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Eifersüchtiger Rosenheimer bekommt Haftstrafe vom Landgericht

Messerstich ins Gesicht der Ex: Gericht spricht im Urteil von „Hurenschnitt“

  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Rosenheim/Traunstein - Wohl aus Eifersucht soll ein Rosenheimer seiner Ex-Frau etliche Messerstiche versetzt haben - auch mitten ins Gesicht. Wegen versuchten Mordes steht er jetzt vor dem Traunsteiner Landgericht. Heute könnte das Urteil fallen.

Update 15.50 Uhr - Gericht spricht im Urteil von „Hurenschnitt“

Das Urteil ist gesprochen: Sechs Jahre muss ein 54-Jähriger ins Gefängnis, weil er seine Ex-Frau am 20. Februar in ihrer Wohnung in Rosenheim mit dem Messer attackierte. „Er handelte in Verletzungsabsicht, nicht in Tötungsabsicht“, so der Vorsitzende Richter Erich Fuchs. Er geht von gefährlicher Körperverletzung aus, die Staatsanwaltschaft forderte dagegen ein Urteil wegen versuchten Mordes. Wegen Alkoholproblemen muss der Rosenheimer außerdem 18 Monate der Haftzeit in einer Entzugsanstalt verbringen.

Der Angeklagte handelte aus Eifersucht, befürchtete einen Nebenbuhler. „Er wollte der Geschädigten eine Narbe im Gesicht verpassen und sie damit kennzeichnen, damit sie für andere Männer unattraktiv und als untreue Ehefrau zu erkennen ist“, so das Traunsteiner Landgericht. Richter Fuchs sprach in dem Zusammenhang von einem „Hurenschnitt“. Die Bezeichnung sei im Kulturkreis, aus dem der Angeklagte stamme, nicht unüblich. Der Mann kam 1988 aus Bosnien nach Deutschland und heiratete im selben Jahr die geschädigte Frau.

„Die Narbe im Gesicht der Frau ist nicht so sehr entstellend“, befand das Gericht. Auch sei die Geschädigte (51) nicht in psychischer Behandlung: „Aber sie wird jeden Tag beim Blick in den Spiegel an die Tat erinnert.“ Im Handyvideo, das der Rosenheimer während der Tat aufnahm, sei die „panische Angst“ des Opfers zu hören gewesen, die Angst um ihr Leben gehabt hätte. „Und noch immer fühlt sich der Angeklagte als Opfer, obwohl er es war, der die Familie belastet hat“, so Richter Fuchs. 

Update 14 Uhr - Staatsanwalt fordert fast zehn Jahre Haft

Die Plädoyers gehen weit auseinander: Zwischen fünf und knapp zehn Jahren Haft liegen die Forderungen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Und auch die Beurteilung der Messerattacke in Rosenheim am 20. Februar sind unterschiedlich.
In den Augen der Staatsanwaltschaft war es ein versuchter Mord.

 „Alkoholeskapaden und Eifersuchtsattacken“ hätten zu dem Übergriff des 54-Jährigen auf seine Ex-Frau geführt. Sie sei „absolut ahnungslos gewesen“, als er mit nachgemachtem Schlüssel in ihre Wohnung eindrang und sie von hinten angriff. Der Staatsanwalt spricht von einem „äußerst egoistischen und feigen Vorgehen“. Der Angeklagte habe seiner Ex-Frau eine Affäre angedichtet und habe sie mit keinem anderen teilen wollen.
 
Die 51-jährige Geschädigte habe Messerstiche oder -schnitte ins Gesicht und auch in den Oberkörper abbekommen. „Bei diesem dynamischen Geschehen hatte es der Angeklagte überhaupt nicht in der Hand, welche Körperregion er trifft“, so die Staatsanwaltschaft. Nur weil der Sohn die Tat zum Teil beobachtete und die Frau dann flüchten konnte, habe der Rosenheimer von seiner Ex-Frau schließlich abgelassen. Neun Jahre und sechs Monate Haft und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt fordert der Staatsanwalt.

Auch für Verteidigerin Julia Scheublein-Asmus steht der Messerangriff „zweifelsfrei“ fest - aber ein Tötungsvorsatz könne nicht nachgewiesen werden. Der Angeklagte hätte absichtlich ein kleines Messer gewählt. Außerdem habe er schon, als er sich der Polizei stellte, gesagt, dass er seine Frau nur verletzen wollte. Auch im Prozess betonte der Mann immer wieder, er habe sie nicht töten wollen. Die Anwältin plädiert auf fünf Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und, wegen der Alkoholprobleme ihres Mandanten, ebenfalls auf Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.
 
„Ich kann nur sagen, dass es mir sehr leid tut“, so die letzten Worte des 54-Jährigen. „Ich hätte gerne, dass mich meine Familie wieder zurücknimmt.“ Nun steht nur noch das Urteil des Traunsteiner Landgerichts unter Vorsitz von Erich Fuchs aus. Es wird im Laufe des Nachmittages bekanntgegeben. 

Update 11.38 Uhr - „Gedanken kreisten um Nebenbuhler“

Satte 2,65 Promille hatte der Angeklagte, als er auf seine Ex-Frau mit dem Messer einstach. Doch der Rosenheimer hatte sich in den Wochen und Monaten vor der Tat so an den Alkohol gewöhnt, dass der Wert für ihn nur einer „mittelgradige Alkoholisierung“ entsprach, so der psychiatrische Gutachter. Er spricht mit Blick auf die Anklagebank von einer Alkoholabhängigkeit und empfiehlt einen Entzug über anderthalb Jahre.
 
Wegen der Gewöhnung an den Alkohol sei während der Tat auch die Einsichtsfähigkeit noch nicht eingeschränkt gewesen. „Im Video haben wir auch ein gezieltes Vorgehen gesehen“, so der Sachverständige. Auch wenn es im Leben des 54-Jährigen immer wieder Phasen gab, in denen er weniger oder gar nichts trank: die sechs Vorstrafen, allesamt kleinere Delikte wie Diebstahl oder Urkundenfälschung, seien ebenfalls oft in Verbindung mit Alkohol gestanden.
 
Der psychiatrische Gutachter sprach mit dem Angeklagten auch über seine Motive. „Seine Gedanken haben sich immer wieder um den vermeintlichen Nebenbuhler gedreht, den seine Frau bei der Reha kennengelernt hat.“ Auch wenn der Sachverständige noch nicht von einem „Eifersuchtswahn“ sprechen will, sei gesteigerte Eifersucht vor allem bei Alkoholikern ein „bekanntes Phänomen“. Immer wieder habe er betont, dass er sich an seiner Frau mit den Messerstichen rächen und sie verletzen wollte.

Jetzt geht es an die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung. Ob am Vorwurf des versuchten Mordes wirklich festgehalten wird? Womöglich stellt sich die Tat für die Prozessbeteiligten inzwischen auch als Körperverletzung dar. 

Vorbericht

„Ich wollte, dass sie mindestens eine Narbe (im Gesicht, Anm.) hat“, gestand der 54-Jährige aus Rosenheim am ersten Prozesstag vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass er seine Ex-Frau am 20. Februar mit den Messerstichen darüber hinaus auch ermorden wollte. Die Verhandlung wird am Montag (9. August) vor dem Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Neben den Aussagen der letzten Zeugen und der Sachverständigen werden auch die Plädoyers und womöglich das Urteil erwartet. Beginn ist um 9 Uhr.

Versuchter Mord an Ex-Frau in Rosenheim? Heute womöglich Urteil am Landgericht Traunstein

Der Alkoholkonsum des Rosenheimers sei in den vergangenen Jahren mehr und mehr geworden, damit kamen die Probleme, berichtete die Schwester der 51 Jahre alten Geschädigten. Als die Frau dann auf Reha war und einen Mann kennenlernte, ohne mit ihm intim zu werden, habe er durchgedreht. Schon zuvor sei gegen ihn ein Kontaktverbot verhängt worden, die Frau ließ die Türschlösser auswechseln und änderte ihre Handynummer. Mit einem heimlich nachgemachten Schlüssel sei der gebürtige Bosnier dann am 20. Februar zu seiner Ex und habe sie mit einem Messer am ganzen Körper attackiert. „Sie hat mich verletzt - und ich wollte sie verletzten“, so der Angeklagte.

„Ich glaube, er wollte sie umbringen. Das ist dieser verletzte Stolz. Für mich ist er ein Monster, kein Mensch“, so die Schwester des Opfers. Im Prozess deutet bisher vieles auf Eifersucht als Motiv hin. Vorsitzender Richter Erich Fuchs mutmaßte sogar, dass der 54-Jährige seiner Ex-Frau mit dem Messerstich ins Gesicht einen „Hurenschnitt“ zufügen wollte, um sie für andere Männer unattraktiv zu machen. Der Angeklagte wies das zurück. Er filmte die Tat sogar mit seinem Handy. Das erschütternde Video wurde am ersten Prozesstag ebenfalls vor Gericht gezeigt.
rosenheim24.de wird aktuell vom Prozess berichten.

xe

Rubriklistenbild: © Uwe Lein/dpa

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