Vergewaltigungsprozess am Landgericht Traunstein

Verteidiger: "Mit dem Urteil gut beraten"

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Der Angeklagte vor der Verhandlung vor dem Landgericht in Traunstein
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Traunstein - Am zweiten Prozesstag fiel das Urteil gegen den Marokkaner aus dem Chiemgau wegen Vergewaltigung und Körperverletzung. *Neu: Video*

Update 13.30 Uhr: Das Urteil

Der Angeklagte wurde von der Strafkammer zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 6 Jahren verurteilt. Zur Urteilsbegründung gab der Richter an, dass ein Tatbestand für versuchten Mord hier nach der Beweisaufnahme nicht mehr zu erkennen war. Der Angeklagte hätte bereits vor dem Vorfall mit der Beteiligung des Vermieters die Möglichkeit gehabt, seine Frau zu töten. Darüber hinaus fand kein Würgen oder Drosseln statt, der Angeklagte habe nur versucht seine Frau vom Ort des Geschehens weg zu ziehen. Es könne also kein unbedingter Tatentschluss erkannt werden. Nach weiterer Betrachtung käme aber kein minderschwerer Fall bei den anderen Vorwürfen in Betracht.

Der Angeklagte wurde deshalb wegen zweifacher Vergewaltigung, einer davon in einem besonders schweren Fall, schwerer Körperverletzung, vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung verurteilt.

2. Verhandlungstag: Zeugen und Plädoyers Update 12.00 Uhr

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages wurden noch zwei Zeugen aus dem häuslichen Umfeld des Angeklagten gehört. Der Vermieter der Wohnung, in der der Übergriff auf die Ehefrau seitens des Marokkaners stattgefunden hatte und dessen Sohn. Beide Zeugen sagten vor Gericht aus, ihren Mieter so noch nicht gesehen zu haben. Beide wurden gegen 22:00 Uhr auf den Lärm und das Geschrei im Hof und vor dem Haus aufmerksam. Zuerst erreichte der Vermieter den Ort des Geschehens im Eingangsbereich des Hauses. Dort habe er den Angeklagten zusammen mit seiner Ehefrau gesehen. Mit einer Hand soll er das Opfer an Schal und Haaren festgehalten haben und versuchte sie aus dem Hausflur zu ziehen. In der anderen Hand hielt der Mieter einen langstieligen Schraubenzieher und bedrohte damit sowohl seine Frau als auch den dazugekommenen Zeugen.

Der Rentner wurde im Zuge dessen durch das Werkzeug an der Hand verletzt. Der zweite Zeuge, der Sohn des Vermieters, gab weiter an, dass das Opfer ihrem Ehemann den Schraubenzieher im Laufe der Auseinandersetzung entreißen konnte. Darauf hin soll der Angeklagte die Anwesenden mit einem kurz vorher ergriffenen Feuerlöscher bedroht haben, bevor er dann plötzlich weggelaufen sei. Beide Zeugen gaben an, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt sehr blass gewesen sein soll und dabei im Verhalten "völlig außer sich" reagierte.

Aussage des Opfers verlesen

In der Vernehmung im April dieses Jahres gab die gebürtige Italienerin an, im Sommer des letzten Jahres von ihrem ehemaligen Mann vergewaltigt und im Gesicht verletzt worden zu sein. Zudem sei sie im April 2013 in der eigenen Wohnung vom Angeklagten überrascht und angegriffen worden sein. Nachdem die Zeugin ihrem Mann von ihrer Absicht in Kenntnis gesetzt habe, sich von ihm trennen zu wollen, kam es zu dem Angriff. Dabei lauerte er ihr auf und überraschte sie in der Mietwohnung. Die Italienerin war zu diesem Zeitpunkt der Meinung, dass der Ehemann in Marokko im Urlaub sei. Als sie am Abend von der Arbeit nach Hause gekommen war, bemerkte sie, dass das Licht in der Wohnung nicht funktionierte. Sie rief auf dem Telefon ihres Mannes an und hörte es in der Wohnung klingeln. Sie ergriff sofort die Flucht und versuchte, sich in die Wohnung des Vermieters zu retten. Die Zeugin gab an, dabei von ihrem Ehemann verfolgt worden zu sein. Im Hausflur des Vermieters holte er sie schließlich ein und soll versucht haben, sie mit den Worten "Komm mit mir, du stirbst heute Nacht" am Schal und an den Haaren aus dem Haus zu ziehen.

Die Plädoyers

Im anschließenden Plädoyer fasste der Staatsanwalt die Beweisaufnahme noch einmal zusammen. Nach seiner Ansicht, könne man dem Angeklagten keine versuchten Mord zur Last legen. Was nach der Beweisaufnahme übrig geblieben ist, seien zwei Vergewaltigungen, eine in einem besonders schweren Fall, schwere Körperverletzung und Nötigung. Der Staatsanwalt forderte deshalb eine Gesamtstrafe von 7 Jahren. Die Nebenklägerin wies danach noch einmal darauf hin, dass besonders der dritte Fall für die posttraumatische Störung ihrer Mandantin verantwortlich sei. Deshalb sehe die Nebenklägerin die geforderte Strafe für zu gering an. Der Verteidiger des Angeklagten rief dem Gericht noch einmal das umfassende Geständnis ins Gedächtnis. Auch laut der Aussage der Ehefrau sei die Wirkung des Alkohols und der Drogen ein Stück weit für die Tat mitverantwortlich. Er forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 5 Jahren.

1. Verhandlungstag am Donnerstag - Update 17.35 Uhr

Am Nachmittag wurde der Prozess fortgesetzt, aber nicht - wie ursprünglich vorgesehen - mit der Aussage der Geschädigten. Aufgrund des umfassenden Geständnisses des Angeklagten verzichteten sowohl die Saatsanwaltschaft als auch die Verteidigung auf die Zeugenvernehmung. In den Nachmittagsstunden kamen so drei Gutachter zu Wort, zwei Rechtsmediziner und ein psychologischer Gutachter.

Der erste Rechtsmediziner ging in seinen Ausführungen auf den Alkohol- und Drogenkonsum des Angeklagten ein. Demnach wurde bei dem Angeklagte zum Zeitpunkt seiner Festnahme zwar kein Alkohol in dessen Blut nachgewiesen, er sei - auch nach dem umfassenden Geständnis - zum Tatzeitpunkt aber wahrscheinlich alkoholisiert gewesen. Positiv sei indes der Drogentest ausgefallen. Demnach habe der Angeklagte über einen langen Zeitraum nicht unerhebliche Mengen an Kokain konsumiert, so der Rechtsmediziner, der bei dem Angeklagten auch von einem regelmäßigen Mischkonsum von Alkohol und Kokain ausging.

Der zweite Rechtmediziner berichtete über die Untersuchungen beim Opfer. Demnach sei bei ihr nach den Angriffen des Angeklagten eine Narbe im Gesicht zurückgeblieben. Ihr seien auch definitiv Haare ausgerissen worden. Eine Tötungsabsicht konnte der Mediziner aber nicht bestätigen. Es habe kein Drosseln gegeben, die Beeinträchtigungen der Atemwege seien nicht lebensbedrohlich gewesen: "Eine abstrakte Lebensgefahr zu diesem Zeitpunkt liegt eher im theoretischen Bereich", so der Gutachter. Der Mediziner kam daher zu dem Schluss, dass es sich eher um ein Ziehen und nicht um ein Drosseln gehandelt haben muss.

Der Psychologische Gutachter ging schließlich auf die Schuldfähigkeit des Angeklagten ein. Demnach zeige der 39-jährige Marokkaner keine Entzugssymptome, es liege auch keine verminderte Schuldfähigkeit vor.

Zum Abschluss des Verhandlungstages wurden noch die Vorstrafen des Angeklagten verlesen. Demnach liegt eine Vorstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung vor.

Der Prozess wird am kommenden Montag, 9. Dezember, mit den Schlussanträgen fortgesetzt. Im Anschluss soll das Urteil fallen.

Update 14:00 Uhr

In einer ersten Erklärung ließ der beschuldigte Marokkaner über seinen Anwalt verlauten, dass er einen Großteil der ihm zur Last gelegten Verbrechen begangen habe. So gab der Angeklagte über seinen Verteidiger bereits zu, seine Frau im vergangenen Jahr nach einem Ehestreit getreten, geschlagen und vergewaltigt zu haben. Ebenso forderte er eine gewisse Summe des gemeinsamen Vermögens, das von seiner Frau verwaltet wurde, von einem Konto im Ausland auf das gemeinsame Konto zu überweisen. Auch der Vorwurf, dass der Angeklagte seine damalige Ehefrau mit einem Messer vor und im Zuge der Vergewaltigung verletzt und bedroht haben soll, wurde vom Anwalt bestätigt.

Nach der Tat habe er seine Frau versorgt und anschließend in eine Dachkammer gesperrt. Zum Zeitpunkt des ersten Verbrechens gab der Angeklagte an, bereits 32 Stunden wach gewesen zu sein und unter dem Einfluss von Alkohol, Haschisch und Kokain gestanden zu haben. Am nächsten Morgen habe der Angeklagte seine Ehefrau ein weiteres Mal vergewaltigt. Im Frühling dieses Jahres gab der gebürtige Marokkaner an, nach einem Telefonat mit seiner Ehefrau, in dem er von ihrer Absicht der Trennung erfahren habe, aus dem Urlaub nach Hause geflogen zu sein, ihr aufgelauert zu haben um sie nach der Arbeit zur Rede zu stellen. Dabei gab er an, lediglich eine Antwort zur Frage nach einem anderen Mann von ihr erhalten zu wollen.

Eine Tötungsabsicht wies der Angeklagte vehement von sich. Er habe seine Frau nur am Kragen und an den Haaren gepackt und gezogen, nur sehr kurz soll es zu einem Würgen oder Drosseln mit dem Schal laut Angaben des Angeklagten gekommen sein. In der Beweisaufnahme wurde Seitens des vernommenen Polizisten die Beweislage präsentiert.

Die zweite Vergewaltigung habe der Angeklagte selbst sogar auf Video aufgenommen. Die Aufnahmen konnten durch den technischen Dienst wiederhergestellt werden. Nach der Festnahme des Angeklagten in diesem Jahr entdeckten die Ermittler in demselben Raum, in dem die Frau nach der ersten Vergewaltigung festgehalten wurde, versteckt und aus ihrer Originalverpackung entfernt, zwei größere Messer, auf denen die Fingerabdrücke des Angeklagten festgestellt werden konnten. Neben einer angetrunkenen Flasche Schnaps fand die Polizei dort auch das Fluggepäck des Mannes. Der Angeklagte gab selbst an, sich dort versteckt zu haben, um abzuwarten, ob seine damalige Frau einen anderen Mann mit nach Hause bringt.

Aufgrund der Sachlage wird während der Mittagspause geprüft, ob auf die Vernehmung der Geschädigten und ehemals Ehefrau des Angeklagten verzichtet werden kann.

Update 09:20 Uhr

Vor der Strafkammer im Landgericht Traunstein wird heute der Fall eines 39-jährigen Marokkaners verhandelt. Er soll seine Ehefrau mehrfach vergewaltigt, körperlich und mit einer Stichwaffe verletzt, in einem Raum eingesperrt und in einem weiteren Fall mit dem Tode bedroht haben. Für den heutigen Nachmittag ist bereits die Aussage des Opfers geplant. Dabei handelt es sich um die Ehefrau des Mannes. 

Vorbericht

Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, dass er seine Frau in der gemeinsamen Wohnung getreten und anschließend gezwungen haben soll, eine größere Summe von ihrem eigenen Konto auf das gemeinsame Konto zu überweisen. Mit einem Messer bewaffnet soll der Ehemann die Frau weiter dazu gezwungen haben mit ihm zu schlafen. Dazu soll der Angeklagte ihr Alkohol in großen Mengen eingeflößt haben und mehrere Schnittwunden im Gesicht zugefügt haben. Nach der Vergewaltigung soll der vermeintliche Täter seine Frau in einen Schrank gesperrt haben.

Des weiteren wird der Mann beschuldigt, zu einem anderen Zeitpunkt seiner Frau aufgelauert zu haben, sie überfallen und mit einem Schal um den Hals gedrosselt zu haben und anschließend mit einem Werkzeug am Hals mit dem Tod bedroht zu haben.

Chiemgau24 ist beim Prozessauftakt am Donnerstag vor Ort und wird Sie über den Verlauf der Verhandlung auf dem Laufenden halten.

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