine angesetzt. Ein Urteil wird am 1. Februar erwartet. 

**chiemgau24.de berichtet direkt aus dem Gerichtssaal in Traunstein** 

mb

Anmerkung der Redaktion: Die Kommentarfunktion unter diesem Artikel ist aus Rücksichtnahme auf die geschädigten Frauen deaktiviert. Wir bitten um Verständnis.

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