Drei junge Männer wegen bewaffnetem Überfall in Traunreut angeklagt

Gebrochene Biografien, Alkohol, Waffen - und Koks schon untertags

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Zwei der drei Angeklagten, links der 18-jährige Afghane, rechts der 18-jährige Traunreuter.
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Traunstein/Traunreut - Drei junge Männer stehen ab heute vor Gericht: Sie sollen in Traunreut unter Einsatz von Waffen Geld erpresst und Wertgegenstände gestohlen haben.

Update, 16.40 Uhr - Angeklagter sagt aus: "Ich war aggressiv"

Zum Teil schweigen die jungen Männer auf der Anklagebank, zum Teil widersprechen sie sich, zum Teil gibt es Geständnisse. Bei dem Prozess soll geklärt werden, ob drei junge Männer (18 aus Traunreut, 18 aus Afghanistan und 29 aus Traunreut)  für einen Überfall auf zwei Asylbewerber in Traunreut verantwortlich sind. Es ging um Geldforderungen, die drei machten den zwei Asylbewerbern laut Anklage vor dem Überfall noch in aller Öffentlichkeit Druck:

"Ich hätte nicht gedacht, dass er später noch solche Probleme macht, nachdem ich ihm die Waffe an den Hals gehalten habe", sagt der 18-jährige Traunreuter frei gegenüber dem Gericht. Der junge Mann ist ohnehin schon vorbestraft und verbüßt aktuell eine Strafe in der JVA Neuburg bis 2021. Bei der ganzen Aktion sei man aber auch viel Alkohol und Rauschgift im Spiel gewesen: Von Cannabis und Kokain bereits untertags berichten die Angeklagten: "Ich war aggressiv, ich konnte mich nicht kontrollieren", so der Afghane.

Bekannt wurden auch die Biographien der drei Angeklagten - vor allem die des 29-jährigen Russlanddeutschen aus Traunreut sticht heraus. Sein Leben ist bisher geprägt von Arbeitslosigkeit, Aushilfsjobs und einer Scheidung. 2009 dann ein weiterer Tiefschlag, als sein Vater und sein Onkel in Tacherting ohne Grund grausam getötet werden. Seitdem hat der Angeklagte Drogenprobleme: "Ich hab alles an Drogen genommen, was herging."

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt, weitere Verhandlungstage sind am 15. und 16. Januar geplant, am 18. Januar soll das Landgericht Traunstein dann das Urteil fällen.

Update, 11.33 Uhr: Staatsanwältin verliest Anklageschrift

Es sind Szenen wie aus einem Mafiafilm, die die Staatsanwältin in der Anklageschrift beschreibt: "Ich brauche mehr als 200 Euro, Du hast eine Stunde Zeit, dann will ich das Geld haben. Sonst komme ich in Deine Wohnung und schlage Dich", soll ein 18-jähriger Traunreuter zwei Asylbewerbern mitten auf dem Traunreuter Rathausplatz gedroht haben. Dann soll einem der beiden eine Gaspistole an den Hals gehalten worden sein.

"In Traunreut ist es ganz normal, dass solche Sachen passieren", sei den Asylbewerbern als "Erklärung" dann gesagt worden. Die beiden Asylbewerber hatten wohl Schulden beim zweiten Angeklagten, einem 18-jährigen Afghanen. Zum Treffen am Rathausplatz soll der Afghane in Begleitung seiner zwei Bekannten aus Traunreut, 18 und 29 Jahre alt, gekommen sein.

Nach diesem Treffen am Rathausplatz machte sich das Trio auf zur Wohnung des einen Asylbewerbers - bewaffnet mit der Gaspistole und einem Baseballschläger. Niemand war da, man trat die Tür ein, klaute Schuhe, einen Rucksack und einen Lautsprecher im Wert von über 500 Euro.

Dann ging es zur zweiten Wohnung: "Ich habe Dir vorhin gesagt, Du hast eine Stunde Zeit um das Geld zu besorgen", soll der 18-jährige Traunreuter gesagt haben. Um den Geldforderungen weiter Nachdruck zu verleihen, schlug er dann laut Anklage mit dem Baseballschläger auf einen der beiden Asylbewerber ein. Auch der 29-jährige Traunreuter schlug mit der Faust zu und der angeklagte Afghane soll den Asylbewerben mit dem Erschießen gedroht haben und ebenfalls zugeschlagen haben.

Beide Geschädigten wurden verletzt, auch in der zweiten Wohnung ging Inventar kaputt. Außerdem soll das Trio 170 Euro und zwei Handys im Wert von 800 Euro geklaut haben. Werden die drei jungen Männer die vorgeworfenen Taten gestehen?

Vorbericht

Der Abend des 11. April 2018 hielt Traunreut in Atem: Leser berichteten uns aus einem Mehrfamilienhaus von filmreifen Szenen - von mehreren bewaffneten Männern, von einem Großeinsatz der Polizei, manche hörten sogar Schüsse, zu denen es jedoch nicht kam. Ab Dienstag wird der Fall vor dem Traunsteiner Landgericht verhandelt. Angeklagt sind ein arbeitsloser Traunreuter, ein afghanischer Asylbewerber (beide damals 17 Jahre alt) und ein 28-jähriger Russlanddeutscher

Ein erstes Treffen zwischen dem Trio und den späteren Opfern soll es bereits am Abend am Rathausplatz gegeben haben. Es ging um die Rückzahlung eines größeren Geldbetrages, den Geschädigten wurde laut Staatsanwaltschaft bereits am Rathausplatz mit einer Gaspistole gedroht. Eine Stunde Zeit sei den Geschädigten dann angeblich gegeben worden, um Geld aufzutreiben - ansonsten würde man zuhause vorbeischauen.

Schüsse in Traunreuter Innenstadt?

So soll es dann auch gekommen sein: Nach dem Treffen am Rathausplatz wurde die Wohnung eines der Opfer aufgesucht, mit dem Metall-Baseballschläger, der Waffe und den Fäusten soll zugeschlagen worden sein. Laut Anklage wurden teure Handys geklaut und Einrichtungsgegenstände zertrümmert. Auch in eine zweite Wohnung sollen die Täter eingedrungen sein und Schuhe geklaut haben. Zwei Tage nach dem Überfall vermeldete die Polizei, dass die drei mutmaßlichen Täter verhaftet worden sind

Die drei Männer sind angeklagt wegen Nötigung, Schusswaffenbesitz, Diebstahl mit Waffen, Wohnungseinbruchsdiebstahl, Sachbeschädigung, besonders schweren Raubs, gefährlicher Körperverletzung. Für die Verhandlung sind vier weitere Prozesstage angesetzt, das Urteil soll am 18. Januar fallen. 

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

xe

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