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Was er alles bunkerte und wie ihn das Gericht nun verurteilte

Traunreuter mit riesigem Waffenarsenal: „Damit hätte man kleine Kriege führen können“

Da war sogar der Staatsanwalt baff: „Mit diesem Waffenarsenal hätte man kleine Kriege führen können“ - ein Traunreuter bunkerte in mehreren Lagern im Stadtgebiet jede Menge Waffen, tausende Schuss Munition, kiloweise explosive Stoffe und mehr. Jetzt hat ihn das Traunsteiner Amtsgericht verurteilt.

Traunreut/Traunstein - Allein die Liste, was bei einem 46-jährigen Mann aus Traunreut alles gefunden wurde, füllte sechs DIN-A4-Seiten: 20 Schusswaffen, darunter auch halbautomatische, 2900 Schuss Munition, Schalldämpfer, 31 Knallkörper, über zwei Kilogramm explosive Stoffe wie Schieß- und Schwarzpulver, dazu ein Nachtsichtgerät, ein Schlagring, ein Springmesser und ein Zielobjektiv. Einen Teil davon hortete er in seiner Wohnung, zwei weitere in Lagern im Traunreuter Stadtgebiet. Im Februar vorigen Jahres flog alles auf.

Waffenarsenal in Traunreut - Urteil am Amtsgericht Traunstein

Am Montag (7. November) verurteilte ihn das Traunsteiner Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Der 46-Jährige war von Anfang an voll geständig: „Als mein Großvater gestorben ist, da war ich 14, gingen bei ihm überall Waffen her - unterm Bett, im Keller... Das war der erste Schwung. Und als wenige Jahre später mein Vater gestorben ist, hab ich noch mehr gefunden“, erklärte der Angeklagte die Mengen des Waffenarsenals. „Und ein paar der Sachen hab‘ ich mir auch selber gekauft, zum Beispiel auf Flohmärkten in Österreich.“

Einen Waffenschein besaß er nie, das Unrecht sei ihm immer bewusst gewesen. „Die Waffen haben mich einfach fasziniert. Ich habe sie dann auch zerlegt und versucht, selber solche Dinger nachzubauen.“ Der Traunreuter besaß sogar einen Apparat, um selbst Patronen bauen zu können - „aber das ist eine etwas kompliziertere Geschichte“, so der Angeklagte bei der Verhandlung freimütig. Auch Richter Thilo Schmidt sprach von einer „entwaffnenden Ehrlichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes“. 30 Jahre lang habe er gesammelt, „da möchtest Du irgendwann auch damit schießen“, räumte der Mann ein. Am Rande eines Waldes bei Traunreut habe er manche Waffen dann auch ausprobiert, aber bewusst in den Boden gezielt.

Angeklagter: „Ich war erleichtert, dass die Polizei die Waffen gefunden hat“

Auch ein ermittelnder Polizist, der als Zeuge geladen war, hob hervor, dass der Traunreuter von Anfang an kooperierte. „Er hätte auch alles an Equipment gehabt um zu Wildern. Ein Nachtsichtgerät, Fleischerhaken, eine Wildkamera.“ Aber das konnte ihm nicht nachgewiesen werden. „Irgendwie war ich erleichtert, dass die Polizei die ganzen Waffen gefunden hat. Ich musste mir dann keine Gedanken mehr darüber machen, was irgendwann damit passiert wäre“, so der 46-Jährige. Das ganze Arsenal hat die Staatsanwaltschaft eingezogen, um es nun vernichten zu lassen.

Das Geständnis und die Reue rechneten ihm alle Prozessbeteiligten an, ebenso sein sauberer Auszug aus dem Bundeszentralregister. Richter Thilo Schmidt redete dem Angeklagten nach der Verkündung des Urteils trotzdem eindringlich ins Gewissen: „Sie haben eine technische Affinität für Waffen, das fasziniert viele Menschen - aber es war von Anfang an verboten. Damit kann großes Unheil angerichtet werden, weil Waffen dazu gemacht sind, Menschen zu verletzen oder zu töten.“ Verteidiger Michael Fraunhofer und Staatsanwalt Christian Liegl akzeptierten die Bewährungsstrafe, das Urteil ist somit rechtskräftig.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Oliver Berg

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