Urteil zu sexuellen Übergriffen in Trostberg gefallen

"Ich war außer Kontrolle": Angeklagter muss in Psychiatrie

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Trostberg/Traunstein - Ein junger Afrikaner hat im vorigen Jahr reihenweise Frauen begrapscht, auch Mädchen auf einem Kinderspielplatz. Am Dienstag fiel das Urteil gegen den 23-Jährigen.

Update, 10.28 Uhr: Urteil gegen 23-Jährigen gefallen

Auch für das Landgericht unter Vorsitz von Klaus Weidmann ist die Sache klar: Laut Urteil muss der 23-jährige Eritreer in einem psychiatrische Krankenhaus untergebracht werden. Das Gericht hat an den Tatbeständen Beleidigung, sexuelle Belästigung, exhibitionistische Handlungen, Sachbeschädigung, vorsätzliche Körperverletzung, sexueller Missbrauch von Kindern, einem sexuellen Übergriff unter Gewaltanwendung und dem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte keinen Zweifel.

Aber der junge Mann ist wegen seiner Schizophrenie schuldunfähig, deshalb auch keine Haftstrafe in einem Gefängnis, sondern die angeordnete Unterbringung in einer Klinik. "Wenn er nicht behandelt wird, ist wieder mit erheblichen rechtswidrigen Taten zu rechnen. Wenn wir ihn auf freien Fuß setzen, wäre diese Behandlung nicht gewährleistet", so Richter Weidmann. Dementsprechend auch die letzten Worte des Angeklagten: "Ich habe es unbewusst gemacht, weil ich psychisch krank bin. Ich war außer Kontrolle."

Update, 9.53 Uhr: Urteil gegen 10 Uhr erwartet

Das passiert nicht oft bei Gericht: Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind sich einig, was mit dem Beschuldigten passieren soll - eine Unterbringung in einer psychiatrische Klinik, wie beispielsweise das Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum. "Der Beschuldigte hat eine paranoide Schizophrenie mit massiven Wahrnehmungsstörungen. Er hört Stimmen und meint, dass er von einer höheren Macht besessen sei", so Verteidiger Stefan Pritz.

Die Unterbringung zur Bewährung auszusetzen kommt ebenfalls für beide Seiten nicht in Frage. "Laut der Gutachterin besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Beschuldigte weitere, ähnliche Taten begeht. Er ist für die Allgemeinheit gefährlich", so Staatsanwältin Pia Moulas: "Er hat die Taten begangen und hat größtenteils ein Geständnis abgelegt." Das Urteil soll gegen 10 Uhr gesprochen werden.

Vorbericht

Ein 23-jähriger Eritreer soll im vergangenen Jahr reihenweise Frauen und auch zwei Mädchen auf einem Kinderspielplatz begrapscht haben. Dazu wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, einen elfjährigen Buben und einen Jogger geschlagen, einer Frau ins Gesicht gespuckt, vor einer Frau an der Alz onaniert und sich bei der Festnahme durch die Trostberger Polizei am 6. August 2018 heftig gewehrt zu haben. Die Verhandlung wird am Dienstag ab 9 Uhr vor dem Traunsteiner Landgericht fortgesetzt.

Der Angeklagte leidet unter einer paranoiden Schizophrenie, die sich wohl voll entfaltet hat. Er war daher nicht in der Lage, das Unrecht seiner Taten einzusehen und gilt als nicht schuldfähig. Deshalb war der Eritreer seit Oktober auch nicht mehr in einem Gefängnis in Untersuchungshaft, sondern im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum. Am Freitag berichtete eine psychiatrische Gutachterin von seiner Krankheit: Eine Technologie, eine Maschine habe ihn ergriffen, die ihn zu den Taten gezwungen habe

Viele der Vorwürfe räumte der 23-Jährige vor Gericht ein: Die Übergriffe im Rosengarten, das Onanieren vor den Augen einer Frau an der Alz, die Schläge gegen den Buben und den Jogger. Den Vorwurf ein zwölfjähriges Mädchen von hinten an die Brüste gefasst zu haben, leugnete der Angeklagte aber. Die Kinder mussten vor Gericht nicht aussagen, den Beteiligten genügten deren Aussagen in der polizeilichen Vernehmung.

Am Dienstag werden dann die Plädoyers und das Urteil des Vorsitzenden Richters Klaus Weidmann erwartet. chiemgau24.de wird aktuell vom Prozess berichten.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance / Jens Kalaene/

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