Wollte Münchner (19) einen Mann (20) aus dem Landkreis Rosenheim umbringen?

Vater über Beschuldigten: „Er hat nie Probleme gemacht, war ein fröhliches Kind“

Auf diesem Seitenstreifen im Gemeindegebiet von Frasdorf soll ein 18-jähriger Münchner versucht haben, einen 19-jährigen Mann aus dem südlichen Landkreis Rosenheim zu töten.
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Auf diesem Seitenstreifen im Gemeindegebiet von Frasdorf soll ein 18-jähriger Münchner versucht haben, einen 19-jährigen Mann aus dem südlichen Landkreis Rosenheim zu töten. In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es dort gegen 1.30 Uhr zu einem tätlichen Angriff.

Traunstein/Frasdorf - In der Nacht auf den 28. Januar kam es im Raum Frasdorf zu einem versuchten Tötungsdelikt. Ein damals 18-Jähriger soll einen jungen Mann schwer verletzt haben. Dem mittlerweile 19-jährigen Beschuldigten wird seit Dienstag, 13. Oktober der Prozess gemacht. Am Mittwoch findet der zweite Verhandlungstag statt.

Update, 16.01 Uhr - Vater über Beschuldigten: „Er hat nie Probleme gemacht, war ein fröhliches Kind“


Laut des Vaters des Beschuldigten, der vor Gericht als Zeuge gehört wird, sei er ein fröhliches Kind gewesen. „Er hat nie Probleme gemacht, immer beste Noten nach Hause gebracht, war sportlich“, sagt der Vater. Einige Verhaltensweisen seines Sohnes seien ihm schon seltsam vorgekommen, was er aber noch nicht als gravierend empfunden habe. Als er dann den Anruf von der Polizei bekommen habe, sei er geschockt gewesen. „Als ich ihn dann sah, war er für mich anders.“ Er könne seinem Sohn in der Zukunft ein stabiles Umfeld und eine ambulante oder stationäre psychiatrische Betreuung ermöglichen.

In seinem forensisch-psychiatrischen Gutachten führt Dr. Stefan Gerl vom Inn-Salzach-Klinikum aus, dass der Beschuldigte im Tatzeitraum vermindert steuerungsfähig oder seine Steuerungsfähigkeit ganz ausgesetzt gewesen sein könnte. Unbehandelt sehe der Gutachter eine mögliche Wiederholungsgefahr als gegeben.


Die Verhandlung wird am 16. Oktober 9 Uhr fortgesetzt

Update, 13.04 Uhr - Beschuldigter zu seiner Tat: „In Gedanken hat das ganz harmlos ausgeschaut“

Jetzt äußert sich der Beschuldigte vor Gericht.

Er habe sich am Tattag über das Mitfahrgelegenheitsportal „blablacar“ eine Fahrt von Zürich nach Aschau im Chiemgau gebucht. „Wir (der Beschuldigte und der geschädigte Fahrer) haben uns echt gut verstanden“, so der Beschuldigte. Während seiner Aussage bricht er immer wieder in Tränen aus. Er ist sichtlich mitgenommen. „Ich habe ihm in die Augen geschaut und gesagt ‚das ist mein Freund‘. Ich habe mir gedacht, ‚ich habe niemanden, ich habe keine Familie, keine Freunde, einfach niemanden, ich bin ganz alleine‘. Da habe ich plötzlich Selbstmordgedanken bekommen. Ich dachte, ich finde auch keine Arbeit mehr und keine Wohnung.“ Er habe sich zuvor ein Messer besorgt, da er Angst gehabt habe in Aschau von einem Tier angegriffen zu werden. Bei Frasdorf habe er dann den Entschluss gefasst, sich des Autos des Geschädigten zu bemächtigen.

„Ich habe gedacht ‚soll ich das tun oder nicht?‘ Dann habe ich gedacht ‚das bist nicht du, tu das nicht, aber ich habe es getan.“ Er habe die Schulter des Geschädigten treffen wollen, damit dieser die Lage ernst nehme und aus dem Auto aussteigt. „Das hat in Gedanken ganz harmlos ausgeschaut. Aber dann hat er sich gewehrt. Ich glaube ich habe ihn am Hals getroffen weil er weggezuckt ist. Ich habe sofort aufgehört, als er mir in den Finger gebissen hat. Dann hat er sich befreit und ist aus dem Auto ausgestiegen. Ich bereue das zutiefst.“

Als das Opfer weg war, sei er erleichtert gewesen, da er nun einfach wegfahren konnte. „Der nächste Schritt war, meine Suizidgedanken abzuschließen. Ich habe gedacht ‚soll ich das tun oder nicht‘, aber ich konnte sie nicht einfach verlassen. Ich wollte meinen Vater wieder sehen. Auch meine Mutter habe ich lange nicht mehr gesehen. Ich konnte sie nicht einfach verlassen, deswegen habe ich meine Selbstmordgedanken verworfen.“

Dann sei dem Beschuldigten bewusst geworden, was er getan hat, was er dem Fahrer angetan habe. „Mein nächster Schritt war, mich der Polizei zu stellen.“ Im Handy habe er die nächste Polizeistation eingegeben und sich gestellt. „Ich wusste nicht was falsch ist, ich konnte zwischen Gutem und Schlechtem nicht unterscheiden. Jetzt weiß ich dass es an meiner Krankheit liegt.“

Er muss sich nun einer Reihe von Fragen des Gerichts stellen.

Update, 11.28 Uhr - Verteidigung fordert Unterbringung auf Bewährung

Rechtsanwalt Alexander Esser, der den beschuldigten 19-Jährigen vertritt, verliest zu Beginn des zweiten Verhandlungstages einen Antrag, in dem er für eine Unterbringung seines Mandanten auf Bewährung einsteht. Er stützt sich hierbei auf ein Gutachten von Psychiater Dr. Thomas Schwarz. Laut des Antrages sei es gut möglich, den Beschuldigten in seiner Heimat psychiatrisch ambulant zu behandeln.

Opferanwalt Christian Pusch fordert für seinen Mandanten ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Laut des psychiatrischen Gutachtens von Rainer Gerth von der Forensischen Psychiatrie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg gehe dieser von einer psychischen Erkrankung aus und habe sich daher auf eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus festgelegt. 

Vorbericht:

Er soll auf einen damals 19-Jährigen hinterrücks mit einem Messer eingestochen haben, der dadurch erhebliche Verletzungen davon geteragen hatte. Deshalb muss sich nun seit dem 13. Oktober ein 19-Jähriger Münchner wegen versuchten Mordes am vor der Jugendkammer des Landgerichts Traunstein verantworten. Das Gericht setzte drei Verhandlungstage an. Fortsetzungstermine: 14. und 16. Oktober jeweils neun Uhr.

Am ersten Verhandlungstag wurden verschiedene Zeugen und Gutachter gehört. Darunter auch das Opfer. Der Geschädigte soll über ein Mitfahrerportal zwei Personen aus Zürich nach Deutschland in seinem Fahrzeug mitgenommen haben, wie die Polizei damals mitteilte. Während eine Person in München ausgestiegen sein soll, haben der Geschädigte und der Beschuldigte Beifahrer mit aktuellem Wohnsitz in München ihre Fahrt in Richtung Süden fortgesetzt

Auf einem Parkplatz in Frasdorf soll es es dann zu dem tätlichen Angriff auf den Fahrer aus dem südlichen Landkreis Rosenheim gekommen sein. Der Beschuldigte soll den Geschädigten mit einem Messer schwer verletzt, ihn auf der Straße liegen gelassen haben und mit dem Wagen des Fahrers nach München zurück gefahren sein. Er befindet sich seitdem in psychiatrischer Behandlung.

Das Opfer sprach am ersten Verhandlungstag von einem „Kampf auf Leben und Tod“. „Ich habe die ganze Zeit gerufen ‚warum machst du das?‘ Zuerst habe ich gedacht es war jemand anderer und er hilft mir, aber irgendwann habe ich dann verstanden, dass er das war“, sagte er am Dienstag aus. Der Beschuldigte hatte sich nach dessen Aussage beim Geschädigten entschuldigt mit den Worten: „Es tut mir aus der tiefsten Tiefe meines Herzens leid, was ich dir angetan habe. Alles was ich dir antun wollte, war eine kleine Verletzung, dass du das ernst nimmst und ich das Auto nehmen kann um Suizid zu begehen.“

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