Prozess wegen Messerattacken auf Frauen

Gewalt, Alkohol, rechte Szene: Die Vorstrafen des Waldkraiburgers

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Am 31. Dezember 2018 verletzte ein heute 38-Jähriger zwei Frauen in Waldkraiburg mit einem Messer. Nun muss er sich vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

Traunstein/Waldkraiburg - Seit Donnerstag, den 14. November, muss sich Thomas L. vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Am 31. Dezember 2018 soll er zwei Frauen mit einem Messer verletzt haben - eine davon sogar lebensgefährlich. Im Prozess am Montag kommen schreckliche Details ans Licht:

Update, 16.15 Uhr: 13 Einträge im Vorstrafenregister

Nun geht das Gericht ans Vorstrafenregister von Thomas L. Ganze 13 Einträge finden sich, vor allem immer wieder Körperverletzungen. Aber auch wegen Diebstahls, Beleidigung, Bedrohung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Wohnungseinbruchs, Trunkenheit im Verkehr oder Fahren ohne Fahrerlaubnis gibt es schon Vorstrafen.


Von einer "enormen Rückfallgeschwindigkeit" war in früheren Urteilen, unter anderem am Amtsgericht Traunstein, schon die Rede. Zuletzt wurde er dort im November 2015 verurteilt. Er hatte seine damalige Freundin gewürgt und gegen einen Türstock geschlagen, danach die Polizisten beleidigt und ihnen mit dem Tod gedroht.

Außerdem fällt auf, dass der Waldkraiburger bei vielen der Straftaten unter Alkoholeinfluss stand. Frühere Gutachten stufen ihn als alkoholkrank ein. Laut einem älteren Gerichtsurteil soll er auch schon mal zu Brennspiritus gegriffen haben. Der Angeklagte habe auch schon mit Marihuana, aber auch harten Drogen zu tun gehabt. Ein Suizidversuch mit Tabletten und Alkohol wird bei der Verlesung der alten Urteile ebenfalls erwähnt.


Weitere Gerichtsurteile der vergangenen Jahrzehnte rechnen den Mann außerdem der rechten Szene zu. Passend dazu soll er schwarze US-Soldaten wiederholt als "Nigger" bezeichnet haben. Die Plädoyers im jetzigen Fall werden am 28. November gehalten, mit einem Urteil wird am 29. November gerechnet.

Update, 13 Uhr: Gerichtsmediziner schildert schreckliche Verletzungen

Die detaillierten Ausführungen des Gerichtsmediziners Fritz Priemer lassen einen schaudern. Der Gutachter zählt dem Landgericht nun auf, welche Verletzungen die beiden Frauen davontrugen, die ihnen der Angeklagte Thomas L. in der Silvesternacht zugefügt haben soll. Ganze acht Schnitte ins Gesicht bekam die Ex-Freundin des Angeklagten ab. Der Waldkraiburger soll das Messer im oberen Gesichtsbereich angesetzt haben und mit erheblichem Kraftaufwand nach unten gezogen haben.

"Man wird kosmetische Korrekturen machen können. Aber das Gesicht bleibt gezeichnet", so der Gerichtsmediziner. Die Schnittverletzungen der Ex-Freundin gehen senkrecht durchs Gesicht und sind im einzelnen bis zu 20 Zentimeter lang. Der Angeklagte soll mit dem Messer aber auch auf den Körper der Frau losgegangen sein: Ein Schnitt durch den Arm ging bis auf den Knochen, mehrere Sehnen wurden durchtrennt.

Auch an Hals, Hand und Brustkorb hinterließ der Angeklagte mit seinem Messer Schnittverletzungen. Durch Schläge erlitt die Frau außerdem zwei Zahnabbrüche. Bis zu anderthalb Liter Blut verlor die Frau. Folgt man der Staatsanwaltschaft, ging Thomas L. gezielt vor, um ihr Gesicht zu entstellen. Der Angeklagte leugnete am ersten Prozesstag die Tat nicht, sprach aber von einer "Kurzschlussreaktion".

Zu den acht Schnitten im Gesicht der Ex-Freundin kommen zwei bis drei weitere Schnitte im Gesicht der Kollegin der Frau, die ihr zu Hilfe kommen wollte. Auch sie wurde mit einem Messer attackiert. Bei ihr soll der Waldkraiburger das Messer am Jochbein angesetzt haben und bis über die Lippen gezogen haben. Dazu kommen massive Schnitte im Unterarm. "Ohne Operation hätte sie die Funktion ihrer Hände verloren", schätzt Gerichtsmediziner Priemer.

Im Prozess gegen Thomas L., er ist angeklagt wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung, soll am heutigen Montag auch noch das psychologische Gutachten gehört werden. Außerdem werden die Vorstrafen verlesen. Ob auch die Plädoyers noch gehalten werden können, ist derzeit unklar.

Vorbericht Montag, 18. November:

Thomas L. und seine Ex-Freundin waren bis November 2018 in einer Beziehung. Grund für die Trennung waren seine Eifersucht und wiederholte Gewaltakte gegen seine Lebensgefährtin gewesen. Er wohnte allerdings noch vorübergehend bis Ende Dezember bei ihr. Danach zog er nach Inzell. Doch L. konnte die Trennung nicht akzeptieren. Zudem war er fest davon überzeugt, dass seine Ex-Freundin ein Verhältnis mit einem Arbeitskollegen hatte.

Zwei Frauen bei Angriff mit Messer verletzt

In der Nacht der Tat hatte die Geschädigte dann eine kleine Feier mit Bekannten gefeiert. Darunter war auch der Arbeitskollege, sowie eine weitere Arbeitskollegin und deren Freund. Thomas L. war stark betrunken mit dem Zug nach Waldkraiburg gekommen. Nach seinen Angaben wollte er nur eine Aussprache. Dann sah er jedoch den vermeintlichen Nebenbuhler im Bad der Wohnung. 

Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg

Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
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Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
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Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
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Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
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Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg
Mann verletzt Frau lebensbedrohlich in Waldkraiburg © fib/TE

Als seine Ex-Freundin ihm auf sein Klingeln hin öffnete, attackierte er sie sofort mit einem Messer. Dabei fügte er ihr Verletzungen im Gesicht zu, von denen sie bis heute Narben hat. Als die Kollegin auf Hilferufe hinzueilte, wurde auch sie verletzt. Auf das Flehen seiner Ex-Freundin hin ließ L. schließlich von ihr ab und stürmte in die Wohnung. Dort versuchte er vergeblich in das Zimmer zu gelangen, in dem sich sein vermeintlicher Rivale verschanzt hatte. Die beiden Frauen retten sich in die Wohnungen von Nachbarn.

Die Polizei war zunächst nur wegen einer verletzten Person alarmiert worden. Als die eintreffenden Streifenbeamten das Ausmaß der Situation begriffen, wurde rasch umfassende Verstärkung geholt und die Verletzten versorgt. L. ließ sich ohne viel Widerstand festnehmen. 

Täter gesteht Tat, will aber nicht gezielt gehandelt haben

Am ersten Tag des Prozesses, am Donnerstag, den 14. November, wurden Thomas L.s Aussage, sowie verschiedene Zeugen gehört. Darunter waren auch die beiden Frauen, die er verletzte.

L. leugnete die Tat an sich nicht. Allerdings bestritt er, von Anfang an geplant zu haben, seiner Ex-Freundin das Gesicht zu entstellen oder den vermeintlichen Nebenbuhler zu ermorden. Die Tat sei eine Kurzschlussreaktion gewesen. Das Messer habe er nicht als Waffe und eher zufällig dabei gehabt.

Dem gegenüber stand die Aussage zweier Polizeibeamten die angaben, L. habe vor ihnen erklärt, die Tat sei geplant gewesen und er freue sich über die Entstellung der Ex-Freundin. Allerdings wies sein Verteidiger darauf hin, diese Aussagen seien getätigt worden, bevor L. die notwendige Rechtsbelehrung vor Vernehmungen erhalten habe. Der Staatsanwalt konterte, es habe sich um keine Vernehmung sondern spontane Aussagen L.s ohne vorherige Fragen der Beamten gehandelt. 

Die beiden Frauen berichteten, sie seien bis heute psychisch und körperlich durch die Tat belastet. L. verhielt sich vor Gericht überwiegend ruhig. Nur als die Sprache auf seinen vermeintlichen Nebenbuhler kam, brach kurzfristig der Zorn aus ihm heraus und er schimpfte wüst über diesen.

Die Verhandlung am Landgericht Traunstein wird am Montag, den 18. November um 9 Uhr fortgesetzt. Als weitere Verhandlungstage sind der 28. und 29. November angesetzt.

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